Traumschiff-Parade

Wenn die Traumschiffe Hamburg anlaufen, wächst die Sehnsucht nach Mee(h)r!

Von Renato Diekmann

Das Tor zur Welt

Elegante Luxusliner halten Bewohner und Gäste der Elbmetropole immer häufiger in Atem. Erst recht während der Hamburg Cruise Days, wenn faszinierende Ozeanriesen der Hansestadt wieder einmal die Ehre erweisen. Umjubelter Stargast ist verständlicherweise immer die QM2, die Königin der Meere, die diesmal gar nicht kam. Das viertgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt bleibt der Hansestadt aber treu  (etwa zum Hafengeburtstag) und eröffnete 2008 standesgemäß die Premiere der Hamburg Cruise Days – eine geniale Erfindung der Marketingstrategen und willkommene Gelegenheit, Hamburg und viele verschiedene Kreuzfahrtschiffe einmal aus nächster Nähe zu betrachten. Bei derart festlichen Anlässen liegt die „Queen Mary 2“ stolz und erhaben vor dem Hamburg Cruise Center in der neuen HafenCity, wo sich tausende Schaulustige einfinden, um ihre Kreuzfahrt-Sehnsucht zu wecken – oder zu stillen. Denn allzu häufig bleibt es mangels Geld beim „Traumschiff“ und Bestaunen der Luxusliner, die mit Feuerwerk und einer weit hin sichtbaren Lichtillumination in Hamburgs „Blue Port“ begrüßt bzw. verabschiedet werden. Stolze Kreuzfahrtschiffe wie die AIDAaura, AIDAcara oder AIDAluna, die MS Astor, MS Columbus, MS Deutschland, MS Europa oder TUI Mein Schiff sind ebenfalls gern gesehene Gäste in der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die Traumschiffe

Die QM2, die Königin der Meere, ehrfurchtsvoll gefolgt von ihren Verehrern

QM2-Kreuzfahrer schwingen das Tanzbein im größten schwimmenden Ballsaal der Welt, speisen in einem der neun feinen Restaurants, wählen zwischen fünf Swimmingpools und besichtigen an Bord Kunstwerke im Wert von rund fünf Millionen Euro. Die Superreichen bewohnen eine 209 m² große Luxussuite mit Marmorbad, Salons und Schlafgemächern – alle Materialien garantiert vom Feinsten. Die Kosten für eine Transantlantikpassage betragen in solch einer Suite je nach Saison zwischen 25.000 und 82.000 Euro. Champagner, Hummer und Kaviar werden den Herrschaften vom Suite-eigenen Butler in weißen Handschuhen stilgerecht serviert. Der Transatlantikliner mit einem Tiefgang von 10 m ist über 345 m lang, mehr als 41 m breit und über 70 m hoch. 157.000 PS bewegen 70.000 t Stahl knapp 30 Knoten (56 km/h) schnell durch die Wellen des Atlantiks. Während sich 2.620 Passagiere von 1.254 Mann Besatzung rund um die Uhr bedienen und verwöhnen lassen.

Die AIDA Kreuzfahrtliner laufen stets mit Kussmund im Hamburger Hafen ein. Dabei lassen die lächelnden Clubschiffe ihr „Blaues Band“ entlang der Bordwand flattern und zwinkern den Schaulustigen, die sich zu den festlichen Paraden entlang der Elbe tausendfach versammeln, vielversprechend zu. Die AIDAaura z. B. gehört zu den begehrenswerten Schwestern mit den klangvollen Namen. Sie trat ihre Jungfernfahrt 2008 in Hamburg an, wo auch schon die AIDAdiva feierlich getauft und zu ihrer ersten Kreuzfahrtreise empfangen und verabschiedet wurde. Ein Jahr später besuchte uns das sechste Schiff der Flotte, die AIDAluna. Sie verfügt über 1025 Kabinen, darunter 439 Balkonkabinen und 18 Suiten. Seit Anfang des Jahres 2010 kreuzen Hamburger und Gäste aus aller Herren Länder auf der AIDAblu, dem neuesten Flaggschiff der Kussmundflotte, über die Weltmeere. Es ist der siebte Kreuzfahrtliner der Rostocker Reederei, der am 9. Februar von der Designerin Jette Joop feierlich getauft wurde.

Zu den Hamburg Cruise Days leuchtet der Hafen blau

Die Astor ist zwar nicht mehr das neueste Modell, aber eines der ganz klassichen Kreuzfahrtliner. Das Schiff wurde im Mai 2010 einer aufwändigen Renovierung unterzogen und will seine Gäste nun mit einer  zeitgemäßen Ausstattung überzeugen. Offensichtlich wurde die rund 16 Millionen Euro teure Modernisierung bei zahlreichen Stammgästen noch nicht so richtig  wahr genommen. „Hier sieht es ja aus wie sonst auch“, soll bei der Premierenfahrt Anfang Juni ein oft vernommener Kommentar gewesen sein, notierte Kreuzfahrtexperte Fred Friedrich in einem der Kreuzfahrtführer. Die Astor hat eine bewegte Vergangenheit: Mal war das Passagierschiff in südafrikanischer, mal in russischer Hand. Ob es nach einer Stadt in Florida (USA) oder nach dem Kosmetiklabel Margarete Astor benannt wurde, ist nicht bekannt. Wenn das Vier-Sterne-Schiff in Hamburg zu Gast ist, liegt es häufig an der Überseebrücke vis á vis der Cap San Diego.

Die MS Columbus: Klein, fein und wendig auf allen Meeren dieser Welt

Die Columbus gehört unter den Luxuslinern zu den kleineren Schiffen, das zur Reederei Hapag Lloyd gehört und in Hamburg quasi Hausrecht genießt. Dank der Maße kann die Columbus auch Schleusen passieren und die großen nordamerikanischen Binnengewässer wie Eriesee und Michigansee befahren.

Die Deutschland kennt wohl jedes Kind. Berühmt geworden durch die TV-Serien „Traumschiff“ und „Kreuzfahrt ins Glück“, hat das schwimmende Fünf-Sterne-Hotel schon die ganze Welt gesehen. Das Schiff war als Botschafterin für die Expo 2000 in Hannover unterwegs, diente während der Olympischen Sommerspiele in Sydney 2004 als Gästeunterkunft des NOK Deutschlands. Am 11. Mai 1998 in Kiel von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker getauft, feierte es 2008 seinen 10. Geburtstag mit einer großen Jubiläumskreuzfahrt. Nach einem Brand im Maschinenraum wurde die MS Deutschland jüngst auf der Werft von Blohm+Voss generalüberholt, technisch auf den neuesten Stand gebracht und innen schöner ausgestattet.

Auf zu neuen Ufern: Das Traumschiff sticht in See!
Wer möchte TUI Mein Schiff nicht sein eigen nennen?

Udo’s Musikdampfer TUI Mein Schiff kommt regelmäßig und gern. Die Bezeichnung werden Rockbarde und Reederei zwar nicht gerne hören, aber auch ein Rockliner bleibt nun mal ein Musikdampfer, der es durchaus in sich haben kann; klingt nur nicht so innovativ und modern. Immerhin wurden Richard Vogel und Udo Lindenberg für die Kreuzfahrtidee des Jahres vom Kreuzfahrtguide mit einem Sonderpreis geehrt. „Mein Schiff“ erhält 2011 übrigens eine Schwester. Name (plus 2) und Konzept bleiben erhalten. Das geht offensichtlich voll auf und bringt beachtlichen Erfolg, denn wer möchte „Mein Schiff“ nicht  gern sein Schiff nennen?! Und weil das bedauerlicherweise nicht möglich ist, geht man wenigstens für einige Tage an Bord. Und ruckzuck ist das Schiff ausgebucht – so einfach geht das!  Ergänzend zum Erfolgskonzept beschreibe man die Bordwand mit Schlagwörtern wie Fernweh, Meeresrauschen, Seeluft, Fahrtwind, fremde Länder und Traumstrände, installiere Hängematten an Deck, biete statt elitärer Gala-Abende mit Käptn’s Dinner eine Menge Freiraum und vorzüglichen Service, viel Sport und Wellness – und siehe da: schon fühlt sich der Kreuzfahrtgast wohl wie sonst nirgends auf der Welt und genießt an Bord Mitternachtssonne und Sternenhimmel. Bravo!

Das Segelschulschiff

Für das Segelschulschiff Sedov ist der Hamburger Hafen zur zweiten Heimat geworden

Stilgerecht aufgewertet wird die Traumschiff-Parade durch die Anwesenheit der russischen Sedov, der weltweit größten Windjammer. Die Sedov kreuzt als Segelschulschiff über die Meere. Die Viermastbark lief 1921 von der Krupp Germaniaweft in Kiel vom Stapel, umsegelte mehrfach Kap Hoorn! und gehörte ab 1936 dem Norddeutschen Lloyd. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte sie als Reparationszahlung in die Sowjetunion und erhielt ihren heutigen Namen. Als Segelschulschiff im Besitz des sowjetischen Fischereiministeriums trat die Sedov 1951 ihre erste Reise an. Das 118 Meter lange Segelschiff liegt, wenn es in Hamburg zu Gast ist, zum Greifen nah an den Landungsbrücken, und führt bei der Auslaufparade auf der Elbe stets die Ozeanriesen an.

Der Museumsfrachter

Leinen los! heißt es bei Hafengeburtstag (Anfang Mai) und Hamburg Cruise Days (Ende Juli) auch für die Cap San Diego. Der konventionelle Stückgutfrachter, seit Jahren ein Museumsschiff mit wechselnden Ausstellungen, einem kleinen Hotelbetrieb und mietbaren Veranstaltungsräumen, ist ein waschechter Hamburger und Dauergast im Hamburger Hafen. Die Cap San Diego wurde von der Deutschen Werft in Hamburg gebaut und transportierte Automobile, Maschinen, Fleisch, Kaffee und Textilien. Neben zahlreichen Seglern, Booten und Barkassen geht das in Hamburg beheimatete Frachtschiff, das wegen seiner eleganten Form auch „Weißer Schwan des Südatlantiks“ genannt wurde, während festlicher Schiffsparaden auf kleinere Elbfahrten und begleitet die Traumschiffe der Weltmeere elbauf- und elbabwärts.

Cap San Diego: Der ehemalige Stückgutfrachter wurde wegen seiner schlanken Line als weißer Schwan des Südatlantiks bezeichnet

www.hamburgcruisedays.de

Text & Fotos: Renato Diekmann, AIDACruises (1)

2 Gedanken zu „Traumschiff-Parade“

  1. Lieber Renato!
    Klasse-Reportage. So kurzweilig muss einer schreiben können! Chapeau! Dein Hans-Peter

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