Brechts „Baal“ im Malersaal

Brechts „Baal“ im Malersaal

Von Hans Peter Kurr

Ein Wahnsinnsabend im Malersaal: Da hat der ( im allerbesten Sinne) ver-rückte Regisseur  Samuel Weiss, die – imgrunde seit ihrem Erscheinen in der literarischen Welt 1918 – als uninszenierbar geltende brechtische Lebensangst-Parabel „Baal“ durch den Fleischwolf seiner szenischen Phantasie gedreht, die Rollen mit acht Hochbegabten der Theaterakademie Hamburg besetzt, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und in denen – deutlich sichtbar – die Flamme der Begeisterung für ihren zukünftigen Beruf nachgerade lodert, ihnen die Chance gegeben, sämtliche Möglichkeiten eines gut ausgetstatteten Schauspielhauses für sich zu nutzen wie professionelle Maske ( Thorsten Kirchner, Petra Hegele, Petra Lange), wunderbar in der optischen „Gleichschaltung“ ursprünglicher Individuen, neuen Kostümen (Einfallsreich: Janina Brinkmann), einem Regiestab von Hochprofessionellen (Musikalische Leitung: Joachim Kuntzsch ) u.v.a., einem Bühnenbild (Ironiedurchtränkt: Ralph Zeger) auf der Mitte balancierend zwischen szenischer Armut und kulinarischem Überfluss.- Und dies alles, bevor mancher von ihnen sich wiederfinden wird in dem Jammertal der armen, kleinen, nicht subventionierten Off-Theater, für € 50.- Abendgage, Kostümen aus dem elterlichen Kleiderschrank, Maske aus dem eigenen Schmickkästchen, Proben im ungeheizten Saal der benachbarten Kirchengemeinde und einem halben Bier nach der Vorstellung…..
Möge die .lodernde Flamme im Inneren dieser wundervollen jungen Menschen jenes alles unbeschadet überstehen, bis vielleicht dann doch der eine oder andere von ihnen wie der facettenreiche, gut mit elterlichen Genen ( Mutter Giulia Follina, Vater: Jörg Pleva) ausgestattete Anton Pleva, wieder zu grossen Bühen zurückfinden und nicht im Sumpf von „GZSZ“ oder ähnlichem TV-Müll versinken wird.
Hier jedenfalls im Schauspielhaus-Malersaal, zeigten die acht Nachwuchs-Menschen-Darsteller Spitzenleistungen, die ihresgleichen suchen!
Wenn Brecht im „Kleinen Organon“ ( 75) schreibt: „Unser Tun hat nichts von einem fröhlichen Sich-Umtun, und, um uns auszuweisen, verweisen wir nicht darauf, wieviel Spaß wir mit etwas gehabt haben, sondern wieviel Schweiß es uns gekostet hatt“, so hat genau dies an dem hier beschriebenen Theaterabend im Malersaal stattgefunden.Gratulor und Chapeau!

Fotos: Deutsches Schauspielhaus

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