Schwester Oberin ist Wagnerianer

Barbara Krabbe singt und spielt alternierend mit Daniela Ziegler die „Schwester Oberin“ im Musical „Sister act“
Von Hans-Peter Kurr

Barbara Krabbe als Mutter Oberin. Foto: Claudio Goncalves

Wenn sie sich, vermummt gegen die winterliche Kälte und mit einem wärmenden Shawl, die Stimme zu schützen, angetan ,am Elbufer dem Nordostwind entgegenstemmt, wird niemand in ihr die temperamentgeladene Schwester Oberin erkennen als die sie sich – alternierend mit Daniela Ziegler, deren Können wir an dieser Stelle bereits gewürdigt haben – derzeit auf der Bühne des Operettenhauses an der Reeperbahn Dienstag abends und an einem Wochenend-Nachmittag bewegt: Barbara Krabbe ist eine „Wuchtbrumme“ – unverwechselbar in ihrem darstellerischen Feuer, gesangstechnisch wunderbar individuell ausgeprägt. Da sie für die Produktion „Sister act“ derzeit als „Walk-in Cover“ arbeitet, hob sie inzwischen noch eine zweite, sehr schöne Rolle, aus der Taufe, die Schwester Lazarus, die, mehr noch als die gestrenge Oberin, nach komödiantischem Talent verlangt. Und in der Verkörperung durch die Krabbe auch reichlich erhält.Barbara Krabbe lebt zwar in Hamburg, dennoch sind die Stätten , an denen sie darstellerisch tätig war und ist, kaum zu zählen. Das reicht vom saarländischen Festivalort Wadgassen bei Saarbrücken, wo die Festspielbesucher noch heute von „ihrer Piaf“ schwärmen bis nach Jagsthausen, wo sie im traditionellen „Götz“die Elisabeth sowie , in einem anderen Sommer , einen ( von der Regie dazugeschrieben) Narren gegeben hat und zu den etwa siebenhundert Tourneeorten, die die Landkarte der Bundesrepublik Deutschland aufweist.
Privat verbringt die begabte Darstellerin und Chansonette an Sommertagen, zwischen ihren eigenen Vorstellungen, gern Zeit  im – nicht weit vom Flüsschen Jagst entfernten – Bayreuth und besucht möglichst viele Generalproben, denn: Seit Kindertagen ist sie begeisterte Wagnerianerin: „Wäre ich Opernsängerin, würde ich am liebsten die Elisabeth im ‚Tannhäuser‘ singen.“ Nun, das sollte es in diesem Leben nicht sein, aber: ‚Infiziert‘ von der musikalischen Mutter vertraute sie sich in frühen Jahren einer Gesangslehrerin an (O-Ton jener Dame: „Du hast einen Vorteil vor der Piaf, Du lebst!!!“) und machte Gene Kelly, von dem sie gar – aus Kindertagen – ein Autogramm besitzt, das heute noch in ihrer Wohnung hängt, zu ihrem beruflichen „Gott“!

Zum Schluss stellt ihr der Chronist diejenige Frage, die seit Jahrzehnten in jedem Interview unerlässlich ist, die nach zukünftigen (Lieblings)- Rollenplänen. Die Antwort kommt spontan:

  1. Die Rose im Musical „Gipsy“   und
  2. Brechts „Mutter Courage“.

Sie wird sich in beide Frauenfiguren verwandeln……eines schönen Tages. Wer sie heute in „Sister act“ erlebt, wird daran nicht zweifeln können.

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