Bezaubernder Spielfilm: Der kleine Nick

Von Dr. Manuel Ruoff

„Ich bin ein Einzelkind, und das ist auch gut so.“  Dieses Wort, frei nach Klaus Wowereit, könnte vom kleinen Nick stammen, dem Ich-Erzähler der gleichnamigen bezaubernden französischen Spielfilmkomödie, die nach ihrem Debut in ihrem Heimatland vergangenes Jahr am 26. August nun auch in die deutschen Kinos kommt. Nick, ein richtiger Sympathieträger, widerspricht allen Vorurteilen gegenüber Einzelkindern. Weder leidet er unter seiner Geschwisterlosigkeit noch ist er sozial unverträglich. Vielmehr genießt er die ungeteilte Liebe seiner Eltern und ist ein integraler Bestandteil seiner Clique. Als er und seine Klasse zu Beginn der Handlung aufgefordert werden, in einem Aufsatz zu schreiben, was sie werden wollen, ist er ratlos. Er ist nämlich mit dem Status quo zufrieden: „Mein Leben ist doch prima, es muss sich nichts daran ändern.“

Doch dann scheint ihm Ungemach zu drohen. Klassenkameraden vermitteln ihm das Bild, dass es ein Horror sei, jüngere Geschwister zu haben, und aufgrund seiner blühenden Phantasie und einer Reihe urkomischer Missverständnisse und Fehlinterpretationen erfasst den Knaben panische Angst, dass seine Mutter schwanger sei. Mit der Unterstützung seiner Freunde unternimmt der Bube nun die aberwitzigsten Versuche, um zu verhindern, dass das vermeintlich im Anmarsch befindliche Geschwisterlein ihn bei seinen Eltern aussticht.

Jedem mit Vorurteilen konfrontierten Einzelkind und jedem Nicht-Einzelkind mit Vorurteilen gegenüber Einzelkindern sei dieser Film als Therapie ans Herz gelegt. Aber auch jedem anderen kann zu diesem Film geraten werden. Mit viel Ironie, aber auch Sympathie wird hier des Kindes (fast) heile kleine Welt im Frankreich der frühen 1960er Jahre gezeichnet. Die Zeit, in welcher der Film spielt, ergibt sich aus dem Entstehungszeitraum des literarischen Vorbildes. Zwischen 1959 und 1964 erschien in Frankreich eine ganze Buchserie mit Texten von René Goscinny und Illustrationen von Jean-Jacques Sempé über den kleinen, aufgeweckten Burschen.

„Der kleine Nick“ ist mit über 5,5 Millionen Besuchern der erfolgreichste französische Film des letzten Jahres gewesen. Schon bei dem Streifen „Die fabelhafte Welt der Amélie“ wurde die romantische Ader der Franzosen geweckt. Auch Nick ist ein Träumer und Grübler, und zu den schönsten Szenen zählen jene, in denen seine Vorstellungen in Bilder umgesetzt werden. Vielleicht wird der kleine Nick ja bei uns auf ähnlich viele Freunde und Seelenverwandte stoßen. Es wäre ihm und auch uns zu wünschen.

Ein Gedanke zu „Bezaubernder Spielfilm: Der kleine Nick“

  1. Natürlich kann man (fast) jedes Buch verfilmen. Nur – die Nick-Bücher sind eine Sammlung einer Vielzahl von kurzen Geschichten. Deswegen: die Stärke dieser Geschichten liegen im Buch. Im Selberlesen, im Vorlesen bekommen.

    Nick erzählt:“ Bei uns kommen am Heiligabend meine Oma, meine Tante und mein Onkel.“ „Bei uns,“ sagt Otto,“ kommen Weißwürste und Truthahn“. So lebt jede der vielen kleinen Geschichten von seiner Schlußpointe.

    Kann das ein Film wirklich leisten! Unsere Nick-Bände sind mittlerweile bereits zerlesen. Teilweise sehr zerlesen. Es gab Zeiten, da waren diese Titel die Renner auf Klassenfahrten. Da wurden die Vorlese-Geschichten jeden Abend vehement eingefordert. Nun, diese literarischen Gourmet-Häppchen werden dem verfilmten Nick nicht vergönnt sein können.

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