Knut und Will

Bettina Katalin (Autorin) Von Hans- Peter Kurr

In der sommerlichen Hamburger Kulturszene sieht man einer interessanten Veranstaltung entgegen, die das Theaterleben der Hansestadt mit der Uraufführung des Theaterstücks einer jungen Autorin bereichern wird: Bettina Katalin legt mit ihrer Tragikomödie „ Knut und Will“ ein außergewöhnliches Stück vor, weil es die Problematik älterer Menschen, die in Perspektivlosigkeit zu verfallen drohen, auf heitere Weise transparent macht und die Schwere aussichtslos erscheinender Schicksale aufzulösen scheint. Ein Thema, das hochaktuell ist, weil es in unserer altersmäßig überbordenden Gesellschaft spielt, die aber die Probleme, die uns diese – gegenüber früheren Generationen geschenkten –  Lebensjahrzehnte bieten, weitgehend ausblendet. Die Nachwuchsautorin leuchtet sie aber bis in den innersten Winkel aus und macht damit die letzten Lebensstufen der älteren Generation, wie Einsamkeit, Mutlosigkeit, Krankheit und Tod, mit scheinbar leichten Schritten begehbar und trittfest.

Die Uraufführung dieses außergewöhnlichen Theaterstücks ist für den 14.August in Hamburg terminiert. Veranstalter sind der Förderverein Hamburger Sprechwerk e.V.
( www.hamburgersprechwerk.de ), ein gemeinnütziger Verein zur Realisierung von Theaterprojekten,  und das Hamburgische Kulturkontor. Mindestens sechs weitere Aufführungen werden auf der Bühne des Hamburger Sprechwerks, KlausGroth-Str.23, 20535 Hamburg, stattfinden, fest eingeplant sind anschließend Gastspiele in Berlin und in Hamburgs neuer HafenCity.

Die 3ojährige, in Deutschland geborene Autorin mit schweizer Staatsbürgerschaft, lässt das Stück in Hamburg spielen, wo sie seit vier Jahren mit ihrem Ehemann lebt. Eine vielseitig begabte Künstlerin, die in London, wo sie sieben Jahre gearbeitet hat, neben einer Schauspielausbildung Kurse in Bildhauerei und Malerei belegte und ihre Schriftstellerlaufbahn in Ungarn begann. Seit Bettina Katalin im Jahr 2004 in die Bundesrepublik zurückkehrte, arbeitete sie als Regie-Assistentin und Übersetzerin für  mehreren Galerien. Mit dem 2007 geschriebenen Stück wird die begabte Nachwuchsautorin erstmalig einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Ihre Eindrücke im Ausland dürften auch Diktion und Handlung des Stücks beeinflusst haben. Sie spiegeln sich vor allem in den beiden Hauptfiguren „Knut“ und „Will“ wieder, die – nach Hamburg transferiert – eine Art anglo-hanseatisch Humors aufweisen, der die beiden betagten Männer über die eigenen Gebrechen lachen, dem Unvermeidlichen noch Erlebbares abtrotzen lässt. Die eigene Nabelschau wird durch Selbstironie erträglicher, die in Monotonie und Hoffnungslosigkeit verblasste Persönlichkeit gewinnt an Konturen. Es ist ein hoffnungsvolles Stück über die Tragik des Lebens im Alter, gesehen aus dem Blickwinkel der jungen, im heutigen Leben verwurzelten, Schriftstellerin. Und das dürfte ihr jede im Publikum vertretene Generation honorieren.

Der Inhalt ist kurz erzählt: Zwei gescheiterte Existenzen, Knut, Schriftsteller mit Schreibblockade, und Will, Schauspieler ohne Engagement, treffen aufeinander und beschließen, ihre Biografien zusammen zu schweißen. Nachdem Knut noch einmal der Liebe in Gestalt von Helena, einer gefeierten Cellistin, begegnet, erhält er die vernichtende Diagnose: Krebs im Endstadium. Er kapselt sich ab, aber Helena gelingt es, ihn aus der Resignation zu reißen, Knut beendet sein Buch – und stirbt. Zurück bleiben Will und Helena, die jeder auf eigene Weise, aus dem Erlebten neuen Mut zum Weiterleben schöpfen. Will bekommt das ersehnten Engagement, er wird dem Weisesten aller erdichteten Figuren Leben einhauchen: dem Shakespearschen Narren. Damit wird das Grundthema des Stückes verdeutlicht: Der Prozess des Alterns ist zwar verbunden mit dem allmählichen Verlust von Fähigkeiten, andererseits bietet er aber die Möglichkeit, durch eigenes Erleben bereichertes Wissen  – also bestenfalls Weisheit – einzubringen: Gelebtes Leben bis zum letzten Atemzug.

Die Uraufführung werden namhafte Künstler gestalten, die auch bei der Projektierung mitwirkten. Wie Hans-Peter Kurr, der sich nach langer, journalistischer Tätigkeit als Auslandsberichterstatter in den USA, Asien und Australien zum Regisseur und Schauspieler an der Folkwang-Hochschule ausbilden ließ, an großen Bühnen spielte und heute als Inhaber des „Hamburgischen Kulturkontors“ als Autor, Gastregisseur und Schauspieler arbeitet. Er spielt den Will, die Rolle des Knut hat der Schauspieler und Regisseur  Frank Gruppe übernommen, Chefdramaturg und Regisseur am Hamburger Ohnsorg-Theater. Den weiblichen Part der Helena erfüllt die bekannte Schauspielerin Hannelore Droege mit Leben. Die Regie liegt in den Händen von Konstanze Ullmer, die sich durch ihre Inszenierungen im In-und Ausland einen Namen gemacht hat.
Weitere Informationen:   info@hamburgersprechwerk.de,                                                                                                      www.hamburgersprechwerk.de

Konstanze Ullmer (Regisseurin)
Konstanze Ullmer (Regisseurin)
Hans-Peter Kurr (Will Hansen)
Hans-Peter Kurr (Will Hansen)
Frank Grupe (Knut Schumann)
Frank Grupe (Knut Schumann)
Hannelore Droege (Helena Parker)
Hannelore Droege (Helena Parker)

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