Mein erstes veröffentlichtes BuchCover: Zwischen Zufall und Planung

Der Schriftsteller Oliver Kukulka erzählt

Von Johanna Renate Wöhlke
Zehntausende von Büchern erscheinen jährlich auf dem deutschen Buchmarkt. Wahrscheinlich sind es noch mehr Schreiberinnen und Schreiber, die gerne in den Kreis dieser Schriftsteller gehören würden – entdeckt, veröffentlicht, im Blickpunkt von Medien und Lesern. Oliver Kukulka, Schriftsteller aus Überlingen am Bodensee, gehört in den Kreis dieser Erfolgreichen. Sein Roman „Max Sturm“ hat den Weg vom Manuskript in das Buch gefunden, produziert vom Acabus-Verlag in Hamburg. Über seine Erfahrungen bis dorthin hat er in dem folgenden Gespräch offen und kritisch berichtet. Es ist ein kleiner Erfahrungsbericht für alle, die noch auf dem Weg sind und sich Gedanken machen.

Kukulka ist ausgebildeter Verlagskaufmann, es folgten Jobs als Werbeassistent und Junior-Texter, danach ein Schauspielstudium. Er schreibt seit 2001 „SMS, Emails und Romane“, wie er schmunzelnd hinzufügt.
Oliver Kukulka
Wann im Entstehungsprozess des Romanes haben Sie angefangen, einen Verlag zu suchen?

Das war erst, als das Manuskript „fertig“ war, also irgendwann 2005. Aber es gab dann doch noch die eine oder andere Überarbeitungsphase. Wenn es einige Wochen oder Monate liegt und man dann mal wieder drüber liest, fällt einem dann doch gleich wieder was auf, was man anders machen würde. Wahrscheinlich ist es gut, wenn dem irgendwann -im besten Falle durch eine Veröffentlichung- ein Ende gesetzt wird, sonst würde das vermutlich nie aufhören.

Was waren dabei Ihre Kriterien?

Es sollte kein Zuschussverlag sein. Ich wollte von Anfang an, dass ein Verlag mein Buch veröffentlicht, weil er daran glaubt, es für gut und marktfähig hält und nicht, weil ich ihm was dafür bezahle. Das wäre für mich nicht in Frage gekommen. Auch nach fast drei Jahren Suche nicht.

Welchen Eindruck hatten Sie überhaupt von den Schwierigkeiten, als junger Autor einen Verlag zu finden?

Wenn man sich ganz frisch und naiv auf diese Reise begibt, dann will man ja erstmal nichts als einfach nur einen Verlag. Aber dann macht man die Erfahrung mit den Zuschussverlagen, von denen sich viele erstmal gar nicht als solche präsentieren und einem erst nach Wochen des Hoffnungen Schürens teils unglaubliche Rechnungen aufmachen. Wenn man Pech hat, trifft man auch auf den einen oder anderen Halunken unter den Literaturagenten. Auch hier gibt es ganz finstere Gestalten, die sich ihr Häuslein im Grünen auf dem Rücken etlicher begabter und vielleicht auch weniger begabter Autoren verdienten. Hier kann man nur immer wieder warnen und ermahnen, das Kleingedruckte zu lesen und sich -soweit möglich- per Internet etc. über die betreffenden Personen schlau zu machen. Hier erfährt man schnell, ob jemand einen guten Ruf hat oder einen gut Teil seiner Freizeit vor Gericht verbringt. Insofern, ja, es ist schwer, sehr schwer und ich würde auch jedem davon abraten. Und trotzdem bin ich froh, dass ich heute nicht mehr die Möglichkeit habe, die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, nicht zu treffen.

Welche Erwartungen wurden enttäuscht, welche erfüllt?

Um hier tatsächlich schon ein Resümee zu ziehen, wäre es sicher noch zu früh. Selbstverständlich wird die Realität manches Mal den Erwartungen nicht gerecht, dann wieder übertrifft sie diese haushoch. Da ist man plötzlich offiziell Schriftsteller und wird natürlich mit den unterschiedlichsten Reaktionen konfrontiert. Das Feedback von Lesern, die sich gut unterhalten fühlten, ist definitiv eines der angenehmsten Dinge, die einem als Autor unterkommen. Und wenn sich der Kreis so schließt, macht das auf jeden Fall auch die weniger angenehmen Dinge -und vor allem auch die Mühen- wieder wett. Unterm Strich sind beide Seiten wirklich gut und notwendig, einfach, weil es einen fordert. Man wird praktisch ständig dazu angehalten, das was man tut, zu hinterfragen und das kann einfach nicht schlecht sein.

Haben Sie sich Rat geholt?

Eher indirekt. Das Tolle ist ja, dass man auf seinem Weg immer wieder auf Menschen trifft, die einem -oft auch nur durch Kleinigkeiten- einen Schubser in die richtige Richtung geben. Der Weg ist das Ziel, so banal das auch klingen mag.

Tipps auf den Weg für andere, die man verraten könnte…?

Da ist erstens: Viel lesen. Hier geht es nicht darum, abzukupfern, sondern darum, ein Gefühl für Sprache, Diktion und Dramaturgie zu bekommen.

Zweitens: Die eigene Lebensgeschichte vergessen. Das eigene Leben mag hier und da echt spannend sein, aber lesen will das in der Regel keiner. Sicher, die meisten Autoren arbeiten manchmal mit Versatzstücken, ich auch, aber in dem Moment ist es schon nicht mehr autobiographisch. Und das sollte es auch nicht sein. Es sei denn, man schreibt an seiner Biographie und der muss ja in aller Regel ein halbwegs prominentes Leben zugrunde liegen, sonst will die nämlich auch keiner lesen.

Drittens: Die  Augen offen halten. Autoren müssen gute Beobachter sein, die Dinge in sich aufsaugen. Ein Notizbuch kann auch nicht schaden.

Viertens: Bei der Beurteilung von eigenen Texten sollte man nahestehende Personen eher meiden. Die sind aufgrund der emotionalen Verbindung schlechte Ratgeber. Auch dann übrigens, wenn Ihnen gefällt, was man geschrieben hat.

Fünftens: Vergiss alle Regeln. Gewiss, man sollte sie kennen. Sich schlau machen, informieren. Wie haben es die anderen gemacht? Welchen Weg sind die gegangen? Aber das sind nichts als Informationen. Fakten. Die eigene Erfahrung kann dann ganz anders laufen und doch zu einem ähnlichen Ergebnis gelangen.

Sechstens: Mach es oder lass es. Dazwischen gibt es nichts.

Wie sehen Sie heute den Literaturbetrieb nach Ihrer ersten Veröffentlichung an?

Um das richtig und professionell einschätzen zu können, fehlt mir einfach die objektive Sicht auf die Dinge. Als Autor ist man ja nur ein Rad im Getriebe. Zwar das, das alle anderen in Gang setzt, aber eben auch eines, das ohne die anderen nichts bewirken würde. Und dass dieses eine Rädchen in Gedanken manchmal vor sich hinmotzt, weil es gerne mehr Prozente hätte und findet, dass für Schriftsteller überhaupt alles noch viel toller sein könnte … nun, ich denke, das ist einigermaßen normal.

Würden Sie aus heutiger Sicht irgendetwas anders machen?

Nichts. Ehrlich.

Kennen Sie Erfahrungen anderer Autoren?

Sicher hört und liest man so dies und das. Entscheidend sind letztlich aber doch die eigenen Erfahrungen und die Entscheidungen, die man trifft.

Fühlen Sie sich  jetzt in Ihrem Verlag gut aufgehoben?

Der ACABUS Verlag hat ja quasi mich entdeckt, was natürlich ein Riesenglück war. Eine Mitarbeiterin fand zufällig eine Leseprobe meines Romans auf meiner Website und empfahl diese dem Verleger. Der war auch sehr angetan, wollte das ganze Manuskript lesen und vier Wochen später bot man mir einen Buchvertrag an. Nach drei Jahren Suche und diversen schlechten Erfahrungen konnte ich das erstmal gar nicht glauben, konnte meine Skepsis dann aber schnell zu den Akten legen. Die Zusammenarbeit war und ist ausgesprochen konstruktiv. Sehr angenehm ist zudem, dass der Verlag auch in der Lektoratsphase immer Wert darauf legte, dass mein persönlicher Stil erhalten bleibt und ich wurde auch zu keinen Änderungen genötigt, die mir selbst gegen den Strich gegangen wären. Außerdem wurde ich auch in die Titel- und Cover-Wahl mit einbezogen. Ich weiß, dass das nicht überall so ist.

Die Fortsetzung von „Max Sturm“ ist in Arbeit. Oliver Kukulka wird seinen Helden auch im zweiten Teil auf eine unterhaltsame Reise schicken. Schon im ersten Band ist die Geschichte der Hauptfigur gegen den Strich gebürstet. Kukulka: „Max Sturm ist Autor, Ende Dreißig und kann mit gleichaltrigen Frauen nichts anfangen. Nein, die Ende Fünfzigjährige mit Gewichtsproblemen ist da schon eher sein Ding.“ Hinzu kommen zwei Freunde, ein unvorgesehenes Erbe und eine Entführung. „Gute Unterhaltung für Erwachsene eben“, fügt der Autor lächelnd hinzu.

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