Auf den Wirbel kommt es an

Von Renato Diekmann; Fotos:  BfO (1), Andreas Grasser (1), Initiative “jetzt gerade” (3), MSD Sharp & Dohme (2)

Neue Initiative informiert über Osteoporose-bedingte Wirbelbrüche und berät betroffene Patienten.

Kleine Auslöser

Schon eine kleine Belastung wie Bücken, Heben oder rasches Drehen kann einen Osteoporose-bedingten Wirbelbruch auslösen. Zwar kennen viele Menschen die Volkskrankheit Osteoporose, die in der Öffentlichkeit seit langem thematisiert wird. Doch über den Wirbelbruch wissen die wenigsten wirklich Bescheid. Auch Mediziner haben diesbezüglich hohen Nachholbedarf. Leider werden in vielen Fällen Osteoporose-bedingte Wirbelfrakturen von Ärzten falsch diagnostiziert, sondern als Bandscheibenleiden, unspezifischer Rückenschmerz oder Alterserscheinung eingestuft und entsprechend unzureichend behandelt.

Keine gewöhnliche Alterserscheinung

Dr_KühnemannBei einem Wirbelbruch, der sich auch still und unbemerkt ereignen kann, sackt der Wirbelkörper in sich zusammen und hinterlässt den sogenannten „Witwenbuckel“, der in der Regel aus mehreren Wirbelbrücken besteht und organische Veränderungen nach sich ziehen kann. Osteoporose-bedingte Wirbelkörperbrüche sind keine Randerscheinung, sondern ein gesellschaftlich relevantes Phänomen, das behandelt werden muss, forderte die TV-bekannte Ärztin Dr. med. Antje-Katrin Kühnemann. Als Botschafterin der neu gegründeten Initiative „Jetzt gerade! Auf den Wirbel kommt es an“ berichtete Kühnemann, dass heute bereits 8 Millionen Deutsche an Osteoporose leiden und verwies auf Experten, die befürchten, dass bis zum Jahr 2050 doppelt so viele Menschen wie bisher an Osteoporose erkrankt sein werden.

620 Wirbelbrüche pro Tag

Osteoporose im VerlaufEine immer größere Gruppe der Gesellschaft ist somit Wirbelbruch-gefährdet, schlussfolgerte Kühnemann, denn ein poröser Knochen ist so brüchig wie ein Herbstblatt im Wind. In der Altersklasse der 50- bis 79-jährigen erleiden in Deutschland jährlich etwa 227.000 Menschen einen Wirbelbruch – das sind 620 Brüche am Tag bzw. 26 Brüche pro Stunde. Dabei möchten viele Menschen heute bis ins hohe Alter aktiv sein. Diese stetig wachsende Gruppe von Betroffenen hat ein Recht auf optimale Behandlung und darauf, dass alles getan wird, um ihre Lebensqualität zuProf_Bastian erhalten. Dazu gehört auch, aufrecht zu gehen und mobil zu sein.

Fatale Folgen

Die Folgen von Wirbelbrüchen können gravierend sein. Die Patienten leiden unter starken, chronischen Schmerzen, ihre Mobilität und Selbstständigkeit wird eingeschränkt, manche werden pflegebedürftig und sterben sogar vorzeitig. Hinzu kommt, dass sich die Wirbelsäule nach vorne krümmt, den Brustkorb verengt und die Atmung behindert, so dass Betroffene häufiger an Bronchitis und Lungenentzündung erkranken. Auch der Verdauungsvorgang wird stark beeinträchtigt, erklärte Professor Dr. med. Leonard Bastian. Der Chefarzt des Klinikums Leverkusen empfiehlt Hausärzten eine Überweisung Birgit_Eichnerzum Orthopäden, der den Patienten ggfs. in eine auf Wirbelsäulenoperationen spezialisierte Klinik einweist.

Aufklären und Risiken reduzieren

Der Wirbelbruch ist leider ein weit unterschätztes Problem. In Prävention, Diagnose und Therapie gibt es also vieles zu verbessern, betonte die Präsidentin des Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose e.V., Brigit Eichner PK_Podiumwährend einer Pressekonferenz im Frankfurter Presse Club. Die Initiative will „Wirbel machen“ und ein breites gesellschaftliches Bündnis schließen, das Frauen und Männer im fortgeschrittenen Alter umfassend informiert, sagte Kühnemann. Wir appellieren deshalb an öffentliche, private und wissenschaftliche Organisationen und Institute, an Ärzteschaft, Krankenkassen, Verbänden und Politik, sich dieser Initiative anzuschließen, um die Gesellschaft besser zu informieren und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Betroffene sollten in der Lage sein, über die für sie optimale Behandlung mitentscheiden zu können.

www.initiative-jetzt-gerade.de

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