Entzauberter Ehemann

Von Uta Buhr

Rita hatte gestern Geburtstag. Über ihr Alter schweigt sie sich aus. Nur soviel verrät sie: „Ich bin jenseits der Lottozahlen. Noch weitere Fragen?“ Der Umtrunk auf ihrer Terrasse, die an einen der hängenden Gärten der legendären Königin Semiramis aus dem Zweistromland

erinnert, verlief sehr heiter. Auch Hilde, die es sonst immer so eilig hat, nach Hause zu kommen, zeigte sich äußerst entspannt. Ihr Mann sei mit den Spielen der WM zurzeit voll ausgelastet, erklärte sie. Der vermisse sie absolut nicht und sei im Augenblick sogar in der Lage, sein Bier eigenhändig aus dem Kühlschrank zu holen. Wie erstaunt war die Damenrunde daher, als der in Winterhude vermutete Fußballfan auf einmal in Ritas Wohnung auftauchte und sich mit einem Glas Sekt in der Hand zu uns gesellte.

Hatte etwa die Sehnsucht nach der Eheliebsten ihn König Fußball vergessen lassen? Die umstehenden Freundinnen waren gerührt, und eine prägte gleich den Spruch: „Liebe ist, wenn er den Fußball für sie sausen lässt.“

Der Zauber zerbrach allerdings, als Ehemann Jörg sich kurz darauf outete und gestand: „Ich bin eigentlich nur gekommen, weil ich den Wohnungsschlüssel in meiner Kanzlei vergessen habe. Sonst säße ich schon längst vor dem Fernseher!“ Man(n) kann Ehrlichkeit auch übertreiben.

Schreibe einen Kommentar