Klasse statt Masse: Thilo Sarrazin im Gespräch

Kommentar
(Lettre International, 86, Berlin, 2009)
Von Götz Egloff

Eine Projektion ist eine Projektion ist eine Projektion

Die Einlassungen des Berliner Ex-Finanzsenators und Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin (SPD) in Lettre International Nr. 86 zum Thema des Einflusses ethnischer und sozialer Minderheiten auf die sozioökonomischen Entwicklung der Hauptstadt lassen tief blicken – nur worein? In die Abgründe Berlins? Oder in die Abgründe der psychischen Konstitution von Herrn Sarrazin? Dieser begibt sich verwegen in die uralte Tradition des Minderheiten-Bashings und ignoriert souverän und ganz zeitgeistgemäß jegliche sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über sozioökonomische und soziogeographische Zusammenhänge. Da hat wohl einer seinen Topos gefunden.
Die schwerwiegenden Versäumnisse der Ära Schmidt und der Ära Kohl beim Thema Integration werden von ihm nicht herangezogen, stattdessen macht er sich zum Handlanger des Polit-Chauvinismus und liefert eine Steilvorlage für populistische Edelfedern wie Franz-Josef Wagner (BILD-Zeitung, 5.10.2009). So – jetzt hat einer mal gesagt, was Sache ist! Damit bist du ganz weit vorn, Thilo! „Klasse statt Masse: Thilo Sarrazin im Gespräch“ weiterlesen

Joachim Blieses 50. Bühnenjubiläum

Notizen zur Hauptmann-Premiere im Ohnsorg-Theater
Von Hans- Peter Kurr
Grosse Literatur im Hamburger Ohnsorg-Theater. Und das „op Platt“. Seit vielen Jahren beweist der Intendant des (Noch-) Hauses an der Grossen Bleichen, Christian Seeler, den Mut zu diesem Risiko. Und offensichtlich gibt der Erfolg ihm Recht:
Mochte mancher Besucher die „Faust“-Interpretation mit Joachim Bliese und Uwe Friedrichsen vor einiger Zeit als Höhepunkt dieser Bemühung angesehen haben, jertzt durfte er erleben, dass Gerhart Hauptmanns wichtigstes Generationen-Drama „Vor Sonnenuntergang“ sich würdig an Faustens Seite stellen lässt, zumal in der plattdeutschen Übersetzung des sensiblen Regisseurs Frank Grupe, der , als Oberspielleiter des Hauses, auch feinfühlig inszenierte. Und das mit einem Ensemble von Typen und Charakteren, das man in dieser hochkarätigen Zusammensetzung selbst in Hamburg mit der Lupe suchen muss. „Joachim Blieses 50. Bühnenjubiläum“ weiterlesen

Die Seelenflüsterer – Turbo-Coaching gegen Stress und Angst

Rezension zur 4-teiligen Doku-Serie
von Liz Wieskerstrauch
SWR Fernsehen, 01.10.09, 08.10.09, 15.10.09, 22.10.09, jeweils 22:30 Uhr
Die suggestive Kraft des Therapeuten – Menschen zwischen Leid und Hoffnung

Von Götz Egloff
Liz Wieskerstrauch ist mit ihrer 4-teiligen Doku-Serie „Die Seelenflüsterer – Turbo-Coaching gegen Stress und Angst“ im Auftrag des SWR ein hautnaher Film gelungen, der in eindringlicher Weise die psychischen Probleme mehrerer Menschen zeigt – und wie eine Möglichkeit aussieht, diesen Problemen zu begegnen. Prüfungsangst vor dem Abitur, Zahnarztphobie, ADHS beim 11-jährigen Felix – eindrückliche Symptome vom „Nachbarn nebenan“, die mit einer neuartigen Coaching-Methode des Psychologenpaars Cora Besser und Harry Siegmund behandelt werden. „Die Seelenflüsterer – Turbo-Coaching gegen Stress und Angst“ weiterlesen

Neues vom Schauspielhaus

Das glänzende Ensemble der ' IKEA Revue'
“Das glänzende Ensemble der ' IKEA Revue' “

Von Hans- Peter Kurr

Von Saison zu Saison deutlicher  bewähren sich Friedrich Schirmers, des Schauspielhaus-Intendanten und seines Stellvertreters Michael Propfe Spürnasen auf der Suche a.) nach zeitgemässen oder gar zukunftweisenden Theaterformen und b.) nach hochqualifiziertem künstlerischem Personal, diese auf der Bühne umzusetzen.
Paradebeispiel für erstgenannte Theaterformen ist eine Art musikalischer Revue im Grossen Haus unter dem Titulum „Das Wunder von Schweden“, die die Lebensgeschichte des Ikea-Gründers Ingvar Kamrad erzählt.

"Der junge Hierse in der Titelrolle Hamlet"
"Der junge Hierse in der Titelrolle Hamlet"

Da es sich dabei um eine Co-Produktion mit den Recklinghäuser Ruhrfestspielen handelt, konnte man bereits im Sommer des laufenden Jahres in Otto Burrmeisters Festspielhaus registrieren, um welch‘ eine – im brechtischen Sinn – unterhaltsam-belehrende kapitalismuskritische Bühnenshow es sich handelt, mit einem Darsteller-Ensemble von gebündelt berauschender Qualität.-
Eine leider weit verbreitete Kritiker-Unsitte, nach Premieren Stücke zu beschreiben, aber die Schauspieler nicht namentlich zu erwähnen, verkehrt sich hier ins Positive:
Einzelne aus jenem Ensemble der singenden Schauspieler (Im Gegensatz zu den „commercial“-Musicals eine wahrhafte Köstlichkeit seit den Tagen des Vaudeville) hervorzuheben, hiesse die Gesamtleistung ebenderselben nicht adäquat zu würdigen. Im Ganzen: Ein toller Abend, der aus sich heraus den Verdacht schwinden lässt, es könnte sich sich um eine subventionerte PR-Produktion über das schwedische Möbelhaus handeln. „Neues vom Schauspielhaus“ weiterlesen

Grün kommt später

Von Renato Diekmann

Statt Sprit sparender Fahrzeuge präsentieren die Autokonzerne auf der IAA immer mehr PS.

Krise? Welche Krise?

„Nur auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main finden die Besucher Antworten auf die Herausforderungen der Krise“, verspricht selbstbewusst Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilhersteller (VDA). Zwar gibt es lt. auto motor sport auf der Automesse vom 17. bis 27. September 2009 einige wenige grüne Tatsachen und viel ökologische Zukunftsmusik, aber von Krise, Umdenken und Zurückhaltung kann gar keine Rede sein. Vielmehr ist Kräftemessen und Megaluxus angesagt, so das Magazin.
Hier die Wagen zur Wirtschaftkrise:

Nur Fliegen ist schöner! „Grün kommt später“ weiterlesen

Die grossen Frauen-Figuren suchen

Thekla Carola Wied spielt im Ibsen im Ernst-Deutsch-Theater

Von Hans- Peter Kurr

carola-wied-11435198-mfbq,templateId=renderScaled,property=Bild,width=46502„Nicht dafür“, antwortet Isabella Vertez-Schütter denjenigen Hamburger Theaterfreunden, die ihr danken, dass sie die Spielzeit 2009 / 2010 am 27. August mit dem vier Jahre nach „Baumeister Solness“ entstandenen sperrigen Ibsen-Alterswerk „John Gabriel Borgmann“ eröffnete. Und das in einer hochkarätigen Besetzung:
Hamburgs „Urgstein“, Uwe Friedrichsen, mit 75 Jahren in der ungemein strapaziösen Titelrolle, Elfriede Irall, die erst vor wenigen Monaten , gemeinsam mit Pleva, an den Hamburger Kammerspielen brillierte, und Thekla Carola Wied, eine der besten deutschen Menschendarstellerinnen ihrer Generation, die – im Gegensatz zu einigen ihrer Kolleginnen -den Sprung vom TV-Studio zurück auf die Bühne (, von der sie als ehemalige Folkwang-Hochschülerin einst gekommen ist),mühelos vollzieht und nicht ab 8. Reihe nur noch als Stummfilm-Ikone zu erleben ist.-
„Ich bin ein Mensch, der noch staunen kann“, sagt die Bundesfilm-Preisträgerin in Gold, „Ich gehe eine Sache an und denke gar nicht an Erfolg. Ich arbeite und bin dann erstaunt, dass alles gut gegangen ist. In einem Künstlerleben ist aber auch inbegriffen, dass man staunen darf über Misserfolge.“- Die Arbeit an dem schwierigen Ibsen-Stück kommt ihr künstlerisch entgegen: “ Auf der Suche nach grossen Frauenfiguren ist ein reiches Feld zu beackern. Hier, bei Ibsen, gibt es eine Chance dazu.
Auf die Frage, was für sie ein persönliches, ausgefülltes und glückliches Leben sei, antwortet sie :“Die Fähigkeit zu besitzen, sein Glück zu  e r k e n n e n !“

Beifallstürme im „Hamburger Sprechwerk“

……..bei der Saunders-Premiere „Wirklich schade um Fred“

Von Hans- Peter Kurr

Warum es an diesem Abend ausgerechnet um einen gewissen Horst „schade“ sein sollte, obwohl der Autor James Saunders in seinem Debut-Stück darauf bestand, es sei „schade“, dass ein gewisser „Fred“ vor langer Zeit „zweigeteilt“, also ermordet, wurde, erschloss sich bei der Premiere des Stückes „Wirklich schade um Fred“ im Hamburger Sprechwerk dem Zuschauer ebensowenig wie dem das literarische Saunders – Erbe in Deutschland betreuenden Rowohlt-Theaterverlag, dessen Leiterin, Corinna Brocher, auf der Verwendung des Originaltitels für die kommenden Vorstellungen bestand.
Hilde Spiels kongeniale Saunders-Übersetzungen (Szent of Flowers, Eremit etc.) durch eine Bearbeitung der Originalfassung in (Zitat:) „typisch norddeutsche lakonisch-trockene Komik“, die die zwei Schauspieler Jasmin Buterfas und Joachim Liesert (Beide hervorragend für die Thematik geeignete Darsteller!) vorgenommen haben, zu rsetzen, ist zwar ein kühnes Unterfangen, darf aber als wohlgelungen bezeichnet werden. „Beifallstürme im „Hamburger Sprechwerk““ weiterlesen

Celle – Herzögliche Residenz mit sprechenden Laternen

Von Uta Buhr

Das Celler SchlossDie ganze Welt ist ein Theater! Wer Celle besucht, kann leicht zu dieser Einsicht gelangen. Die alte Residenzstadt in der Südheide mit ihrem Renaissanceschloss und einer Fülle prächtiger Fachwerkhäuser – es sollen an die fünfhundert sein – ist eine ideale Kulisse für bühnenreife Auftritte schauspielerisch begabter  Cellenser.  Übrigens … der Name Cellenser gebührt nur Personen, die in den Mauern der Stadt geboren wurden. Die Zugereisten heißen schlicht Celler.
Die Dame im Reifrock und den bunten Schleifchen im blonden Haar stellt sich mit einem graziösen Hofknicks vor: „Gestatten, mein Name ist Madame Lucie. Bitte sprechen Sie ihn französisch aus. Das ist Brauch am herzöglichen Hof. Folgen Sie mir möglichst leise durch unser Schloss. Ich habe Ihnen eine Menge zu erzählen.“ „Celle – Herzögliche Residenz mit sprechenden Laternen“ weiterlesen

Balaton-Überschwimmen 2009 in Ungarn

Von Dr. László Kova
Der Plattensee, ungarisch Balaton, die Ungarn nennen ihn stolz „das ungarische Meer“, ist der größte Binnensee in West- und Mitteleuropa. Seine Oberfläche beträgt 600 km2, seine Länge beträgt 77 km, seine maximale Breite 16 km, die schmalste Stelle ist mit 1,1 km bei Tihany. Die durchschnittliche Tiefe ist   3-3,5 m, vor Tihany beträgt die Tiefe 11-12 m. Die  Wasserzufuhr erfolgt durch das Flüsschen Zala und am Norden durch kleinere Bäche. Das Wasserniveau wird auf der Ostseite durch den Kanal Sió technisch reguliert.
 Badevergnügen im Plattensee
Durch die große Oberfläche verliert der See im heißen Sommer durch Verdunstung schnell an Tiefe und ebenso, wenn die Regenzeiten ausfallen. Da dieser See relativ flach ist, ändert sich auch die Wassertemperatur stark und schnell. Im Sommer ist er angenehm warm. Bei Nordwind können gefährliche Wellen entstehen.

Am Nordufer wird der See schnell tief, die Südseite ist flacher, hat sandigen Boden und ist zum Baden besser geeignet. Die Badestellen sind überall am Balaton gut markiert und werden aus Sicherheitsgründen von Rettungsschwimmern überwacht. „Balaton-Überschwimmen 2009 in Ungarn“ weiterlesen

“Torn From The Flag”

(Herausgerissen aus der Flagge)
Von Dr. László Kova
 Die ungarische Producerin Klaudia KovácsKlaudia Kovács ist die Producerin für den Dokumentarfilm „Torn From The Flag“ (Herausgerissen aus der Flagge), der im Juli 2009 in Budapest für Filmemacher und den  Filmverleih vorgeführt wurde. Der Film war der „Schlager“ des Internationalen Filmfestivals in Eger (Slow Film Festival) vom 25. Juli bis 01. August 2009. „Torn From The Flag“ wurde während des Festivals mehrmals im vollbesetzten Kino ´Úránia´ gezeigt, jeweils mit „standing ovation“ des Publikums nach der Vorführung. Der Film nahm bis jetzt auf 16 internationalen Filmfestivals teil und gewann 6 Auszeichnungen.

Anlass des Filmtitels ist, dass die Revolutionäre zu Beginn des Volksaufstandes 1956 aus der ungarischen Flagge das kommunistischen Wappenzeichen herausrissen. So wurde die gelochte Nationalflagge (Trikolor) das Symbol der ungarischen Revolution vor 53 Jahren. „“Torn From The Flag”“ weiterlesen