Bettina Katalin

Lebensgeschichten – Theatergeschichten.

Die junge Autorin im Gespräch
Von Johanna Renate Wöhlke

Wer von uns möchte das vorhersehbare Leben leben? Bettina Katalin, 32 Jahre junge Autorin aus Berlin, die erst seit vier Jahren in Hamburg lebt, ist sich da für sich selbst sicher: „Das Spannende ist das Unvorhersehbare, das sich Entwickelnde, die Neugier auf das, was geschehen wird!“

Diese Einstellung zum Leben hat sich für sie in einem großen Erfolg verkörpert: Ihr erstes Theaterstück, die Tragikomödie „Knut und Will“, ist im „Hamburger Sprechwerk“ im Sommer 2009 uraufgeführt worden –  ein Erfolg, der so nicht vorhersehbar war, genauso wie Geschichten nicht vorhersehbar sind. Sie werden begonnen und nehmen ihren Lauf. Schriftsteller wissen das. Auch Bettina Katalin hat keine anderen Erfahrungen gemacht: „Die Geschichte kommt beim Schreiben, sie entfaltet sich. Die Charaktere erschaffen sich aus sich selbst heraus.“

So war es bei „Knut und Will“, so ist es auch bei ihrem zweiten Stück gewesen: „Der Tod des Monsieur Molière“, ein Schauspiel in zwölf Bildern auf der Basis von Anekdoten über diesen berühmten französischen Meister der Komödie. Ein drittes Stück ist gerade dabei zu entstehen „es schwebt noch“, wie die Autorin sagt.

Bettina Katalin scheint ihre „Schreibstimme“, wie sie es nennt, gefunden zu haben und ist voller Ideen und Pläne: Sie möchte weiterhin Theaterstücke schreiben. Bis hierher aber gab es auch einmal den Wunsch, es vielleicht mit der Schauspielerei zu versuchen. Es blieb bei einem kurzen Versuch und Unterrichtsversuchen, in denen etwas klar wurde:  Der Respekt vor der Leistung der Schauspieler auf der Bühne wuchs und wuchs. Der Wunsch danach, Schauspielerin zu sein, wurde kleiner und kleiner. Was blieb, war die Faszination des Theaters, seiner Welt, seiner Träger – vom Beleuchter bis zum Regisseur – und der Wunsch, dafür den Stoff zu liefern.

„Alles ist inspirierend“, so nimmt sie Theater und ihr Leben begeistert wahr. Die Inspiration ist es auch, in der sie sicher ist, sich selbst ausprobieren zu können, diese Spannung zu erleben zwischen dem Schwebezustand des Entstehens und der fertigen Geschichte. „Schreiben ist auch permanentes Selbstbefragen, etwas über sich selbst zu erzählen, vielleicht sogar, Ruhe vor sich selbst zu haben…“, meint Bettina Katalina nachdenklich und zündet sich eine Zigarette an. Sie ist sich sicher, dass jede Form von Schreiben etwas mit dem Schreibenden selbst macht, ihn entwickelt, ihn verändert. In ihre Geschichten taucht sie schon ein, bevor sie beginnt zu schreiben: Lange Recherchen stehen vor dem Prozess des Schreibens, der dann kürzer sein kann, als die Recherchen gewesen sind.

Die Freiheit, die sie sich selbst beim Schreiben gibt, räumt sie auch allen ein, die mit ihren Stücken umgehen wollen, Schauspielern und Regisseuren. „Ich bin gespannt auf die Interpretation durch andere. Sie verkörpern im Stück zwar meine Gedanken, aber sie müssen das auf ihre Weise tun.“ Bettina Katalin empfindet einen „absoluten Respekt“ vor allen, die Theater machen, an welcher Stelle auch immer, und hat auch klare Vorstellungen über ihre Rolle als Autorin: „Ein Autor sollte sich nicht in die Arbeit eines Regisseurs einmischen. Vielseitigkeit in der Interpretation ist eine Bereicherung. Einheitsbrei? Das ist doch nicht so toll, oder? Mein Text bleibt doch immer derselbe“, sagt sie mit einem kleinen Lächeln und es scheint, dass hier eine junge Autorin ihren Weg gefunden hat, auf dem sie weitergehen wird. Ein Weg, der schon vor vielen Jahren mit großem Interesse für das Theater begonnen hat und nun dabei ist, selbst ein Teil davon zu werden.

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