Abschied von Loki Schmidt

Von Johanna Renate Wöhlke

Präsidentin der DAP

Loki Schmidt hat uns ihre Kindheitsgeschichte erzählt – seither haben wir eine Geschichte mit Loki Schmidt und sie ist Teil unserer Geschichte geworden – wie sie Teil so vieler menschlicher Geschichten geworden ist in ihrem so reichen Leben – nicht nur als Gattin eines Bundeskanzlers, sondern als eigene, auf ihren Feldern engagierte Persönlichkeit.

Josef-Wilhelm Knoke, Dr. Wolf Tekook und ich haben Loki Schmidt vor einem Jahr Zuhause in Hamburg besucht. Mit ihrer Kindheitsgeschichte, die Teil eines Buches werden wird, hat sie uns ein Geschenk gemacht, das wir nie vergessen und für unsere Leser bewahren werden.

Wir waren ihre Gäste, haben ihren Kaffee getrunken und mit ihr zusammen auf dem Sofa im Wohnzimmer gesessen, auf dem schon so viele bekannte Persönlichkeiten der Weltgeschichte Platz genommen haben. „Wo Sie jetzt sitzen, da hat Giscard d`Estaing gesessen“ sagte sie mir beim ersten Interview vor fünfzehn Jahren.

Dort zu plaudern, wo schon bekannte und wichtige Persönlichkeiten der Weltgeschichte ebenso Platz genommen haben, natürlich vermittelte das ein Gefühl von Weltverbundenheit – genauso übrigens wie die Prozedur des Anmeldens, Prüfens des Personalausweises, Monitor und Schutzpolizei. Ein nicht alltäglicher Besuch also. Ein nicht alltäglicher Ort.

Aber das war es nicht, was uns gefesselt hat. Sie hat uns beeindruckt, tief beeindruckt: ihre Präsenz, ihre geistige Klarheit, ihr Humor, ihre Ehrlichkeit, ihre Professionalität, ihr Wissen, ihre reichen Erinnerungen und Erfahrungen.

Josef-Wilhelm Knoke, Loki Schmidt, Johanna Renate Wöhlke und Dr. Wolf Tekook
(von links) Josef-Wilhelm Knoke, Loki Schmidt, Johanna Renate Wöhlke, Dr. Wolf Tekook

Nun sind wir in diesen Tagen mit unseren Gedanken besonders in ihrem Haus, im Wohnzimmer mit Bildern und Erinnerungen an ein reiches Dasein angefüllt, das ihr Leben bedeutet hat und hören mit Freude, dass sie auch an diesem Ort sterben durfte. Ein Geschenk, das das Leben ihr noch zum Schluss bereitet hat. Wir erinnern uns mit Dankbarkeit, Respekt und verneigen uns im Geiste vor dieser großartigen Frau und ihrem Lebenswerk. Wir tun das auch im Namen des Vorstandes der Auswärtigen Presse Hamburg und ihrer Mitglieder.

Josef-Wilhelm Knoke, Dr. Wolf Tekook, Johanna Renate Wöhlke

Foto Loki Schmidt: Dr. Wolf Tekook

2 Gedanken zu „Abschied von Loki Schmidt“

  1. Liebe Johanna,
    ja, ein würdiger Beitrag zum Tod der großen alten Dame. Ich habe sie einmal im Zug Hamburg-Berlin getroffen und ein wenig mit ihr geplaudert. Sie hat mich tief beeindruckt mit ihrer Natürlichkeit und menschlichen Wärme. Auch als Lehrerin war sie eine Ausnahmeerscheinung – ein Mensch, der sich für seine Schüler Zeit nahm und versuchte, die Sorgen und Nöte der ihr anvertrauten Kinder zu verstehen. Dennoch hat sie einmal gesagt, sie habe heute noch ein schlechtes Gewissen, weil sie nie genügend Zeit gehabt habe, sich „richtig“ zu kümmern. Im Alter von 91 Jahren muss natürlich mit dem Ableben eines Menschen gerechnet werden. Dennoch – dieser Tod kam noch viel zu früh. Da bleibt nur noch zu sagen: Requiescat in pace.
    Danke für den Beitrag
    Uta Buhr

  2. Meine liebe und hochgeschätzte Präsidentin!
    Deine Zeilen aus Anlass des „Passings away“ – wie die englische Sprache es so sinnfälliug formuliert – von Loki Schmidt haben mich zutiefst berührt , und ich verneige mich gemeinsam mit Dir. Was Du geschrieben hast, verrät Stil und Niveau. Auch ich hatte – vor zwei Jahrzehnten und mehr – die Freude und Ehre, das Ehepaar Schmidt gemeinsam kennenzulernen. Und ich fühle, ebenfalls zweifacher Wiwer, sehr tief mit dem zurückgebliebenen Ehemann, der – vermutlich -zunächst gar nicht wissen wird, warum er nicht gemeinsam mit seiner geliebten Ehefrau hinweggehoben wurde. Da wir alle seiner klugen Hilfe noch bedürfen – in dieser brutal verfahrenen deutschen Demokratie – , wird er es bald wissen. In ininger Verbundenheit mich Euch Dreien bin ich Euer trvbd. Hans-Peter Kurr.

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