Haarige Angelegenheiten

erschienen im Hamburger Abendblatt/Harburg am 1. Juni 2010

Haarige Angelegenheiten

Von Johanna Renate Wöhlke

Mit den Haaren ist das so eine Sache – mit Schnitt und Farbe. Wer einmal erfahren hat, dass er sich selbst die Haare verschnitten hat, weil er das Geld für den Friseur sparen wollte, oder weil gar beim Friseur ein ganz anderes Ergebnis als gedacht mit dem neu gestalteten Haarschopf zu akzeptieren war – ja, der weiß, dass Haare eine „haarige“ Angelegenheit sein können.

Eine neue Frisur macht aus uns einen neuen Menschen. Wir werden plötzlich nicht mehr wieder erkannt, denn: Eben noch waren wir blond und nun sind wir schwarz! Das muss erst einmal verkraftet werden…Eben noch hatten wir lange Haare, plötzlich sind sie streichholzkurz! Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, das ich hatte, als meine Zöpfe fielen. Es war der Schritt vom Kind zum jungen Mädchen.

Das wird immer ein bedenkenswerter Tag in meiner Erinnerung bleiben. Einen Tag lang Dauergast vor dem Spiegel, viele Tage lang das Gefühl, im Mittelpunkt der Welt zu stehen, denn alle schauen, fragen und geben ihre Kommentare ab.

Und dann der Tag der ersten weißen Haare. Ich plaudere mal aus dem Nähkästchen, denn als junges Mädchen hatte ich tierischen Spaß daran, meinen Vater dabei zu beobachten, wie er sich heimlich die ersten weißen Haare aus dem Schopfe zog! Als sie dann immer mehr geworden waren, blieb dieses Vergnügen aus.

Wie war es dann bei mir mit den ersten weißen Haaren – ach du meine Güte! Da stand mein kleiner Sohn neben mir und meinte ganz ernst: „Ich will keine Mama mit weißen Haaren haben!“ Das hat gesessen. Obwohl ich es eigentlich nicht wollte und immer zu meinen weißen Haaren stehen – am nächsten Tag wurde gefärbt! Schließlich wollte ich nicht, dass mein Sohn mich dabei beobachtet, wie ich mir weiße Haare aus dem Schopfe reiße…

2 Gedanken zu „Haarige Angelegenheiten“

  1. Liebe Frau Rappe!
    Sitze hier noch, schreibe an einer Glosse 🙂 – und sehe Ihren Kommentar. Danke sei gesagt, natürlich danke! Den ganz normalen Alltag und seine kleinen und großen Katastrophen einzufangen, das hat mir beim Schreiben schon immer große Freude bereitet, auch dort eine Geschichte zu sehen, wo auf den ersten Blick gar keine ist.
    Sie werden auf unserer Seite bei vielen Kollegen und Kolleginnen sehen, dass hier Könner am Werk sind, die es lohnen, gelesen zu werden. Bleiben Sie uns also treu, wir freuen uns auf Leserinnen wie Sie!
    Seien Sie herzlich gegrüßt
    Ihre Johanna Renate Wöhlke

  2. Liebe Frau Wöhlke, Sie haben meinen Tag gerettet! Heute lief bei mir alles daneben; aber nachdem ich beim Durchstöbern Ihrer Seite diesen Artikel gefunden habe, musste ich schallend lachen. Sie beobachten so gut!
    Vielen Dank. Jetzt geht es mir wieder gut.
    Ihre Marion Rappe

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