Essenswert?

Von Johanna Renate Wöhlke

Die Frage nach Lieblingsgerichten ist leicht zu beantworten, für mich jedenfalls. Die Frage nach „Hassgerichten“ ist ebenfalls leicht zu beantworten, aber viel interessanter in den Antworten. Ich behaupte das einmal und beweise das gleich mit folgender Geschichte: Es ergab sich in einem Gespräch, dass mein Gegenüber ganz klar und deutlich sofort formulieren konnte, was es nicht mag: Rosenkohl, Grapefruit und Rote Beete. Nun ja, da konnte ich nicht so mithalten, denn ich habe keine besondere Abneigung dagegen, es sei denn: es sei denn, der Koch versucht, aus diesen drei Zutaten ein Gericht zu zaubern. Hier wird die Geschichte interessant! Denn nun steht plötzlich das Rosenkohl-rote Beete Festbuffet mit Grapefruitdessert im Mittelpunkt. Aber – wer würde das essen? Nun ja, wir sind nicht unkreativ und versuchen eine ganz besondere Kombination: das Grapefruit- Rote Beete- Soufflée mit
Rosenkohldressing! Allerdings lässt sich die Frage nun auch nicht mehr aufhalten, welche Wirkungen ein solches Gericht wohl auf Magen, Darm und alle anderen körperlichen Befindlichkeiten haben könnte. Außerdem wird die Meinung vertreten, das wäre dann ein wunderbarer Auftakt für eine ganz besondere Fotostrecke über die Wirkungen solcher Gerichte auf den „gemeinen Mitteleuropäer“ und auch durchaus geeignet, eine interessante Show im Fernsehen zu bestücken. So ist das immer im Leben: Stelle eine Frage, die interessant genug ist – und du bekommst auch interessante Antworten, meistens jedenfalls. Allerdings überlege ich jetzt wirklich dauernd, worin die Kunst des Kochens besteht: Besteht sie darin, aus den gegensätzlichsten Lebensmitteln ein schmackhaftes Mahl zu zaubern? Oder besteht sie darin, einfach nur das Schmackhafte noch schmackhafter zu machen, sozusagen zur Spitze des Genusses zu führen? Aber warum soll ich mir alleine diese Gedanken machen? Sie könnten das jetzt auch…

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