Zu Gast bei den Freiherren von G.

Die „Villa Sorgenfrei“ in Radebeul
Von Uta Buhr


Welch traumhaftes Anwesen! Die einstige Sommerresidenz der Freiherren von Gregory liegt inmitten eines Parks mit uraltem Baumbestand. Blühende Weinberge rahmen das sonnengelb verputzte Ensemble aus Schlösschen und Nebengebäuden. Wer die mit Möbeln im Louis-Seize-Stil ausgestattete Halle des Haupttraktes betritt, fühlt sich sofort in die galante Zeit des Rokoko zurück versetzt. Ein „Sanssouci“ in Radebeul, das von einer kunstsinnigen Adelsfamilie gegen Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. „Als meine Frau und ich die Villa Sorgenfrei  zum ersten Mal sahen, wussten wir sofort – das ist es“, erzählt Björn Zierow, der das Haus seit 2005 mit Gattin Julia als Hotel  führt. Als leidenschaftliche Gastronomen hatten sie nach dem ganz Besonderen gesucht und waren einen Steinwurf vom Elbflorenz Dresden fündig geworden. Ein Investor ließ die  notwendigen Sanierungsarbeiten an den Gebäuden durchführen, und der gebürtige Bad Segeberger Björn Zierow wurde als geschäftsführender Gesellschafter eingesetzt. Hat die Nähe zu Karl May, der lange in Radebeul wirkte, auch eine Rolle gespielt?  „Karl May war natürlich auch Pflichtlektüre an meiner Segeberger Schule“, sagt der Hotelier. Allerdings sei sein Verhältnis zu ihm früher eher zwiespältig gewesen. Inzwischen freue er sich jedoch, in der Nähe des Karl-May-Museums in der „Villa Shatterhand“ zu leben. Ebenso wie seine Gäste, die hier gern ein paar Stunden in Jugenderinnerungen schwelgen, wenn das Wetter sich nicht für Mußestunden in der weitläufigen Parklandschaft der „Villa Sorgenfrei“ eignet.

Schlösschen, Kavaliershäuschen und Nebengebäude inklusive Kutschenremise, in der sich heute ein behaglicher Konferenzraum befindet, begeistern speziell Gäste, die sich für Architektur interessieren. „Das zweigeschossige Herrenhaus mit Walmdach hat mittig einen Dachaufbau mit Knauf und Wetterfahne. Am Aufbau befinden sich Festons, Vasenkrönungen und die Inschrift SORGENFREI. Darüber befindet sich eine Uhr, die durch Füllhörner geschmückt ist. Die Wetterfahne zeigt den Gregoryschen Greifen“, lesen wir in der Beschreibung, während wir den Gebäudekomplex inspizieren. Der Dresdner „Zopfstil“ – schlichte zopfförmige Blattornamente und Blumengirlanden – verleiht der Fassade eine heitere Note. „Wir wollten unbedingt das historische Flair erhalten und moderne Elemente mit den alten optimal verquicken“, sagt Julia Zierow. Das ist perfekt gelungen. Die schönen  alten Sandsteinböden in der Halle und im Treppenhaus  wurden  ebenso beibehalten wie die für die Epoche so typischen gewischten Pastellfarben an den Wänden. Zum Teil sind noch Fresken aus der Erbauerzeit erhalten. Dennoch haftet den Gebäuden nichts düster Museales an. Die fünfzehn Gästezimmer sind von schlichter Eleganz und zeugen von einem exquisiten Geschmack. An manchen Wänden prangen zarte Blütengirlanden. Da stellt sich schon die Frage nach dem Innenarchitekten. Julia Zierow freut sich über das Kompliment: „Wir waren unsere eigenen Innenarchitekten, haben alles selbst eingerichtet und sowohl Möbel als auch  Stoffe für Vorhänge und Bezüge aus allen Teilen Deutschlands zusammengetragen. Besonders mein Mann hat hierfür ein gutes Händchen.“ Ein untrügliches Stilempfinden bewies Björn Zierow auch bei der Einrichtung der Suite im „Winzerhaus“. Sie wurde  ganz in Weiß gestaltet. Kontrapunkt ist der Fußboden aus hellen Holzbohlen, der dem großzügig geschnittenen Schlafzimmer jegliche Sterilität nimmt. Die  Badezimmer sind alle etwas  klein,  jedoch  mit eleganten Philippe-Starck Armaturen  ausgestattet. „Größere Bäder geben die Gebäude einfach nicht her“, bedauert das Ehepaar Zierow. „Den Menschen im 18. Jahrhundert reichte ja schon eine Fingerschale für die täglichen Waschungen.“
Das Juwel der „Villa Sorgenfrei“ ist der einstige Garten- und Festsaal derer von Gregory.  Er wird heute als Restaurant genutzt. Am Abend versetzt der langgestreckte, von prächtigen Kristalllüstern  erleuchtete Raum mit den pastellfarbenen Wänden und in Karmesinrot gehaltenen Nischen die Gäste in helles Entzücken. Und die Speisen, die Chefkoch Markus Stuckas auf den Tisch bringt, tun ein Übriges, um jeden glücklich zu machen. Der erst vierundzwanzig Jahre alte Mann aus Risa hat schon eine erstaunliche Karriere hinter sich.
Er kochte bereits im Sternerestaurant „Pattis“ und im „Taschenbergpalais“ zu Dresden.
„Nur das Beste für unsere Gäste“, lautet die Maxime der „Villa Sorgenfrei.“ Schon die Speisekarte, von der Hand Julia Zierows  kalligraphisch gestaltet, lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Das Dreigang-Menü aus gebratener Jakobsmuschel, Kalbsfilet an Kräuterseitlingen mit Sellerie-Karottenmasse und einem saftigen Küchlein an heißen Waldbeeren als Dessert kostet 49 Euro. Dazu werden Weine aus der unmittelbaren Nachbarschaft vom Gut der „Drei Herren“ oder dem „Weingut Hof Lössnitz“ gereicht. Den Schlummertrunk nehmen romantische Gäste entweder auf der von zwei Putten bewachten Terrasse vor dem Haus ein oder im lauschigen französischen  Park, dessen Ruhe nur vom Geplätscher des nahen  Springbrunnens durchbrochen wird. Wer nach dem Essen noch Lust hat, nach Dresden aufzubrechen, kann dies im hauseigenen Nobel-Mercedes tun, den Björn Zierow   je nach Verfügbarkeit seinen Gästen kostenlos zur Verfügung stellt. Auch Ausflüge in die Umgebung im Rolls Royce Oldtimer werden unternommen. „Wir überlegen immer, was wir unseren Gästen sonst noch Gutes tun können“, sinniert der Hausherr. Sechzehn gut ausgebildete, diskrete  Mitarbeiter sorgen dafür, dass jeder Gast sich hier zu Hause fühlt  wie das Ehepaar aus Berlin, das gelegentlich „hier residiert wie persönlich vom Freiherrn auf seinen Landsitz geladene Gäste.“ Ach ja, da sind noch die Restkarten von der Semperoper, die regelmäßig angeboten werden. Und die Wellnessabteilung des  Radisson SAS Hotels gleich nebenan hält Sonderofferten für die Gäste des Hauses bereit. Also auf zu
einem  „sorgenfreien“ Kurzurlaub mit Kultur, Wein und Wellness!

Anschrift: „Villa Sorgenfrei“ , Augustusweg 48, 01445 – Radebeul-Dresden, Telefon: 0351/795 66 60, E-Mail: info@hotel-villa-sorgenfrei.de und Internet: www.hotel-villa-sorgenfrei.de
Preise: DZ ab Euro 159,–, EZ ab Euro 139,– inkl. Frühstück
Arrangements:
„Auf den Spuren sächsischer Fürsten“ – 3 Übern. inkl. Frühstück, 2 Dreigang-Menüs, Stadtrundgang Dresden, Kutschfahrt und Besuch des „Grünen Gewölbes“ ab Euro 375,– i. DZ. Weitere Arrangements auf Anfrage.
Anreise: Mit dem Flugzeug Hamburg-Dresden (ab 99 Euro bei Cirrus Air). Abholung am Flughafen durch das Hotel
Mit dem PkW: Über die A250 nach Hannover A2 Richtung Berlin. A14 Richtung Leipzig-Dresden-Radebeul
Mit dem Zug: EC Hamburg über Berlin direkt nach Dresden. Am Bahnhof Abholung durch das Hotel

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