„Größte Mehrzweckhalle der Welt“

Von Dr. Manuel Ruoff

Sie galt als die „größte Mehrzweckhalle der Welt“, als sie am 29. November 1935 von Adolf Hitler eröffnet wurde. Insbesondere die 117 Meter lange und 83 Meter breite stählerne Dachkonstruktion galt als architektonische Meisterleistung. Beeindruckend ist auch die Bauzeit der von Franz Ohrtmann und Fritz Wiemer entworfenen Deutschlandhalle: neun Monate.

Anlass ihres Baus waren die Olympischen Spiele 1936 in der Reichshauptstadt. Dort wurde die Halle denn auch in der Tat genutzt. In der ersten Woche wurden hier gerungen und Gewichte gestemmt, in der zweiten dann geboxt. Auch ansonsten wurde die Halle intensiv für Sportwettkämpfe genutzt. Bereits eine Woche nach der Einweihung fand auf der 208 Meter langen Holzpiste ein 100-Kilometer-Mannschaftsrennen statt. Doch auch für Parteiveranstaltungen und die Zirkusshow „Menschen, Tiere, Sensationen“ wurde der Bau verwendet. Geschichte schrieb Hanna Reitsch, als sie 1938 in der Deutschlandhalle den ersten Hallenflug mit einem Hubschrauber vorführte.

Im Zweiten Weltkrieg setzte am 16. Januar 1943 ein Luftangriff während einer Vorstellung von „Menschen, Tiere, Sensationen“ das Dach in Brand. Weder Mensch noch Tier wurden getötet, aber die Deutschlandhalle war nicht mehr zu retten.

Der Wiederaufbau wurde zwar bereits 1949 vom Berliner Magistrat beschlossen, aber erst acht Jahre später Realität. Nun mit einem Dach aus Spannbeton versehen, wurde die Deutschlandhalle am 19. Oktober 1957 ein zweites Mal eröffnet. Und wieder wurde sie vielfältig genutzt. Wieder „Menschen, Tiere, Sensationen“, aber auch „Holiday on Ice“, „British Tattoo“, Sechstagerennen sowie Reit- und Springturniere waren dort zu sehen. Das Bolschoi-Ballett trat hier ebenso auf wie die „Rolling Stones“, „The Who“, „Queen“ und Jimi Hendrix.

Mit der Begründung, baufällig zu sein, wurde die Deutschlandhalle 1998 geschlossen. Da die benachbarte Eissporthalle an der Jafféstraße jedoch gleichfalls

„rück­gebaut“ werden sollte, um einem Südeingang zum Messegelände Platz zu machen, und der Berliner Eishockeyverein „Berlin Capitals“ dann heimatlos geworden wäre, wurde die Deutschlandhalle provisorisch zu einer Eissporthalle umgebaut. Wenige Monate nach dem Abriss der Jafféhalle wurde die Halle am 15. August 2001 ihrer neuen Bestimmung übergeben.

2005 wurde der Bau Veranstaltungsort der Großkundgebung des Deutschlandtreffens der Ostpreußen, dann aber erneut geschlossen. Diesmal lautete die Begründung Einsturzgefahr. Nach Belastungstests konnte jedoch Entwarnung gegeben werden und 2006 wurde die Halle dann wieder für den Eishockeysport geöffnet.

2009 ist die Deutschlandhalle nun wohl zum letzten Mal geschlossen worden. Eine neue Eissporthalle ist bereits im Bau und kommendes Frühjahr soll die Deutschlandhalle nun definitiv abgerissen werden.

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