Porträtfoto am Straßenrand

erschienen im Hamburger Abendblatt am 10. Januar 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Jeder kennt das auf seinen täglichen Fahrten mit dem Auto: Entlang seines Weges befinden sich „Blitzer“, die darauf warten, uns mit ihrem hellen Schein zu erfreuen. Habe ich erfreuen gesagt? Egal, sie erfreuen mich jedenfalls immer insofern, als ich immer wieder beobachte, wie alle Autofahrer, die sich auf dieser Strecke auskennen und Zuhause sind, kurz vor der gefürchteten Blitzstation auf das Gaspedal treten, die geforderte Geschwindigkeit für eine kurze Strecke einhalten und dann wieder beschleunigen. Machen Sie das auch? Wahrscheinlich machen wir das alle – mehr oder weniger.

Es kann aber auch geschehen, selten zwar, aber es geschieht, dass ein routinierter Autofahrer, der sich auskennt, gerade an diesem Punkt so abgelenkt wird, dass auch er einmal in den Genuss eines solchen Porträtfotos kommt. Wahrscheinlich ist das auch schon vielen von uns passiert. In diesem Fall allerdings hatte die Geschichte noch einen besonderen Reiz.

Vater und Sohn sind auf dem Heimweg von einem besonderen Ereignis im Leben eines jungen Mannes: Er hat die theoretische Prüfung für seinen Führerschein ohne Fehler bestanden. Da ist die Freude groß. Natürlich wird erzählt und erzählt und miteinander noch einmal so richtig gefachsimpelt. Wie war das mit der Frage und dieser besonderen Vorfahrtsituation, die man doch gestern noch besprochen hatte? Ja, sie kam dran und konnte richtig beantwortet werden. So geht es hin und her.

Das Gespräch wird plötzlich durch den hellen Schein des aufleuchtenden Blitzes von der rechten Straßenseite her unterbrochen. Geblitzt mit Tempo 57 – na ja, das geht ja gerade noch so. Diesen Blitzer wird der angehende junge Autofahrer nun wirklich nie mehr vergessen! Dieses Foto kommt in die Annalen der Familie versehen mit einem hohen Schmunzelfaktor. So kann es kommen. Im Verkehr abgelenkt durch den Verkehr, in diesem Fall ganz harmlos natürlich…honi soit qui mal y pense!

Ein Gedanke zu „Porträtfoto am Straßenrand“

  1. Liebe Johanna,
    der Winter ist ein harter Mann. Das sagte nicht nur Matthias Claudius in seinem berühmten Gedicht. Auch Shakespeare und andere literarische Schwergewichte haben sich mit der kalten Jahreszeit befasst, und zwar immer verbunden mit dem Wunsch, es möge bald Frühling werden. Doch wie heißt es so schön? Da müssen wir durch. Und wenn zum Thema Winter noch ein so humorvoller Beitrag erscheint, macht er gelegentlich auch mal wieder Spaß.
    Liebe Grüße
    Deine
    U t a

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