Neues vom Schauspielhaus

Das glänzende Ensemble der ' IKEA Revue'
“Das glänzende Ensemble der ' IKEA Revue' “

Von Hans- Peter Kurr

Von Saison zu Saison deutlicher  bewähren sich Friedrich Schirmers, des Schauspielhaus-Intendanten und seines Stellvertreters Michael Propfe Spürnasen auf der Suche a.) nach zeitgemässen oder gar zukunftweisenden Theaterformen und b.) nach hochqualifiziertem künstlerischem Personal, diese auf der Bühne umzusetzen.
Paradebeispiel für erstgenannte Theaterformen ist eine Art musikalischer Revue im Grossen Haus unter dem Titulum „Das Wunder von Schweden“, die die Lebensgeschichte des Ikea-Gründers Ingvar Kamrad erzählt.

"Der junge Hierse in der Titelrolle Hamlet"
"Der junge Hierse in der Titelrolle Hamlet"

Da es sich dabei um eine Co-Produktion mit den Recklinghäuser Ruhrfestspielen handelt, konnte man bereits im Sommer des laufenden Jahres in Otto Burrmeisters Festspielhaus registrieren, um welch‘ eine – im brechtischen Sinn – unterhaltsam-belehrende kapitalismuskritische Bühnenshow es sich handelt, mit einem Darsteller-Ensemble von gebündelt berauschender Qualität.-
Eine leider weit verbreitete Kritiker-Unsitte, nach Premieren Stücke zu beschreiben, aber die Schauspieler nicht namentlich zu erwähnen, verkehrt sich hier ins Positive:
Einzelne aus jenem Ensemble der singenden Schauspieler (Im Gegensatz zu den „commercial“-Musicals eine wahrhafte Köstlichkeit seit den Tagen des Vaudeville) hervorzuheben, hiesse die Gesamtleistung ebenderselben nicht adäquat zu würdigen. Im Ganzen: Ein toller Abend, der aus sich heraus den Verdacht schwinden lässt, es könnte sich sich um eine subventionerte PR-Produktion über das schwedische Möbelhaus handeln.
Ebenfalls ein fabelhaftes Beispiel für die Qualität des darstellenden Personals auch des „Jungen Schauspielhauses“ bietet die speziell für jugendliches Publikum konzipierte Neu-Inszenierung des Shakespeare’schen „Hamlet“ durch den künstlerischen Leiter Klaus Schumacher, in der deutschen Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch (+) im Malersaal.

Selbst ein Angehöriger der Generation der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wie der Chronist, dem zunächst nicht recht wohl dabei ist, die berühmte Totengräberszene (V,1 ) gestrichen zu sehen und mitzuerleben, wie das Publikum zur Schauspieltruppe „mutieren“ muss, hat zur Kenntnis zu nehmen, dass das junge Publikum am Ende jubelte, tobte, pfiff und trampelte vor Begeisterung, obwohl es offenbar zu beträchtlichem Teil aus Menschen bestand, die zu Beginn lautstark fragten: „Weisst Du überhaupt, worum es geht?“ und Antworten erhielten wie „Nö, mal sehen!“. Erschreckend für unsereinen im Schmuck des weissen Haares. Aber: Dass diese unbedarfte Nonchalance in eine derartige Begeisterung umschlagen kann, ist zunächst der originellen ( nicht originalen!) Inszenierung Schumachers zu verdanken wie auch hier den wundervoll heftig engagierten neun Schauspielern, deutlich angeführt durch die zwei von Schirmer,Propfe und Schumacher entdeckten Nachwuchskräfte Nadine Schwitter (Ophelia) und Thorsten Hierse (Titelrolle). Sie alle haben dafür gesorgt, das der Zuschauer – auch dies im Sinn des brechtischen Organon – das Theater anders verliess als er es betreten hatte…..
Welch‘ eine Wahnsinnsszene der Ophelia! Hohe Bewunderung!
Welch‘ schnoddrig-glaubhaft-heutige Behandlung der hamletischen Monologe durch den jungen Hierse!
Fazit: Ein wahrhaft begeisternder Abend!

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