Nee, so was,Elli!

Von Uta Buhr

Geschlagene zehn Jahre haben Elli und Kuddel sich nicht mehr gesehen. Was für ein Zufall, dass sie sich heute in der überfüllten U-Bahn Richtung Hauptbahnhof treffen. Der Dialog zwischen beiden verläuft laut und herzlich: „Nee, so was, Elli, bischa immer noch’n staatsche Deern. Ganz die Alte.“ Doch davon will die rundliche Dame mit den roten Apfelbäckchen nichts wissen: „Kuddel, wenn du wüsstest, was ich alles durchgemacht habe.“

Nun folgt eine Herz zerreißende Leidensgeschichte. Als auf der nächsten Station ein junges Mädchen Elli auf den Fuß tritt, bricht auch noch der letzte Damm. Ausgerechnet dieser Fuß, an dem sie gerade operiert wurde! Aber das   Eilbeker Krankenhaus hat gute Arbeit geleistet, was man ja – weiß Gott – nicht von Eppendorf sagen kann. „Da war ich nämlich mit der Leber. Altona kannst du auch vergessen. In Heidberg hat es mir an sich gut gefallen. Nur das Essen war miserabel. Und St. Georg – da haben sie mir den Blinddarm rausgenommen – ist nun wirklich das Allerletzte.“ Nicht nur Kuddel ist ganz Ohr, sondern auch alle umstehenden Fahrgäste.

So detaillierte Auskünfte über Hamburger Krankenhäuser werden einem nicht alle Tage geboten. „Sag mal, Elli“,  unterbricht Kuddel jetzt ihren Redestrom, „wie ist es denn in Barmbek? Da wohn’ ich doch. Ich mein’ ja nur, wenn mir mal was passiert.“ Elli schaut richtig betroffen drein: „Dass du auch gerade danach fragst“, sagt sie fast beschämt. „Da hab’ ich nämlich noch nicht gelegen.“

Autor: Uta Buhr

Vizepräsidentin Die Auswärtige Presse e.V., freie Journalistin, Reise, Wellness, Kultur (Theater, Ausstellungen)

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