Subsummarium der im Thalia-Theater zuende gegangenen Lessing-Wochen

Von Hans- Peter Kurr
Mit der Verleihung des Lessing-Preises der Stadt Hamburg an den Publizisten Klaus Harpprecht (und die damit verbundene Ehrung durch ein Stipendium ,vergeben an den Lyriker Ian Wagner ) endeten die vom neuen Intendanten des Thalia-Theaters, Jochim Lux, initiierten „Lessing-Tage“. Selten ist es in der deutschen Kulturlandschaft – ausserhalb von internationalen Grossveranstalten wie den Berliner Festwochen und ähnlichen kulturtragenden Unternehmungen – zu erleben, wie eine solche „Massierung“ von Spitzenqualität im Programmangebot ein Haus wie das Thalia-Theater (, dem grössten deutschen Sprechtheater, dem Schauspielhaus an der Kirchenallee, von Anbeginn bis heute – ausser während der Gründgens-Zeit – ein „Dorn im Auge“), volstümlich formuliert, „aus den Nähten platzen“ lässt. Der Chronist, der an dieser Stelle die wichtigsten Veranstaltungen bereits beschrieben und gewürdigt hat, erlebte auch selten in einem langen Leben nahezu allabendlich frenetischen Beifall bis standing ovations für die Projekte und deren Realisateure.Dabei spielte die häufig offengebliebene Antwort auf die Frage, was denn dieses oder jenes Thema mit dem Namengeber der Veranstlaltungsreihe zu tun habe, keine wichtige Rolle mehr, hatte man sich einmal dazu bekannt, dass der qualitätsbesessene Lessing ( s. seine hierorts verfasste „Hamburgische Dramaturgie“!) als Maßstabgeber  für alle gezeigten Produktionen dienen konnte.-
Eine – bei aller Hochachtung vor anderen in diesen Lessing-Tagen gezeigten Darbietungen – in olympischen Höhen der Kunst angesiedelte Inszenierung gab es am letzten Abend der Reihe im Haus am Gerhart-Hauptmann-Platz zu erleben,Claus Peymanns Ausarbeitung des Lessing’schen „Nathan“ mit dem „Berliner Ensemble“.Zwar scheint es eher eng-gesichtig , durch ein Flugzeug und ein Kreuz , aufgemalt auf das Bühnenportal, durch einen dekorationslosen Bühnenraum mit einem aufgeklebten Grundriss , an „Ground Zero“ gemahnend, die Produktion dem berühmten „Nine Eleben zu widmen .Aber die Schauspieler!!!
Diese Schauspieler!!! Ein Ensemble für Sternstunden!!!
Und,ohne die übrigen Mitglieder gar zu desavouieren, muss der Darsteller der Titelrolle, P e t e r  F i t z , hervorgerühmt werden (Bei aller Achtung vor Peymann: aus der alten Buckwitz-Schule hervorgegangen!), der – obwohl gesundheitlich offenbar schwer angeschlagen – einen so feinfühlig differenzierenden Nathan gestaltete, wie ihn der Chronist trotz der Erinnerung an mindestens dreissig verschiedene Inszenierungen des Stücks, bisher nie sah. Chapeau, chapeau!

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