Das Figaro-Ensemble auf der Bergedorfer Bühne

Das Figaro-Ensemble auf der Bergedorfer Bühne

Mozarts“Figaro“ bei den 7. Bergedorfer Musiktagen

Von Hans- Peter Kurr, Fotos: Tobias Gloger
Einen sehr gelungenen Opernabend konnten die Freunde der 7. Bergedorfer Musiktage als deren zweite Veranstaltung dieses Jahres im „Haus im Park“ erleben: Unter der Stabführung des temperemantvollen Professors Jürgen Schulz spielte das von dem Konzertmeister Scheuermann eigens zusammengestellte „Orchester der Bergedorfer Musiktage“ mit sehr gut disponierten jungen Musikern aus Hamburg, Bremen, Hannover Mozarts „Hochzeit des Figaro“ trotz nur zweier Bühnenproben so glutvoll und vor allem homogen, dass der Abend zu einem Kleinod der Musizierkunst wurde.
Die Inszenierung des Werkes (In deutscher Sprache – warum?) lag in den Händen von Thomas Michael Günther. Aber es ist wohl richtiger, hier von „Arrangement“ der handelnden Personen zu sprechen, denn – obwohl der architektonisch unsinnige Quersturz in der Bergedorfer Bühnenmitte ohnehin seit Jahrzehnten regielich-räumliche Variabilität weitgehend verhindert, bleibt zu sagen, dass auch an diesem Abend geschah, was in der Opernregie häufig zu beobachten ist: Chor und Solisten treten – ebenso notfalls wie einfallslos aus dem Zuschauerraum – auf, weil sie in den nächsten Sekunden zu singen haben und verschwinden nach dem Tacet wieder…….ohne jede Plausibilität für den Zuschauer. Da der Regisseur – laut Programmzettel – ebenso für die Ausstattung verantwortlich zeichnete, ist ihm leider auch ein ebenso wenig einsehbarer Einfall anzulasten, ausgerechnet beim ersten grossen Auftritt der Gräfin Almaviva einen Star wie Eleonora Wen mit dem Schatten eines Fensterkreuzes auf ihrem Negligé als Suggestion „Innenraum“ zu versehen, dafür aber das ungemein ausdrucksstarke Antlitz dieser wundervollen Sänger-Darstellerin im Schatten des Streulichtes zu belassen!

Eleonora Wen alsd Gräfin Almaviva

Sorry, aber auch derartige Beobachtungen müssen dem Chronisten anzumerken erlaubt sein über diesen ansonsten wirklich ausgezeichneten Dreieinhalb(!)-Stunden-Abend, der ein Glanzlicht nach dem anderen setzte:
Allen voran die bereits erwähnte Eleonora Wen, Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper, die wir bereits vor Jahresfrist als Cho-cho-san in Puccinis „Butterfly“ bewundern durften, als Gräfin Almaviva, deren dramatischer Sopran für das gesamte übrige Ensemble Masstäbe an Ausdrucksstärke setzte, flankiert vom Figaro des Yuhe Zhu, der einen ungewöhnlich variationsreichen Baßbariton (- nur in den tiefen Lagen nicht ganz den Charakterbass erreichend -) hören liess und vor allem auch den vermaledeiten Spielszenen der mozarteischen Rezitavive sehr gut gewachsen war, ebenso wie seine Partnerin Hannah Ulrike Seidel, die als Susanna einen wohltuend schlanken lyrischen Sopran erklingen liess.-
Die Überraschung des Abends war für mich jedoch Wendelin Schaefer als Gärtner Antonio. Der, den Hamburger Musikfreunden eher als Konzertsänger bekannte, Schaefer setzte nicht nur – wie gewohnt – mit seinem wuchtigen Sarastro-Bass Glanzlichter, sondern auch – obwohl sehr spät ins Ensemble geholt- darstellerische Komik so glänzend ein wie eben nur wirkliche Schauspieler-Sänger dies vermögen: Gar köstlich seine Klage über die zertretenen Rosen (, die – auch dies Regie – in der Optik leider nicht die Köpfe hängen liessen!?!) nach Cherubinos ( Kristina Susic) Sprung aus dem Fenster. Entzückend übrigens auch Yuanyuan Wang als dessen Tochter Barbarina in der kleinen solistischen Einlage auf der Suche nach der verlorenen Schmucknadel.

Zuguterletzt erlebten wir einen nicht sehr persönlichkeitsstarken Grafen Almaviva, der ja als literarischer Bruder des Don Giovanni gemeint ist, dessen von da Ponte und Mozart ihm geschenkten Charaktereigenschaften ( ethymologisch: Der sie alle nährende Lebendige = alma viva) man hier allerdings nur ahnen konnte, obwohl sein modulations freudiger Bariton dieses Manko streckenweise vergessen liess.
Schade, dass eine so freundenspendende Vortsellung – wie zu erfahren war -nur für diesen einen Abend produziert worden ist. Sie wäre es wert – nach einigen Aenderungen (z.B. Damenchor und Ballett für den Fandango des 3. Aktes, damit ihn nicht die Solisten „tanzen“ müssen!) – an prominenter Stelle in Hamburg gezeigt zu werden.

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