Christiania Kopenhagen

Von Dr. Ferenc Horváth

Ein Rundgang. Nur wenige Meter von der wunderschönen Erlöserkirche entfernt  liegt der Eingang in die unabhängige Republik Christiania. Um die Ecke sitzt ein leicht betrunkener Bewohner.  An den Außenwänden bunte  Bemalung, an den Weg entlang aber lediglich trostloser Unkraut. Wo ist wohl hier der Flowerpower  geblieben ? – würde man fragen. Damals hat man es anders vorgestellt gehabt.

Hineingehend in die ehemalige Kaserne kommt man auf die Hauptstraße. Links ist die Post, danach ein Café und ein Ausstellungsraum. Gegenüber Müllcontainer mit vielen russischen Wodkaflaschen. In der Luft liegt eine bekannte süße Duft gemischt mit dem leichten Gestank des menschlichen Urins. Trotz der bemalten Warnung: „Hier sollte man nicht Pinkeln!“

Die Touristen strömen vorwärts. Wir sind in einem Themen- Park!  An einem Reklametafel wird für eine regelmäßige 40 minütige Führung geworben. Zwei Menschen warten bereits auf die nächste Gelegenheit.

Rechts arbeitet ein Bildhauer an seinem neuen Denkmal mit dem Titel : „Gestampfte Erde“. Die Freundin hilft tatkräftig körperlich mit. Ein Film mit einem alten Wagen wird um die Ecke gedreht. Der Wagen will nicht anspringen, der Operateur ist ungeduldig.

Wir spazieren  weiter entlang an einem anderen Eingang. Darüber steht die Aufschrift:  „You are entering the EU here!“  ( Sie betreten die EU hier) . Plötzlich einige neue Tafel: „No photo from here!“. Für diejenige die es nicht verstehen, sogar durchgestrichene Fotoapparate überall. Warum wohl -würde man fragen?

Die Antwort liegt direkt an den provisorischen Tresen wohl behütet von muskulösen, offensichtlich solche Genussmitteln nicht konsumierenden Verkäufern. Diese sind im Gegensatz einigen  anscheinend Drogensüchtigen, schwach und früh veralteten, leise hin und her schlendernden, häufig rastahaarigen  Anwohner wohl ernährt, tragen kurzes Haar, modische Kleider, aber vor allem sind sie sehr kräftig gebaut.

Sie lachen laut, machen Witze.

Hanf roh, und fertig als Zigarette, und große Mengen von Haschisch  wird hier überall angeboten.

Ferner die zu deren Konsum benötigte Utensilien jeglicher Art in Hülle und Fülle.

Hinter dieser Zone ein Paar Getränke und Sandwich anbietende Imbiss Stuben mit Sitzbänke endlich zwischen einigen echten schönen Blumen.

Die Hauptstraße führt weiter in Richtung der ehemaligen Verteidigungs- Festungsgürtel.

Die ehemaligen Kasernen, in denen die Anwohner hausen sind in einem sehr schlechten Zustand. Überall liegen nutzlose, kaputte Gegenstände und unvollendete, moderne „Kunstwerke“ . Diese beide voneinander zu unterscheiden ist manchmal eine Kunst an sich.

Rechts wieder ein Container voll mit sehr schmutzigen, gebrauchten Kleidungstücken. Hier kann man kostenlos sich einkleiden.  Ein Afrikaner sucht herum, findet nichts, zieht hinkend weiter.

Rechts ein richtig kleiner Laden, ein Krämer. Die Verkäuferin nett. Ihr Blick ist ruhig, ihre blauen Augen strahlen Freundlichkeit. Ein hübsches Gesicht Mitte dreißig mit einem kleinen, fast  unsichtbaren Schnurrbart unter  der Nase.

Sie wohnt auch in Christiania.  Auf die Frage, wie das Geschäft läuft, antwortet Sie mit einem deutlichen  „Gut, vor allem im Sommer“ Satz.

Sie erzählt noch, dass aus der eigentlich ursprünglich erwünschten Unabhängigkeit von Christiania für heute nichts übrig geblieben ist. Was die Dealer auf der Straße verkaufen ist illegal. Die Polizei macht regelmäßig Streife, und dann gibt es meistens Krach.

Sie fühlt sich trotzdem Wohl. Bei Ihr im Laden kann man sogar alles fotografieren.

Gegenüber sonnen sich einige Alkoholiker mit Bierflaschen in der Hand. Kleine Hunde liegen rund herum. Hier machen die Touristen eine Wende. Weiter gibt es nichts Buntes zu sehen , nur heruntergekommene, graue Kasernengebäude stehen rechst und links.

Die Sonne scheint, Mann eilt sich zurück nach Kopenhagen um die weiteren Sehenswürdigkeiten   zu betrachten. Christiania ist abgehakt!

2 Gedanken zu „Christiania Kopenhagen“

  1. Lieber Ferenc,
    das ist ein sehr gelungener und witziger Artikel. Ich habe ihn mit Genuss gelesen. Davon wünschen wir uns mehr.
    Gruß
    Uta Buhr

  2. Ich kenne Christiania aus den Anfangszeiten, als sie wirklich noch unabhängig war; damals war das, was dort stattfand, für Mitteleuropäer unerhört und faszinierend. Aber es scheint, irgendwann werden alle Experimente vom „common sense“ eingefangen.
    Danke für den hochinteressanten Beitrag.

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