Hauptsache gesund

Brustzentren: Hohe Qualität sichert Überleben von Frauen

Von Renato Diekmann
Von 50.000 an Brustkrebs erkrankten Frauen in Deutschland, sterben noch immer  19.000. Diese hohe Rate ließe sich durch gezielte Früherkennung, qualifizierte Diagnostik und Therapie eines interdisziplinären Behandlungsteam deutlich senken. Brustzentren sind am besten geeignet, die modernste Form der Behandlung sicher zu stellen Dabei ist nicht die Größe der Einrichtung entscheidend, sondern die Spezialisierung auf das Krankheitsbild Brustkrebs.
Obwohl in Deutschland schon 100 Kliniken zertifizierte Brustzentren führen, operieren derzeit 1900 deutsche Kliniken an Brustkrebs erkrankte Frauen ohne den strengen Qualitätskriterien.Guide Brustkrebs
„Nicht überall, wo Brustzentrum drauf steht, ist auch Brustzentrum drin!“, warnt Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Senologie.
Um den Patientinnen den Weg zu einer guten Klinik zu weisen, gibt es Qualitätskriterien, nach denen sich Kliniken als anerkannte Brustzentren zertifizieren lassen können. Die Zertifizierungsrichtlinien werden ständig überarbeitet, ergänzt und letztlich den europäischen Vorgaben angeglichen. Jedes Brustzentrum, das zertifiziert bzw. rezertifiziert wurde, führt mindestens 50 Operationen pro Jahr und Operateur durch, weist mindestens 150 operierte Brustkrebs-Tumoren jährlich nach, wovon mindestens 50% Brust erhaltend durchgeführt worden sind, erbringt den Aufbau und den Nachweis eines umfangreichen Qualitätsmanagementsystems für ein zertifiziertes Brustzentrum auf der Grundlage internationaler technischer Standards, verfügt über modernste und innovative Diagnostik- und Therapieverfahren, pflegt die Zusammenarbeit und Kooperation mit Selbsthilfegruppen, nimmt an evidenzbasierten Studien teil, garantiert Fort- und Weiterbildung des ärztlichen und pflegenden Personals, betreibt aktive Vor- und Nachsorge.
Das Brustzentrum Tübingen hat in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle in der Diagnose und Therapie von Frauen mit Brustkrebs übernommen und ist die erste Klinik in Deutschland, die zertifiziert und rezertifiziert wurde. Dabei setzt Wallwieners Team mit den Diagnose- und Therapieverfahren auf Brust erhaltende Maßnahmen. Im Mittelpunkt steht dort nicht nur die lokale Behandlung des Krebses, sondern die Heilung des gesamten Körpers. Ein entscheidender Baustein für den Erfolg ist die fachübergreifende Zusammenarbeit sämtlicher Disziplinen. So besprechen die Tübinger Ärzte jeden Fall interdisziplinär: Gynäkologen, Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Pathologen diskutieren in regelmäßigen Fallkonferenzen die optimale Behandlung jeder einzelnen Patientin. Die räumliche Nähe der verschiedenen Disziplinen und das Gesamtangebot an Diagnose- und Therapieverfahren erleichtern außerdem den Behandlungsdurchlauf für die Frauen: Statt mehrere Einrichtungen für die verschiedenen Behandlungsschritte aufzusuchen, findet die Patientin alle Experten und notwendigen Verfahren unter einem Dach. Das wird von den behandelten Frauen geschätzt: Mehr als 90 Prozent sind mit der Behandlung sehr zufrieden.
Das Tübinger Brustzentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, auch andere Einrichtungen beim Aufbau eines Brustzentrums zu unterstützen. Ziel ist es, flächendeckend die Versorgung von Frauen mit Brustkrebs in „zertifizierten Brustzentren“ sicher zu stellen. Mit eigens ausgebildeten Fachexperten treibt Tübingen die Zertifizierung anderer Brustzentren voran. Die Liste und Adressen aller zertifizierten Brustzentren in Deutschland finden sich unter: www.senologie.org
Zu klein für diese Welt?

Wachstumshormonmangel im Kindesalter ist eine seltene Erkrankung. Bei rund 700.000 Geburten pro Jahr sind etwa 3% der Kinder als kleinwüchsig einzustufen. Um einen Kleinwuchs frühzeitig zu erkennen, sollten Eltern bzw. Erziehungsberechtigte mit ihrem anvertrauten Kind regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wahrnehmen, um durch das Messen von Größe und Gewicht den Wachstumsfortschritt regelmäßig zu überprüfen. Eine Wachstumsstörung kann unterschiedliche Ursachen haben. Es kann sich um eine konstitutionelle Verzögerung von Wachstum und Pubertät handeln, aber auch ein Hinweis auf eine erste Krankheit sein. In jedem Fall muss eine Verzögerung des Wachstums rechtzeitig diagnostiziert und die Ursache festgestellt werden. Inzwischen kann man davon ausgehen, dass nur ein kleiner Teil dieser Mädchen bei Injektion vonWachstumshormonPatienten erkannt und diagnostiziert wird. Kinderendokrinologen erleben es häufig, dass betroffene Kinder erst kurz vor dem Beginn der Pubertät dem Facharzt vorgestellt werden. Dann ist es in vielen Fällen für eine Erfolg versprechende Therapie zu spät.
Gemäß den Experten werden in Deutschland 8.000 Kinder in den zugelassenen Indikationen mit Wachstumshormonen behandelt. Die Erfahrungen zeigen, dass viele Kleinwuchsformen auf eine Therapie mit Wachstumshormon gut ansprechen. Idealerweise sollte eine Wachstumsstörung vor Schuleintritt von dem behandelnden Pädiater bzw. Hausarzt diagnostiziert und gegebenenfalls durch einen Spezialisten (Endokrinologen) behandelt werden. Mit der Pubertät schließen sich die knorpeligen Wachstumsfugen zwischen den Knochen allmählich durch Verknöcherung und ein Aufholwachstum bis zur altersgerechten Größe ist dann nicht mehr möglich. Die rechtzeitige Diagnose einer Wachstumsstörung eröffnet den betroffenen Kindern die Chance, eine in der Familie zu erwartende Körperhöhe (das ist die genetisch vorgegebene Zielgröße) zu erreichen. Ein Online Angebot informiert Eltern und Betroffene umfassend über Wachstumsstörungen, vor allem über den Wachstumshormonmangel bedingten Kleinwuchs – siehe www.forumwachsen.de

Osteoporose: Massive Defizite bei der Versorgung

In Deutschland leiden fast 8 Millionen Menschen an Knochenschwund. Nach einer aktuellen Studie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) wird die Krankheit viel zu spät erkannt und häufig falsch behandelt. Betroffen sind vor allem Frauen ab 50 Jahren, es trifft aber auch Männer. Die Unterversorgung belastet Patientinnen und Patienten und kostet die Kassen Milliarden. Kostentreiber sind vor allem die Frakturen, denn Osteoporose erhöht das Risiko für Knochenbrüche, die besonders teuer zu Buche schlagen. Die durchschnittlichen Aufwendungen pro Patient mit Osteoporose lagen ohne Knochenbruch bei 281 Euro jährlich, die Aufwendungen für Patienten mit Knochenbruch bei durchschnittlich 9.962 Euro. Frau mit Osteoporose
Die Studie basiert auf Daten der Gmünder Ersatzkasse (GEK), die mehr als 1,5 Millionen Menschen gesetzlich versichert. Auch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung und der Medizinische Dienst der Krankenversicherung steuerten Informationen bei. Einbezogen wurden alle Versicherten der GEK, die zum Zeitpunkt der Untersuchung mindestens 50 Jahre alt waren und bei denen bereits ein Knochenschwund oder eine Fraktur als Folgeerscheinung diagnostiziert wurde.
Als besorgniserregend bezeichnete Professor Dr. Gerd Glaeske, Projektleiter und Herausgeber des GEK-Arzneimittel-Reports, die Therapiesituation. Statt dem gezielten Einsatz von Kalzium, Vitamin D3 und geeigneten Medikamenten, erhalten erkrankte Patienten lediglich Schmerzmittel (Analgetika). Gerade mal 9,5 Prozent der Patienten bekam ein adäquates Arzneimittel (Bisphosphonat) verordnet, obwohl die konsequente Arzneimitteltherapie mit Calcium, Vitamin D3 und Bisphosphonaten bei betroffenen Patientinnen als Goldstandard gilt. Sparen mit Arzneimitteln und nicht an Arzneimitteln ist daher die Empfehlung bei der Behandlung der Osteoporose. Aufgrund der bestehenden Untervorsorgung gibt es nun Leitlinien für die Osteoporose-Behandlung, an denen sich Ärzte und betroffene Patienten künftig orientieren können – siehe http://www.aerztekammer-bw.de/25/15medizin04/B04/1.pdf
Knochenschwund ist eine Volkskrankheit wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Häufigkeit der Osteoporose nimmt mit dem Alter auch immer mehr zu und steigt jenseits des 75. Lebensjahres auf 59 Prozent, bestätigt Frau Professor Semler vom Immanuel-Krankenhaus am Wannsee in Berlin. Aufgrund des demographischen Entwicklung wird die Zahl der Betroffenen künftig weiter steigen. Deshalb müssen Ärzte und Patienten mehr informiert, Frauenärzte und Orthopäden besser aus- und fortgebildet werden, um Osteoporose früh erkennen und gezielt behandeln zu können.

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