Solare Glückshormone

Von Dr. Wolf Tekook

Es wird Herbst in der Republik. Wenn der Wecker zur gefühlten Unzeit klingelt und mühsam blinzelnde Augen jenseits der Fensterscheibe grauen Dunst wahrnehmen, ist meist der erste Gedanke, die geplagten Sehorgane wieder mit Lidern zu bedecken, die Bettdecke um die Schultern festzuzurren und wieder in die so viel bessere Traumwelt zu gleiten. Selbst der Gedanke an eine frisch gebrühte Tasse dampfenden Kaffees ist nicht geeignet, die Lebensgeister zu aktivieren. Die Aussicht auf den Arbeitsalltag lässt die ganze Bandbreite psychosomatischer Beschwerden zugleich im Körper entstehen.

Was kann man gegen die tristesse des Herbstes unternehmen?

Mein Tipp: Wählen Sie im Internet die Seite eines Billigfluganbieters an und buchen für das nächste Wochenende einen Kurztrip in die Sonne!

Zwar müssen Sie auch am Abflugtag gegen herbstlich- heimatliche Depressionen ankämpfen. Doch wenn dann der Flieger nach zwei Stunden auf der Piste eines mediterranen Flughafens landet, Sie von wolkenlosem Himmel und makelloser Sonne empfangen werden, dann fühlen Sie, wie das Leben in die müden Glieder zurückkehrt. Erstaunt registrieren Sie, dass im Taxi die Klimaanlage für angenehme Kühlung sorgt, nachdem der gutgelaunte Fahrer Ihren Koffer verstaut hat. Sie bemerken gefüllte Straßencafés mit entspannt plaudernden Menschen, und spätestens beim Einchecken im Hotel befreien Sie sich von der nun überflüssigen Strickjacke.

Sie wandern durch helle Straßen, registrieren verwundert die fröhliche Stimmung um sich herum – und genießen. Im Eckrestaurant lassen Sie sich mit den preiswerten Köstlichkeiten des „menú del día“ verwöhnen. Wenn Sie dann am Abend auf dem großen Platz im Stadtzentrum am Weißwein nippen, während Sie das langsame Verschwinden der Sonne beobachten, dann wissen Sie: Sie LEBEN!

Selbst das Wissen, dass Sie schon bald das Flugzeug wieder in das herbstliche Dunkeldeutschland zurücktransportieren wird, macht Sie nicht allzu traurig. Sie haben Sonne und Lebensfreude getankt – und das wird für einige Wochen vorhalten. Wenn dann die Glückshormone des Kurztrips wieder abgebaut sind, bleibt die Hoffnung: Es wird wieder ein wohlfeiles Angebot für eine Sonnentankstelle geben – irgendwann – irgendwo …

Ein Gedanke zu „Solare Glückshormone“

  1. Sie sind ein charmanter Plauderer, Herr Kollege. Jetzt weiss ich, wie sehr Sie Madrid genossen haben.Einen guten ABEND IN UNSERER MITTELEUROPÄISCHEN TRISTESSE WÜNSCHT IHNEN und denen, die mit Ihnen sind, Ihr Hans-Peter Kurr

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