Zur Notwendigkeit gelingender Beziehungen

Vorankündigung zur 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom 25.-27.03.2011 in Berlin

von Götz Egloff

Welche gesellschaftlichen Bedingungen und historischen Entwicklungen ermöglichen oder verhindern das In-Beziehung-Treten von Menschen? Die 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) möchte unter dem Titel „Wurzeln und Barrieren von Bezogenheit“ in größtmöglicher interdisziplinärer Weise Beiträge zu dieser Fragestellung zusammenführen, ist doch das Gelingen von Beziehungen die Grundvoraussetzung für ein menschlich-konstruktives Miteinander.

Das 20. Jahrhundert hat zwei Weltkriege hervorgebracht; Brennpunkte existieren nach wie vor weltweit. Gewalt ist sicher die Ursache der schwersten Traumatisierungen: Krieg, Verfolgung, Unterdrückung, Vertreibung, Vernichtung wirken sich auf die Beziehungsfähigkeit der Betroffenen erheblich aus. Die Verfolgung von Minderheiten wird oft als „Reinigung“ gerechtfertigt. Das Andere, die Andersartigkeit wird als „fremd“ und als „schmutzig“ empfunden und projektiv ausgestoßen. Doch auch die strukturelle Gewalt des Alltags (J. Galtung) hinterlässt ihre Spuren. Nach C. Türcke („Erregte Gesellschaft“) wird durch die Allgegenwart der Medien Bedeutung durch Events, Sinn durch Sensation ersetzt. Wiederum bringt die Globalisierung die Menschen einander näher, da sie weltweit vernetzt sind, und die Kommunikationsdichte wächst exponentiell. Andererseits werden zurzeit Selektion und Konkurrenz ins Groteske gesteigert. Wer die beschleunigte Entwicklung nicht mithält, rutscht ab ins Prekariat, ohne dass gesellschaftlich Notiz davon genommen wird. Dazu bedarf es allerdings Empathie. Wie entsteht Empathie, mittels derer sich Mutter und Kind ineinander „einfühlen“ können? Hat L. deMause recht, dass Empathie ein Spätprodukt kultureller Entwicklung ist und erst im 20. Jahrhundert die westliche Kultur erreicht hat? Oder ist das „eurozentrisch“ gesehen? Und wenn nun im Zuge der Globalisierung die Solidargesellschaft schrittweise in eine Selektionsgesellschaft umgewandelt wird, müsste dies nicht zur Verhinderung von Empathie beitragen?

Die Grundfragestellung der Tagung wird somit sein: welche gesellschaftlichen Bedingungen und historischen Entwicklungen ermöglichen oder verhindern Bezogenheit?

Die GPPP lädt herzlich ein. Anmeldung in Kürze über www.psychohistorie.de

25. Jahrestagung „Wurzeln und Barrieren von Bezogenheit“ der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) e.V. vom 25. bis 27.03.2011 in Berlin

Götz Egloff, Heidelberg/Hamburg (GPPP) – Dr. Uwe Langendorf, Berlin (GPPP)

Zuletzt erschienener Tagungsband:

Nielsen B./Kurth W./Reiss H.J./Egloff G.(Hg.) „Psychohistorie der Krise“, Jahrbuch für psychohistorische Forschung 11, Mattes-Verlag, Heidelberg, Dez. 2010.

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