Reiner Klimke – erfolgreichster Dressurreiter

Von Dr. Manuel Ruoff

Reiner Klimke kam ursprünglich von der Vielseitigkeit – Vor 75 Jahren wurde er geboren

Er gilt als erfolgreichster Dressurreiter aller Zeiten. Vor 75 Jahren kam Reiner Klimke in Münster zur Welt. Zu seinem Paradefach, der Dressur, fand Klimke erst relativ spät, aber mit dem Reiten begann er bereits als Zwölfjähriger an der Westfälischen Reit- und Fahrschule seiner Geburtsstadt. Anfänglich ritt er die heutige Vielseitigkeit, damals noch weniger politisch korrekt Military genannt. 1950 gewann er sein erstes Turnier. Fünf Jahre später hatte er seinen ersten internationalen Auftritt in Thun. Bei der Europameisterschaft 1957 in Kopenhagen gewann er mit der Mannschaft die Silbermedaille. 1960 erreichte Klimkes Vielseitigkeitsreiter-Karriere mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rom und dem Gewinn der Deutschen Meisterschaften im Einzel auf „Winzerin“ einen Höhepunkt.

Preußisch bescheiden verwies der Reiter darauf, dass seine Erfolge zu „mehr als 50 Prozent“ auf das Konto der Pferde gingen. Allerdings war er an diesen „mehr als 50 Prozent“ auch beteiligt, hat er seine Top-Pferde „Fortunat“, „Dux“, „Mehmed“, „Ahlerich“ und „Biotop“ doch selber ausgebildet.

Erst nach dem ersten olympischen Gold 1960 in Rom wechselte Klimke von der Vielseitigkeit zur Dressur. Auf dem 60 mal 20 Meter großen Dressurviereck ging er nun Gold sammeln. Mit der Mannschaft gewann er 1964 in Tokio, 1968 in Mexiko-Stadt, 1976 in Montreal, 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul Gold. Hinzu kamen im Einzel 1968 und 1976 Bronze sowie 1984 auf dem Pferd „Ahlerich“ Gold. 1984 erhielt der Ausnahmesportler nicht nur zweimal olympisches Gold, sondern auch das Ehrenzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Gold mit Lorbeer, Olympischen Ringen und Brillanten. Bei den darauffolgenden Spielen 1988 in Seoul trug Klimke bei der Eröffnungsfeier die Fahne der bundesdeutschen Mannschaft. Daneben wurde der Westfale sechsmal Weltmeister, elfmal Europameister und neunmal Deutscher Meister.

Anders als andere Spitzenvertreter dieser überdurchschnittlich aufwendigen Sportdisziplin ging Klimke nebenbei noch einem Broterwerb nach, der nichts mit Rossen zu tun hatte. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität seiner Geburtsstadt, das er 1959 mit der Promotion abschloss, arbeitete er als selbständiger Rechtsanwalt und Notar. Nach den Wahlen 1990 zog der Christdemokrat, der bereits seit 1950 der Union angehörte, für eine Legislaturperiode in den nordrhein-westfälischen Landtag ein. Als stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses trug er mit dazu bei, dass der Sport als Staatsziel in die Verfassung Aufnahme fand.

Allerdings blieben Klimke auch Misserfolge nicht erspart. Ausgerechnet bei der Olympiade im eigenen Land 1972 in München gehörte er zwar zur Mannschaft, kam er aber nicht zum Einsatz. 1989 wurde ihm der Einzug in das Internationale Olympische Komitee verwehrt. Auch sein Griff nach der Präsidentschaft in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung misslang. Er sei einigen wohl zu unbequem gewesen, heißt es. Und zu dem von ihm angestrebten Karriereneustart bei den Sommerspielen 2000 in Sydney nach zwölf Jahren Pause von Olympia sollte es nicht mehr kommen: Im Alter von nur 63 Jahren erlag er am 17. August 1999 in Münster den Folgen eines Herzinfarktes. In seinem Geburtsort Münster hat er auf dem Zentralfriedhof auch seine letzte Ruhestätte gefunden.

Reiner Klimkes Erbe lebt jedoch fort. Sein Sohn Michael ist Dressurreiter. Und seine Tochter Ingrid gewann mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Vielseitigkeit. Daneben widmet sie sich der Ausbildung von Nachwuchspferden.

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