Die kleine Sünde muss ziehen

erschienen im Hamburger Abendblatt/Harburg am 4. Juni 2010

Von Johanna R. Wöhlke

Tee – das ist eine Philosophie! Man frage einen eingefleischten Teetrinker –ich frage mich jetzt, was ein eingefleischter Teetrinker sein könnte und würde gerne ein Smiley in den Text einfügen – ich frage mich also danach, was so ein richtiger, informierter, geübter und erfahrener Teetrinker so alles wissen muss über den Tee! Das ist eine schwierige Frage, die sich über weitaus mehr als nur die Aussage erstreckt: Kurz ziehen wirkt anregend, lang ziehen wirkt beruhigend! Tee ist Glaubenssache, das kann ich belegen! Teegeschmack ist ebenfalls Glaubenssache im Sinne von: Man kann nicht darüber diskutieren, weil Geschmacksempfindungen nicht wirklich zu vermitteln und zu erklären sind.

Da gibt es zum Beispiel die Schwarzteetrinker, dann die Roibusch-Enthusiasten, weiter die Früchtetee-Verehrer, dann die Liebhaber von Tees mit den unterschiedlichsten Zusätzen an Aromen und Zutaten. Wir kennen das alle von Weihnachten her, wo sich die Zucker-Zimt-Varianten und allerlei Kleingeschnittenes in Form von getrockneten Rinden und Südfrüchten ein Stelldichein geben.  Ja, so ist das mit dem Tee – und dann noch mehr: Tees haben so entzückende Namen! Sie nehmen uns mit auf eine gedankliche Reise und versprechen uns einiges – ob sie es auch halten können?

Da war zum Beispiel neulich der Tee mit dem wundervollen Namen „Die kleine Sünde“ – mit fruchtigem Geschmack ganz lecker zu genießen. Solche Tees werden gerne in Frauenrunden getrunken. An diesem Morgen war das auch so. Als eine der Damen in die wartende Runde rief: „Die kleine Sünde ist von mir, die muss noch ziehen!“, war klar, dass es fröhlich weiter gehen würde. Wie das Gespräch über die kleine Sünde weiterging, möchten Sie wissen? Darüber schweigt der Schreiberin Höflichkeit! Die kleine Sünde, die noch ziehen musste, ist nun mal eine sehr intime und persönliche Angelegenheit…

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