Pikante Verwechslung

erschienen im Hamburger Abendblatt am 24. November 2010

Von Johanna R.Wöhlke

Soweit ich mich erinnere, trägt ein Käse aus Holland den Namen „Pikantje“. Darunter muss man sich wohl einen Käse vorstellen, der einen eindrucksvollen Geschmack hat. Jedenfalls einen Geschmack, der so intensiv in Erinnerung bleibt, dass beim nächsten Kauf an der Käsetheke die Entscheidung wieder auf diesen Käse fallen sollte, wenn nicht immer, so doch immer einmal wieder. Pikant, das bedeutet also: gut, interessant, genussvoll, gewürzt und nicht fade, gleichzeitig nicht überwürzt, irgendwo zwischen mild und stark angesiedelt, in Erinnerung bleibend – pikant eben.

Diese Gedanken im Hinterkopf, höre ich interessiert einer Freundin zu, die wieder einmal lebhaft ihre Geschichten aus dem Leben zum Besten gibt. Wir haben uns lange nicht gesehen. Es ist einiges angefallen – auch einiges Private kommt zur Sprache. Die Liebe gehört zum Privaten – wie immer. Aber nun ist sie trotzdem Thema und lässt alle schmunzeln, denn wir sitzen beim Frühstück zusammen und meine Freundin greift gerade zu einer Scheibe Käse, um sie sich auf ihre Brötchenhälfte zu legen.

Das ist der „pikante“ Augenblick! Sie lacht und berichtet. „Wisst ihr, was eine Pikante ist?“ Wir schauen sie fragend und erwartungsvoll an. Sie meint offensichtlich nicht die Scheibe Käse. Sie lacht noch immer und meint: „ Ja, mein Nachbar hat neulich gesagt, er habe eine Pikante…!“

Jetzt lachen wir auch. Gut, der Nachbar hat keine Scheibe Käse gemeint, er hat sich einfach nur versprochen und aus einer Bekannten eine Pikante gemacht.

Wie es Versprecher so an sich haben können, ist auch dieser entzückend! Wir wünschen diesem Nachbarn von ganzem Herzen, dass diese Bekannte auch eine Pikante ist – gut, interessant, genussvoll, nicht fade, in Erinnerung bleibend. Was wollte Mann mehr?

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