Die eiserne Hand ist weich geworden

Zur Premiere von Goethes „Götz von Berlichingen“ in Hamburg
Von Hans-Peter Kurr

Man nehme ein goethe’sches Sturm-  und Drangdrama (Davon gibt’s nur eines), geschrieben im 18. Jahrhundert, setze einen Regisseur aus Prag daran, Goethe im 21. Jahrhundert  zu verbessern (O-Ton: Dusan David Parizek: „Da muss man Hand anlegen!“), eine Handvoll hervorragender Ensemblemitglieder des kapitänlosen Deutschen Schauspielhauses zu Hamburg von Hannig bis Prelle, setze sie ( aus Gründen der Sparsamkeit vermutlich – wegen der immensen Etat-Kürzungen durch den Stadtstaat Hamburg ) vor eine bühnenhohe Wand, die schon in „Kabale und Liebe“ gespielt hat, auf ein paar Holzstühle, degradiere sie von Schauspielern zu Sprechern (höchst eindruckvollen und gestaltungszornigen, notabene!), stelle ihnen einen klugen Dramaturgen an die Seite wie den nach Schirmers Rücktritt vorübergehend zurückgekehrten Michael Propfe, der klug darüber wacht, dass der „unbedarfte“ Zuschauer in Parkett und Rängen wenigstens dem Handlungsfaden noch folgen kann, garniere das Ganze mit ein paar fetzigen Pop-Einlagen, bewirke durch viele ( nicht immer sinnvolle?) Striche, dass das gesamte Spektakel nicht länger als 110 Minuten währt (Länger hält der Reiz des Neuen nicht vor ) , verlege das berühmteste Goethe-Zitat zum Gaudi des Publikums von dem Mund des Titelrollenträgers in den seiner Ehefrau Elisabeth (, weil der Alte vom Asbach  zu besoffen ist, es herauszulallen?), senke wenige Minuten vor Stückschluss die gewaltige Wand ab, um wenigstens für kurze Zeit die beieindruckenden Maße dieser wundervollen ( hier wieder einmal ungenutzten ) Bühne an der Kirchenallee wirken zu lassen, lasse die Darsteller beim Applaus lange Wanderungen in die Tiefe und wieder zurück an die Rampe vornehmen, sodass den dauerhaft Applaudierenden die Handflächen schwellen, weil sie wenigstens ( sehr verdientermassen!!!) den Darstellern heftig Dank und Beifall spenden möchten….und der Spuk ist vorbei.-
Draussen regnet es, die Vorstellung begann um 20.00 Uhr, jetzt ist es 21.50 Uhr, um 22.00 Uhr ist hierorts alles vergessen. Und in der Kantine knallen die Korken….wie immer nach einem grossen Erfolg!

Schreibe einen Kommentar