Liebe in der Zeit der Zwiebel

erschienen im Hamburger Abendblatt am 29. Oktober 2010

von Johanna Renate Wöhlke

Die Frage „ ja oder nein“ ist natürlich auf vieles im Leben anwendbar. Hier aber soll es sich um einen ganz besonderen Fall handeln, der nicht anders als prekär zu nennen ist. Es geht um zwei lebenswichtige Lebensmittel: um Zwiebeln und Knoblauch! Zwiebeln und Knoblauch, meinetwegen auch Zwiebeln oder Knoblauch – ja oder nein?

Ein eng mit einer Frau verbandelter junger Mann schüttete mir diesbezüglich sein Herz aus. Ja, so meinte er sehr überzeugend, er liebe seine Freundin sehr. Ja, so fügte er genauso überzeugend hinzu, er liebe eigentlich auch Zwiebeln und Knoblauch in vielen Kombinationen, allein oder gemeinsam. Die Reihe an Lebensmitteln, die er aufzählte, war nicht kurz.

Darin aber liegt für ihn nun das Problem – denn: Die Freundin mag es nicht so sehr, wenn die gemeinsam verbrachten Stunden von Zwiebel- und Knoblauchfahnen – sagen wir es unverfänglich so – durchweht werden. Ich muss zugeben, dass dieser Gedanke mir nicht so abwegig vorkommt. Sicherlich werden viele Leser ihn teilen können und den Konflikt verstehen.

Soll die Liebe denn wirklich wegen Zwiebeln und Knoblauch Schaden nehmen? Wer kann diese Frage abschließend und befriedigend beantworten? Keiner. Sie gehört wirklich und wahrhaftig zu den wichtigen, ungelösten Fragen dieser Welt. Kein Paar wird echte Hilfe bekommen. Jedes Paar muss darauf eine eigene Antwort finden. Das macht die Liebe schwierig, ja so ist das.

Andererseits muss auch keiner verzweifeln. Wie mir neulich berichtet worden ist, gibt es im Laufe vieler Ehejahre ein sehr bewährtes Mittel, diesem Problem den Garaus zu machen: getrennte Schlafzimmer! Ich will nicht behaupten, dass alle alten Paare das wegen des Zwiebel-Knoblauch-Problems tun, niemals. Aber diese Möglichkeit beweist doch wieder einmal: Manchmal ist Nähe gut durch Ferne zu ertragen…

Ein Gedanke zu „Liebe in der Zeit der Zwiebel“

  1. Liebe Präsidentin!
    Obwohl alle Kommentare, die ich in den vergangenen Tagen geschrieben habe und versenden wollte, beim letztgenannten Vorgang einfach verschwanden, also auch niermals ankamen (Was sich auch der befragte Webmaster nicht erklären kann), versuche ich es hier noch einmal, weil mir Dein Beitrag – wieder einmal – so gut gefällt. Es gibt nämlich ein sehr probates Mittel, das Bettina und ich gelegenlich exerzieren und das da lautet: Esst doch beide Knoblauchzehe…..und – oh Wunder! – der unangenehme Geruch verschwindet….zumindest für die zwei, weil nur scheinbar. Die Umwelt sollte dieserhalb lieber nicht befragt werden. Herzlich Dein H.-P. Kurr

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