Franz-Josef Wuermeling – Lobbyist der Kinderreichen

Von Dr. Manuel Ruoff

Der erste Bundesfamilienminister gab dem »Wuermeling«  seinen Namen

Spät erst fand Franz-Josef Wuermeling zur Familienpolitik. Die Forderung nach einem stärkeren Lastenausgleich zugunsten kinderreicher Familien wurde jedoch schließlich zum Herzensanliegen des fünffachen Familienvaters. Vor 25 Jahren starb der erste Familienminister der Bundesrepublik Deutschland.

Der am 8. November 1900 in Berlin geborene Franz-Josef Wuermeling trat in die Fußstapfen seines Vaters. Wie Bernhard Wuermeling war auch der Sohn katholischer Konfession und gehörte als höherer Beamter und Parlamentarier sowohl der Exekutive als auch der Legislative an. Nach Abitur und Wehrdienst bei der Marine studierte er Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Münster, Hamburg und Freiburg im Breisgau. Dem Abschluss des Studiums mit der Promotion folgte 1926 die Aufnahme in das preußische Ministerium des Innern. 1931 wurde er Landesrat und Finanzdezernent der Provinzialverwaltung Kassel. Fünf Jahre nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er 1938 aus politischen Gründen zwangspensioniert.

Gezwungenermaßen ging Wuermeling in die Privatwirtschaft. 1940 wurde er Angestellter der Basalt-Actien-Gesellschaft mit Sitz in Linz am Rhein. Bis 1945 stieg er zum Vorstandsmitglied auf. Wegen dieser Tätigkeit wurde er als „unabkömmlich“ eingestuft. Nur wenige Monate musste er Kriegsdienst leisten, wie im Ersten Weltkrieg wieder bei der Marine.

Nach dem Krieg behielt er seinen Vorstandsposten und engagierte sich nebenbei in der Politik. Noch 1945 trat der Katholik der CDU bei und übernahm in Linz am Rhein das Bürgermeisteramt.

1947 beendete er seinen unfreiwilligen Ausflug in die Privatwirtschaft und ging ins Innenministerium zurück, diesmal als Staatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz, in dessen Norden Linz am Rhein nun lag. Gleichzeitg zog er für die CDU in den Landtag des neu geschaffenen Bundeslandes ein.

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ging Wuermeling in die Bundespolitik. Noch in deren Gründungsjahr zog er als Abgeordneter des Wahlkreises Altenkirchen-Neuwied in den Bundestag ein und wechselte als Staatssekretär vom rheinland-pfälzischen Landesdienst ins Bundeskanzleramt. In Bonn profilierte sich der Politiker als Spezialist für Haushalt und Beamtenrecht.

Im Jahre 1952 wurde in Bonn das Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter beschlossen, und nach der Bundestagswahl ein Jahr später wurde aus koalitionsarithmetischen Gründen ein neues Bundesministerium für Familienfragen aus dem Innenministerium herausgelöst. Erster Leiter dieses Ministeriums wurde Franz-Josef Wuermeling.

In diesem Amt profilierte sich der fünffache Familienvater vor allem als Lobbyist kinderreicher Familien. Der Familienlastenausgleich aus dem Gründungsjahr der Bundesrepublik sah nur eine Förderung der Familien durch steuerliche Kinderfreibeträge von anfänglich 600 D-Mark vor. Diese Freibeträge kletterten in Wuermelings Amtszeit bis auf 1200 D-Mark im Jahre 1961. Damit die Familien, die nichts zu versteuern hatten, nicht weiter leer ausgingen, wurde 1955 mit dem Kindergeldgesetz erstmals ein Kindergeld in Höhe von 25 D-Mark ab dem dritten Kind vorgesehen. Ab 1961 kamen auch kleinere Familien mit nur zwei Kindern in den Genuss dieses Kindergeldes.

Außerdem wurde 1955 der auch scherzhaft „Karnickelpass“ genannte „Wuermeling“ oder „Würmeling“ eingeführt. Hierbei handelte es sich um einen Berechtigungsausweis für ermäßigte Fahrkarten, den die Deutsche Bundesbahn beziehungsweise Deutsche Bahn aufgrund eines Bundesgesetzes für Kinder aus kinderreichen Familien bis 1999 anbot.

1957 wurde Wuermelings Ministerium um die Zuständigkeit für Jugendfragen erweitert. Allerdings machte erst sein Nachfolger, Bruno Heck, die Jugendpolitik zum Schwerpunkt seiner politischen Arbeit. Wuermelings Anliegen blieb die Familienpolitik. Entgegen dem Trend im „Wirtschaftswunder“-Land ging es ihm nicht um die Vereinbarkeit des Mutterdaseins mit dem Beruf, sondern um die finanzielle Absicherung der traditionellen Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau. Sein Emanzipationsmodell lief nicht darüber, dass die Frau die traditionelle Männerrolle im Berufsleben übernimmt, sondern über die höhere Wertschätzung der klassischen Rolle der Frau als Mutter. Das Zitat „Für Mutterwirken gibt es nun einmal keinen vollwertigen Ersatz“ wird ihm ebenso zugeschrieben wie „Eine Mutter daheim ersetzt vielfach Autos, Musiktruhen und Auslandsreisen“.

Mehrmals sah Wuermeling sich gezwungen, zur Durchsetzung seiner finanziellen Forderungen für die Familienförderung mit dem Rücktritt zu drohen. Als Bundeskanzler Konrad Adenauer 1962 als Folge der „Spiegel“-Affäre sein Kabinett umbildete, verlor Wuermeling sein Ministerium.

1969 verzichtete er auf eine weitere Kandidatur für den Bundestag, nicht ohne vorher noch der damaligen Bundesregierung „offene und stille Demontage des Familienausgleichs“ vorgeworfen zu haben, ein Prozess, der bereits unter dem Wirtschaftsliberalen Ludwig Erhard begonnen habe. Ein Jahr zuvor war er bereits wegen Differenzen mit seinem damaligen Landesvorsitzenden, Helmut Kohl, aus dem rheinland-pfälzischen CDU-Vorstand ausgeschieden.

Auch außerparlamentarisch verfolgte Wuermeling sein sozial(politisch)es Anliegen, so ab 1966 als Vorsitzender des Sozialdienstes Katholischer Männer. Am 7. März 1986 starb Franz-Josef Wuermeling im westfälischen Münster.

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