Gigantische Baustelle

Das Kraftwerk Moorburg: Am Ende auch so sauber wie die Grafik aussieht?

Von Renato Diekmann

Baugenehmigung erteilt

Im Süden der Hansestadt Hamburg entsteht auf 300.000 Quadratmetern Baufläche eines der leistungsfähigsten, aber auch umstrittensten Kohlekraftwerke der Welt. Sowohl die Grün Alternative Liste (GAL) als auch der Umweltverband BUND bemängelten den viel zu hohen C02-Austoß von insgesamt 8,5 Millionen Tonnen jährlich und die zu erwartende Kühlwasserentnahme aus der Süderelbe – eine Belastung für die Umwelt, insbesondere für die Fische, denen man erhebliche Sauerstoffmengen entziehen würde. Nach Beilegung des Streits zwischen Hansestadt und Vattenfall und aufgrund verschärfter Umweltauflagen wurde nun von Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) die endgültige Genehmigung für das Kohlekraftwerk Moorburg erteilt.

Gefahr in Verzug

Täglich wachsen Großbaustelle und damit auch die Gefahren der Verletzung am Arbeitsplatz. Schon auf kleineren Baustellen ergeben sich viele Gefahrensituationen aus den sich ständig ändernden Verhältnissen. Aufgrund der gigantischen Größe des Bauvorhabens Kraftwerk Moorburg sind die Herausforderungen an den Arbeitsschutz noch komplexer und wesentlich höher. Der Arbeitsschutz findet hier also in hohem Maße Beachtung. Allein die Organisation der Esten Hilfe mit einer funktionierenden Rettungskette ist eine große Herausforderung und muss im Ernstfall funktionieren.

Keine absolute Sicherheit

Trotz aller Arbeitsschutzmaßnahmen und fachgerechter Einweisungen eines Bauarbeiters am Arbeitsplatz können Unfälle auf Baustellen nicht 100-prozentig ausgeschlossen werden. Das bestätigte sich leider am 10.11.2010, als ein Bauarbeiter im Kohlekreislager aus einer Höhe von 1,90 Metern von einer Leiter in die Tiefe stürzte und verletzt wurde. „Gottseidank befindet sich besagter Mitarbeiter nicht in Lebensgefahr“, so Diplom Ingenieur Richard Warzawa, Leiter der Großbaustelle, erleichtert. „Inzwischen haben wir die Information, dass sich der Kollege eine Rippenfraktur zugezogen hat und schon bald wieder gesund und voll einsatzbereit sein wird.“

Permanente Verbesserung

Dennoch scheint sich das auf der Großbaustelle von Helmut Kostein entwickelte Sicherheitskonzept, für das der Diplom Ingenieur von der Berufsgenossenschaft für Bauwirtschaft mit der Verdienstmedaille „Sicherheit am Bau“ ausgezeichnet wurde, zu bewähren. Statistisch gesehen ist die Zahl der Arbeitsunfälle nämlich rückläufig. Zu Beginn des Baus im Jahre 2007 gab es 22 Unfälle pro eine Million geleisteter Arbeitsstunden. Im Jahr 2009 waren es nur noch 15 Unfälle. Das ist zwar immer noch zu viel, aber ein wesentlicher Schritt in Richtung sicherer Arbeitsplatz am Bau.

Atemberaubendes Tempo

Das Tempo, mit dem Vattenfall die Montage vorantreibt, beeindruckt. Bis zu 3.000 Baufachleute arbeiten derzeit an der Mammutbaustelle. Über 80.000 Tonnen Stahl und 300.000 m³ Beton wurden inzwischen verbaut, 25 Raupenkräne sind bis 22 Uhr werktäglich im Einsatz. Ende 2012 soll das 2,6 Milliarden teure Kraftwerk 11 Gigawatt (11 Milliarden KWH) Strom erzeugen und fast den kompletten Strombedarf Hamburgs decken sowie rund 180.000 Haushalte mit Fernwärme beliefern.

Text: Renato Diekmann, Foto: Vattenfall Europe Generation AG

Schreibe einen Kommentar