Darius, Xerxes und die Wasser des Hellespont

Von Hans Peter Kurr

480 Jahre vor der Wende ins Zeitalter der Fische, nur wenige Wochen vor der Schlacht bei Salamis, die seine Flotte schmählich verlieren sollte, flammte in dem jähzornigen persischen Grosskönig Xerxes eine Erinnerung auf:
Vor seinem inneren Auge erstand das Bild seines Vaters Darius….,wie jener seine Pioniere, soweit die Historiker dies wissen, die erste Strombrücke der Menschheitsgeschichte  über den Unterlauf der Donau – nahe der heutigen Stadt Passau – schlagen liess, um sein gewaltiges Heer nach Europa hineinzuführen. Die Brücke hielt der Last stand, Europa wurde ( noch ) nicht erobert…. :
„König Darius hatte eine Brücke über die Donau schlagen lassen, um seine Truppen gegen die Barbaren zu führen. Für die Zeit seiner Abwesenheit…..liess er Fürsten zur  Verteidigung der Brücke zurück. Zu diesen gehörte auch,als Gefangener, der Grieche Miltiades.Nun jagte eine Nachricht die andere: Das Grab Cyros des Grossen in der persichen Ebene nahe PersepolisDarius habe Unglück und würde von den Skythen in die Enge getrieben.Miltiades forderte daher die Verteidiger der Brücke auf, die Gelegenheit zur Befreiung Griechenlands nicht ausser Acht zu lassen; denn, wenn Darius mit seinen aus Asien übergesetzten Truppen zugrunde ginge, so würde nicht nur Sicherheit für ganz Europa gewonnen werden, sondern auch die Griechen wären von der Herrschaft der Perser frei…..“, lesen wir bei Cornelius Nepos (….und wissen, warum sich unser Kontinent in Ruhe so europäisch entwickeln konnte….bis die Osmanen die Meerenge von Gibraltar entdeckten!).
Zurück zu Xerxes: Der junge Kriegerkönig, in dessen Adern das heisse Blut seines Vater und das des Grossvaters, Cyros des Grossen,kochte, wollte es dem Vater gleichtun. Aber er hatte nicht viel Zeit: Seine Flotte ankerte bereits nahe der Insel Salamis. Bald würden ihr gegenüber, vor der eleusischen Küste, die Schiffe der Griechen auftauchen. Die persischen Boote trugen zu diesem Zeitpunkt nur kleine Mannschaften von Schiffsführern, die für die bevorstehende Schlacht vorgesehenen Kämpfer lagerten noch jenseits der Meerenge der Dardanellen ( beim heutigen Istanbul), die es zu überqueren galt. Xerxes, der Heißsporn, in heftiger Eile befahl er, einen Übergang über jene Meerenge zu spannen, die noch heute den bezeichnenden Namen „Hellespont“ (Brücke zu den Hellenen) trägt.Seine Brücke aber sollte zunächst nur, wegen der weitaus geringeren Bauzeit für die persischen Pioniere, aus nebeneinandergelegten Pontons bestehen, um das einhundertausendköpfige Heer hinüberzutragen. Dies – so tradiert es der Mythos- gefiel den Wassern an der levantinischen Küste nicht; hoch liess Poseidon, der Gott aller Meere, sie aufschäumen und die provisorische Brücke zerstören. Xerxes, in loderndem Zorn, befahl darauf zweitausend Fußsoldaten, Ruten zu schneiden und liess die störrischen Wasser prügeln, bis ihre Oberfläche sich wieder beruhigt hatte.Den Gedanken an eine Behelfsbrücke aber gab er auf,das Heer musste auf Flössen übersetzen.-
Die Folge dieser Gotteslästerung, Poseidon und sein Element zu prügeln, so endet der Mythos, war der Untergang der persischen Grossmacht bei Salamis, der Triumph also der Athener unter Themistokles, den uns Aischylos‘ Teichoskopie in den „Persern“ so wirklichkeitsnah beschreibt :
„Wie des Thunfischs Scharen man mit Spiessen jagt,
so schlugen sie mit Ruderstangen, schleuderten
Gebälk, zertrümmernd alles. Ächzen hört man
und kläglich‘ Wehgeschrei auf weitem Meer,
bis es verging im hüllend‘ Schoß der schwarzen Nacht…..“

Schreibe einen Kommentar