Lachgas verhindert Schmerzen

Von Renato Diekmann

Ein inhalatives Analgetikum erspart erkrankten Kindern Schmerzen und macht eine Narkose überflüssig.

 

Lachgas ermöglicht kleine schmerzfreie medizinische Eingriffe bei Kindern

Schmerzfreie Eingriffe bei Kindern

Obwohl bekannt ist, dass Kinder mindestens genauso stark – wenn nicht sogar stärker – Schmerz empfinden als Erwachsene, bestehen immer noch Defizite in der Schmerztherapie bei Kindern. Selbst in Deutschland wird die Schmerzprävention nicht konsequent und adäquat betrieben, um die Prävalenz oder die Intensität von Schmerzen bei Kindern zu senken. Eine unzureichende Schmerztherapie besonders bei Kindern hinterlässt in der Regel negative Erfahrungen und kann sich langfristig auf die spätere Schmerztoleranz und Schmerzempfindung auswirken.

Erfreulicherweise stellt der behandelnde Arzt sich immer häufiger die Frage, wie Ängste und Schmerzen erfolgreich vermieden werden können, wenn insbesondere bei Kindern ein kleiner medizinischer Eingriff erforderlich ist. Die Frage kann zufriedenstellend beantwortet werden. Seit 2008 gibt es ein inhalatives Analgetikum, das Kindern Schmerzen erspart und eine Narkose überflüssig macht: LIVOPAN®. Es besteht zu 50% aus Sauerstoff und einem 50%igen Lachgasgemisch und wird immer häufiger von Pädiatern (aber auch von Zahnärzten, Hebammen und Geburtshelfern / Frauenärzten) eingesetzt.

Analgesie-Alternative

„Die fixe, sofort einsatzbereite Sauerstoff-/Lachgas-Mischung ist im Vergleich zu den derzeit eingesetzten Alternativen in der Analgesie sicher und einfach in der Handhabung“, berichtete Dr. Michael Barthel, Chefarzt an der Klinik für Kinderchirurgie des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld. In der Zeit von Februar 2009 bis Juni 2010 kam dort das Fertig-Arzneimittel bei 142 Patienten im Alter von 18 Monaten bis 15 Jahren zum Einsatz. Die meisten Patienten wurden ambulant versorgt. Das Spektrum der Eingriffe reichte von Wundversorgung über Punktionen, Legen und Entfernen von Drainagen, Einrichten leichter Knochenbrüche, Gipskeilung, Fremdkörper- und Metallentfernungen bis zu Verbandswechseln bei leichten Verbrennungen. Die kurzfristige Gabe von LIVOPAN® kann dabei mit anderen, länger wirksamen Analgetika kombiniert werden. Als unerwünschtes Ereignis wurde das Auftreten von Schmerzen gewertet, das in fünf Fällen beobachtet wurde. Barthel erklärte, dass in diesen Fällen die Indikation nicht angemessen, sondern zu weit gestellt war. „Trotz dieser Fälle waren alle Eltern zufrieden“, so Barthels Fazit. Die starke Akzeptanz führte Barthel auch darauf zurück, dass die Eltern in die Therapie eingebunden wurden und nicht nur zusehen mussten. Für ihn stand fest: „Die höheren Kosten für den Eingriff rechtfertigen sich durch ausgesprochen zufriedene Patienten und Eltern.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umfassende Aufklärung der Eltern und Kinder schafft Vertrauen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gute Erfahrungen

Ähnliches schilderte auch Barbara Weyers vom Elisabeth-Krankenhaus in Essen: „Bei der Anwendung von LIVOPAN® haben wir zu 90 Prozent positive Erfahrungen gemacht. Sowohl die Kinder als auch die Eltern würden einer Behandlung mit LIVOPAN® jederzeit wieder zustimmen.“ Sie hob hervor, dass ein großer Vorteil dieser neuen Option in der Schmerztherapie vor allem in der kurzen Überwachungszeit der Patienten liege. Im Elisabeth-Krankenhaus werden dafür nur noch 15 bis 30 Minuten angesetzt. Das inhalative Analgetikum wird dort in der Ambulanz sowie auf der Station für kurze, schmerzhafte Eingriffe eingesetzt. Auch hier zählen Wundversorgung, Warzenentfernung, Abszessspaltung, Nagelplastiken und Ähnliches zu den Einsatzgebieten: „Viele weitere Indikationen sind denkbar.“ Wichtig sei die umfassende Aufklärung der Eltern und Kinder. Weyers hob hervor: „Während die Kinder einatmen, können sie sich beruhigen.“ Zudem gibt es Duftstifte, mit denen die Kinder der Maske einen angenehmen (Schokoladen, Erdbeer oder Orangen) Duft verleihen können. Die Eltern und Kinder haben so die Möglichkeit, die Maske besser kennen zu lernen und eventuelle Ängste abzubauen. „Während der Behandlung sollen die Kinder die Maske – je nach Alter – möglichst eigenständig halten.“ Bei kleineren Kindern ist unter Umständen die Hilfe der Eltern oder des Pflegepersonals notwendig. Die empfohlene pulsoximetrische Kontrolle zeigt den steigenden Sauerstoff-Gehalt des Blutes an.

Klare Entscheidung

„Auch Gelenkpunktionen bei Kindern und Jugendlichen können eine adäquate Analgesie erfordern. LIVOPAN® bietet hier eine inhalative Alternative zu intravenös applizierten Sedativa und Analgetika“, urteilte Dr. Thilo J. Schmalbach am Zentrum für Kinderrheumatologie der Asklepios Klinik Sankt Augustin. 33 Patienten im Alter zwischen 7 und 17 Jahren entschieden sich dort nach vorheriger Aufklärung für die neue inhalative Schmerztherapie. Auf einen venösen Zugang konnte dabei verzichtet werden. Zudem war bei keinem der Patienten eine Überwachung oder Nachbeobachtung erforderlich. Zwei Patienten brachen die Inhalation ab, weil die Atemwege gereizt waren. In zwei weiteren Fällen wurde die Behandlung unterbrochen, weil möglicherweise die Analgesie nicht ausreichte. Aufgrund der großen Vorteile der inhalativen Schmerztherapie mit äquimolarem Sauerstoff und Lachgas steht für Schmalbach fest: „Wir haben mit dem Gasgemisch eine hervorragende Alternative, um eine hohe Patientenzufriedenheit zu generieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kind kann zwischen Schokoladen-, Erdbeer- oder Orangenduft wählen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorteile für Kinder, Eltern und Klinik

Gerlinde Rosch, Intensivkrankenschwester an der Kinderklinik Dritter Orden in Passau, beurteilte den Einsatz von LIVOPAN® ebenfalls positiv und benennt die Vorteile für Kind, Eltern und Klinik auf dem Pädiatrietag 2011 in Bamberg. Das zu behandelnde Kind bleibt trotz schmerzstillender schwach narkotischer Wirkung wach und ansprechbar, entwickelt statt Angst ein Glücks- und Wärmegefühl und behält überdies die Klinik in guter Erinnerung. Eltern loben die entspannte Atmosphäre und sind mit der Arbeit der behandelnden Ärzte/innen durchweg zufrieden. Auch das Klinikpersonal hat den Nutzen erkannt und schätzt vor allem die schnelle Durchführung, das zufriedenstellende Outcome (Ergebnis) und das bessere Zeitmangagement.

Fazit

Oberarzt Dr. Alexander Worm von der Kinderchirurgie der Kliniken Nürnberg bezeichnet den Einsatz von LIVOPAN® als sicheres Verfahren. Es ist einfach in der Handhabung und kann durch entsprechend geschultes Krankenpflegepersonal sicher verabreicht werden, wenn zuvor eine gewissenhafte Überprüfung der Indikation stattgefunden hat. Dank der beruhigenden und sedierenden Eigenschaften von LIVOPAN® sind besonders Kinder vor und während des Eingriffs wesentlich kooperativer. Eltern können eingebunden werden und ggf. zusätzlich beruhigend auf das Kind einwirken. Nebenwirkungen wurden bei den in der Kinderchirurgie behandelten 91 Patienten mit 114 Eingriffen nicht festgestellt. Das Gasgemisch ist im stationären wie ambulanten Bereich einsetzbar. Allerdings benötigt man eine Notfallausstattung bei eventueller Inkubation, einen geeigneten Raum mit Lüftungsschacht und die sichere Lagerungsmöglichkeit der Gasflasche zur Nacht.

Quellen: Referenten Pädiatrie-Symposium 2010 Datteln,  Pädiatrietag 2011 Bamberg, Fotos: Linde Gas Therapeutics GmbH (3)

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