Ärzte in Uniform

Aufmerksame Zuhörer während der Vorträge beim IZZ-presseforum 2010

Von Renato Diekmann

Auch Zahn-/Ärzte tragen Uniform

Das moderne Leitbild der Bundeswehr ist geprägt vom Begriff „Staatsbürger in Uniform“, der das Selbstverständnis des heutigen Soldaten beschreibt. Auch Ärzte und Zahnärzte tragen Uniform – etwa im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Standort des 16. IZZ-presseforums. Ärzte und Zahnärzte in Uniform sind den Patienten und dem Land, dem sie dienen, gleichermaßen verpflichtet. Wie diese Verpflichtung im Einzelnen aussieht und wie die interdisziplinäre Patientenversorgung am Bundeswehrkrankenhaus Ulm gehandhabt wird, wurde während der hochkarätigen Referate deutlich und bot Einblicke in die Arbeit der Professoren Dr. Dr. Alexander Schramm, Ärztlicher Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, und Dr. Heinz Maier, Oberstarzt und Ärztlicher Direktor der Kopfklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, das mit dem Kopf-Zentrum, dem Chirurgischen Zentrum, dem Gefäßzentrum und dem Trauma-Zentrum vier medizinische Kompetenzzentren vorzuweisen hat.

Prof. Dr. Dr. Alexander Schramm und Prof. Dr. Heinz Maier vor ihren Referaten am Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Immer erfolgreicher behandeln

Die Abteilung Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie (MKG) ist mit hochmodernen Geräten (Navigationssystem, intraoperative CT-Bildgebung, Endoskopie, Piezochirurgie und Telemedizin) ausgestattet und entspricht damit dem Versorgungsauftrag für Soldaten und Zivilbevölkerung in der Region Schwaben. Dank der rasanten medizinischen Entwicklung und immer effizienteren Apparatemedizin werden in der MKG auch extrem schwierige (vor einigen Jahren aus medizinischer Sicht noch völlig aussichtslose) Fälle erfolgreich operiert und behandelt – die Kunst, den Menschen ihr Gesicht zurückzugeben. Maiers und Schramms Mitarbeiter erbringen zusätzlich scheinpflichtige Lehrleistungen für Studierende der Medizin und Zahnmedizin und lehren an den Berufsfachschulen für Entbindungspflege und Operationstechnische Assistenz der Universität Ulm (Akademie für Gesundheitsberufe). Dissertationen werden sowohl im Bereich Humanmedizin als auch im Bereich Zahnmedizin vergeben und gutachterlich betreut. Kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Bundeswehrärzte und -zahnärzte sowie der Mund-, Kiefer-, Oral- und Gesichtschirurgen sichern zudem die permanente und schnelle Versorgung der Soldaten und Zivilpersonen.

Kopfbereich am meisten gefährdet

Ein wichtiger Beweggrund, eine Kopfklinik an einem großen Bundeswehrkrankenhaus einzurichten, ist die zunehmende wehrmedizinische Bedeutung von Verletzungen im Kopf- und Halsbereich, erklärte Oberstarzt Professor Dr. Heinz Maier. Durch die Verwendung einer verbesserten Schutzausrüstung für Soldaten im Einsatz, vor allem von splitter- und kugelsicheren Westen, hat die Häufigkeit von Verletzungen im Brust- und Bauchbereich erheblich abgenommen. Ungeschützte Körperregionen, wie z. B. Gliedmaßen, Kopf und Hals hingegen sind durch Explosionen, Geschosse und Splitter am stärksten gefährdet. Mit dem Kopfklinikum am Bundeswehrkranhaus Ulm wurden ideale Bedingungen für die Versorgung komplexer Erkrankungen der Kopf- und Halsregion geschaffen. Es bietet aber auch aus ökonomischer Sicht erhebliche Vorteile. Durch die interdisziplinäre Behandlung werden Diagnostik und Therapie beschleunigt und aufwändige konsiliarische Vorstellungen in anderen Kliniken vermieden. Das dient der Kostendämpfung, vermeidet überflüssige Krankentransporte und verkürzt die kostenintensive Liegezeit bzw. den stationären Aufenthalt von Patienten.

Johannes Clausen, Leiter IZZ (Mitte), im Gespräch mit den Journalisten Dorothea Kallenberg und Wolf Günthner

Einsatz in Afghanistan

Besonders aufschlussreich war der Erfahrungsbericht von Oberstabsarzt Silke Pietzka, die als Sanitätsoffizier/Oralchirurgin im afghanischen Feldlager Mazar e Sharif  ca. 5500 Personen zahnärztlich zu versorgen hatte. Im Vordergrund ihrer Tätigkeit standen die zahnmedizinische Schmerz- und Notfallbehandlung, die Traumatologie, Diagnostik, Erstversorgung, Stabilisierung und – soweit medizinisch möglich – die endgültige Versorgung der Soldaten aus 43 verschiedenen Nationen, aber auch die Beratung bzw. Unterstützung der zahnmedizinischen Kollegen in den Feldlagern Feyzabad und Kunduz. In allen drei Feldlagern hat die Bundeswehr permanent zwei Zahnärzte und einen Oralchirurgen im Einsatz. In Feyzabad fand die Behandlung in Containern, in Kunduz und Mazar e Sharif in festen Gebäuden, den Feldlazaretten, statt. Dort verfügt das zahnärtliche Team über moderne Behandlungsräume und chirurgisches Instrumentarium wie in Deutschland, hat ein kleines zahntechnisches Labor, ein Materiallager mit allen gängigen Materialien und hochmoderne Röntgengeräte. Außerdem gibt es ein Büro mit aktueller Computertechnik und zwei Untergebene, die dem behandelnden Zahnarzt jederzeit fachgerecht assistieren.

Verzicht üben

Die Zeit des Einsatzes, so Oberststabarzt Silke Pietzka, kann mit dem Eintauchen in eine völlig andere Welt verglichen werden, mit Verzicht auf Privatspähre, Komfort und Freizeit. Man ist einem streng geregelten Tagesablauf mit wenig Abwechslung unterworfen, vermisst während des eintönigen Lagerlebens besonders Familie und Freunde. Außerdem darf man – selbst als Offizier – das Lager nie ohne vorherige Genehmigung des Vorgesetzten verlassen, muss die hygienischen Vorschriften penibel einhalten und klimatische Besonderheiten ertragen. Dazu gehören z. B. stundenlange Sandstürme, extreme Hitze oder Kälte. Da die Patienten quasi immer sofort körperlich und psychisch voll einsatzbereit sein müssen, ist der Einsatz eine berufliche Herausforderung und besonders lehrreich. Man erhält Einblick in die internationale Zahnmedizin, überwindet Sprachbarrieren und lernt, was Toleranz und Kameradschaft für ein Zusammenleben auf engstem Raum bedeuten.

Text & Fotos: Renato Diekmann, Quelle: Referenten IZZ-Presseforum 2010

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