Innovative Osteoporose-Therapie

Bei Osteoporose geht es nicht nur um die Erhöhung der Knochendichte, sondern auch um die Stärkung der Muskulatur und die Reduzierung von Schmerzen.
Referenten Osteoporose

Von Renato Diekmann
Wenn Knochen und Muskeln abbauen

In Deutschland sind etwa 10% der Bevölkerung, also mehr als 8 Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt, vorwiegend Prof_RingeFrauen über 50 Jahre. „Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse und Reduktion der Mikroarchitektur des Knochengewebes charakterisiert ist“, berichtete Prof. Dr. med. Johann D. Ringe vom Klinikum Leverkusen und Direktor des Westdeutschen Osteoporose-Zentrums (WOZ) auf dem Osteoporose-Kongress am 4. März in Berlin. Die wesentlichen Ziele moderner Osteoporosetherapie sind Schmerzlinderung, Zunahme der Knochendichte sowie Sturz- und Frakturenprävention. Heute weiß man, dass die Behandlung von Osteoporose nicht nur darauf zielen darf, den Knochenabbau zu bremsen und die Knochendichte zu erhöhen, sondern dass gleichzeitig die Muskulatur des Patienten gestärkt werden muss. Starke Muskeln stabilisieren den Patienten zusätzlich, verhindern Stürze und neue Knochenbrüche, so Professor Ring.

Dr_RungeMehrere Ursachen

Dr. med. Martin Runge, Ärztlicher Direktor der Aerpah-Klinik Esslingen-Kennenburg, wies darauf hin, dass altersassoziierte Stürze entsprechend ihrer unterschiedlichen Pathogenese differenziert werden müssen. Sie sind typischerweise nicht Folge einer einzelnen Erkrankung, sondern Resultat eines altersassoziierten Abbaus von Muskeln und neuromuskulärer Kompetenz. Bei einem altersbedingten Sturz finden sich demzufolge regelhaft mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken. Der typische Sturzpatient hat also ein individuelles Bündel von Faktoren, die in Kombination seine erhöhte Sturzneigung verursachen. Je mehr dieser Risikofaktoren ein einzelner Mensch aufzuweisen hat, desto größer ist seine Sturzgefahr.

Medikamentöse Sturz- und Frakturenprävention

Für die Erhöhung der Knochendichte und Sturz- und Frakturenprävention bei Patienten mit postmenopausaler Osteoporose steht seit einem Jahr eine neue innovative Kombination der Wirkstoffe Alendronat und Alfacalcidol zur Verfügung. Für Alendronat sind die Erhöhung der Knochendichte und die Reduktion der Frakturen gut dokumentiert. Für Alfacalcidol konnte die erhöhte gastrointestinale Calcium-Resorption, die Erhöhung von D-Hormon im Körper, die signifikante Reduktion von Stürzen und die Stärkung der Muskulatur und Erhöhung der Muskelleistung nachgewiesen werden.

Neue Kombinationstherapie

Im Vergleich zur bisher üblichen Monotherapie mit Alendronat induziert die kombinierte Gabe von Alendronat und Alfacalcidol (lt. ALFA-Studie, 36 Monate Therapie) eine Zunahme der Knochendichte um 66% und eine Senkung der Anzahl der Frakturen bei Osteoporose um 38 %, berichtete Professor Ringe. In einer prospektiven kontrollierten Studie mit 90 Patienten (57 Frauen und 33 Männer) mit postmenopausaler Osteoporose bzw. Osteoporose des Mannes traten nach 2-jähriger Kombinationstherapie aus Alendronat und Alfacalcidol 80 % weniger Frakturen auf im Vergleich zu Patienten, die nur Alendronsäure und Vitamin D eingenommen hatten, so Professor Ringe weiter.

Ein Pflaster gegen den Schmerz

Mueller-SchwefeBei der immer älter werdenden Bevölkerung sind Frakturen ein steigender Grund für starke bis sehr starke Schmerzen. Ungefähr 85% der Osteoporose-Patienten leiden darunter, erklärte Dr. med. Gerhard H.H. Müller-Schwefe, leitender Arzt am Schmerzzentrum Göppingen, in seinem Referat. Diese Patienten benötigen hochpotente Schmerzmittel für eine effektive Analgesie (Ausschaltung des Schmerzes). Statt der klassischen Entzündungshemmer kommen heute potente Qpioide wesentlich früher zum Einsatz. Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie und für die Verträglichkeit ist die gleichmäßige Analgesie mit konstanten Wirkspiegeln ohne Konzentrationsspitzen und „Analgesielöcher“. Moderne Opioid-Schmerzpflaster kommen dieser Forderung weitgehend nach und erlauben eine Therapie unter Umgehung des Magen-Darmtraktes. Seit mehr als einem Jahr steht nun auch eine neue Pflasterinnovation mit dem Opioid-Wirkstoff Buprenorphin zur Verfügung. Er wird langsam und gleichmäßig an die Haut abgegeben. Dort baut sich ein Depot auf, aus dem der Wirkstoff ins Blut transportiert wird. Wie die meisten Opioid-Pflaster muss das Pflaster nur alle drei Tage gewechselt werden und zeigt die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit unter Praxisbedingungen. Es sollte allerdings nur Verwendung finden, wenn die orale Aufnahme erschwert oder unmöglich ist.

Kontinuierliche Wirkung gegen den Schmerz

Häufiges Symptom der Osteoporose, so Dr. Müller-Schwefe weiter, sind jedoch muskuloskeletale Rückenschmerzen bedingt durch Deformation der Wirbelsäule, degenerative Veränderungen und Bandscheibenerkrankungen unter Beteiligung der regionalen Muskeln. Die frühzeitige Therapie mit einem neuronalen Muskeltonus normalisierenden Analgetikum wie dem selektiven neuronalen Kaliumkanalöffner Flupirtin erweist sich hier den klassischen Entzündungshemmern deutlich überlegen. Die moderne Retardtablette enthält 100 mg schnell freisetzenden Wirkstoff, der die sofortige starke Wirkung garantiert, bei der Gabe von 300 mg wird sogar eine lange, über 24 Stunden andauernde Wirkung gesichert. Dabei zeigt sich, dass über den Tag der Wirkstoffspiegel im Blut nahezu konstant bleibt und eine kontinuierliche Analgesie ermöglicht wird.

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