Auf’s Ei gekommen: Cosia- Johanna, eine Frau mit Ideen

COSIA-JOHANNA

Von Uta Buhr; Fotos: Michael Müller
Cosia ImmerscheenDie Welt ist um eine Kunstform reicher: Die Egg Art von Johanna Renate Wöhlke, alias Cosia Immerscheen,  feiert inzwischen  fröhliche Urständ!  Pop Art kennen wir, seit Andy Warhol uns mit der Verfremdung von Gegenständen aus der Konsumwelt die Sichtweise auf eine neue Ästhetik eröffnete. Und was   Op Art, kurz für Optical Art, bedeutet, weiß heute jedes Kind. Doch der Kreativität sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Getreu dem Warholschen Diktum „All is pretty“,  hat Cosia Immerscheen unser Frühstücks-Spiegelei jüngst  auf den Olymp der modernen Kunst gehoben. „Ei, ei, was ist denn das?“ Diese Frage wird sich mancher Besucher stellen, der das Weinoutlet, die  Weinhandlung in dem alten Fabrikgebäude in der Stresemannstraße 375, betritt. An den karmesinroten Wänden in luftiger Höhe über den mit  Wein-, Sekt- und Champagnerflaschen beladenen Regalen prangen Bilder in explodierendem Rot, sonnigem Gelb, tiefem Meerblau und zerfließendem Lila. Ein echter Blickfang, der die Kunden leicht vom eigentlichen Zweck ihres Besuches abhalten könnte, sich mit Riesling, Bordeaux und Crémant einzudecken. Die Schöpferin dieser Werke würde sicherlich das englische Wort „eye catcher“ bevorzugen, denn zur Zeit dreht sich  alles um die von ihr inspirierte Kunst am Ei.Der Nasenkratzer hat noch eine unrasierte Stelle am Kinn „Egg Art aus der Bratpfanne des Lebens“, nennt die in die Rolle der Cosia Immerschön geschlüpfte Autorin und Fotografin ihr Opus und schöpft aus dem Vollen der „nicht zu verstehenden Schönheit und Vielfalt“, die sich ihr beim Braten von Eiern offenbarte. Ein Rundgang durch die Galerie macht uns mit den bizarrsten Formen des Phänomens Ei vertraut. Da ist der „Grüne Katzenkopf“ mit dem rubinroten kreisrunden Auge, die „Beluga-Maus“ die ein dünnes Schwänzchen hinter sich herschleift, sowie „Der Neandertaler als Punk“ mit der für den Urmenschen so typischen fliehenden Stirn und klobigen Nase. Bei der „Schildkröte schwimmend und rosa im tiefblauen Ozean von unten gesehen legt gerade ein Ei“ fühlen wir uns in die lauen Fluten des Pazifik versetzt. Und selbst wer nicht weiß, was „Universe in throes“ auf Deutsch heißt, wird auf den ersten Blick erkennen, dass sich hier unser Universum in  Geburtswehen windet. Wunderbar! Alle Objekte strahlen einen Optimismus, eine überschäumende, nahezu barocke Lebensfreude aus, die ein Lächeln auf die Gesichter der Betrachter zaubert. Sie wurden von der Künstlerin am Computer  digital bearbeitet und später auf Leinwand gezogen. Wie sie das „so hingekriegt“ hat, bleibt ihr süßes Geheimnis. Dennoch, trotz aller Raffinesse bleiben die beiden  Spiegeleier „nature“ mit ihrem bizarr ausgelaufenen Eiweiß die Glanzlichter der Egg Gallery. Auf schwarzem Hintergrund scheinen die Objekte miteinander zu flirten. Da liegt Erotik  in der Luft, und der leicht frivole Titel „Müssen wir noch lange reden?“ rundet das Bild süffisant ab.
Die Beluga  MausDer rote Wolf
Johanna Renate Wöhlke freut sich sichtlich über den Erfolg ihrer Ausstellung im Weinoutlet. Passend schien ihr der Ort, an welchem sie und ihr Mann sich regelmäßig mit flüssigen Köstlichkeiten eindecken, schon deshalb, weil Wein den unvermeidlichen Diphthong „ei“ enthält, der ihr inzwischen fast zur  Obsession geraten ist. Und dass gleich zwei Galerien –  eine in Villach, in Miami die andere – ihre Objekte ausstellen, erfüllt sie mit Stolz und Freude. Auf die Frage, wie sie eigentlich  auf’s Ei gekommen ist wie andere Leute auf den berühmten Hund, antwortet sie, ihr falle bei jeder Tätigkeit, gleichgültig wie banal, immer irgendetwas ein. Beim „langweiligen“ Braten von Spiegeleiern entdeckte sie neue  Formen und Farben und betrat in ihrer Fantasie ein ihr völlig unbekanntes Universum der Kunst.
Je suis un officier blank, Madame!Der knallrote Ameisenbär
An Ideen hat es der Frau mit dem rotbraunen Lockenschopf und dem Schalk im Auge noch nie gefehlt. Dafür sprechen ihre zahlreichen Veröffentlichen zwischen zwei Buchdeckeln und auf  inzwischen mehreren CDs. Geboren in Leipzig, floh sie Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit ihren Eltern nach Schleswig-Holstein. Nach dem Abitur und dem Studium der Politischen Wissenschaften und des Völkerrechts absolvierte sie zunächst ein Volontariat beim „Pinneberger Tageblatt.“ Die Erziehung ihrer beiden Kinder kombinierte sie geschickt mit freier journalistischer Arbeit in Hamburg. Als Autorin machte sie sich mit Gedichten, Anthologien und modernen Kirchenliedern bereits 1992 einen Namen. Ihr erster Gedichtband „Federpferde“ erschien 1996. Seither hat die Autorin unermüdlich weiter publiziert. Ihr Spezialgebiet sind witzig-nachdenkliche und skurrile Texte. Darauf weisen auch schon Titel wie „Im Himmel gebadetes Obst“ oder „Der Mensch im Gemüsefach der Geschichte“ hin. Kostprobe gefällig?

„Die ‚Anti-Matsch-Tomate’ bedeutet für die Tomate: Sie hält sich dank eines Gens länger frisch, ohne schrumpelig oder faltig zu werden (sic)… Ein vergleichbarer ‚Haltbarkeitserfolg’ beim Menschen müsste demzufolge bedeuten, dass er viel, viel langsamer faltig wird und im ‚Gemüsefach der Geschichte’ optisch besser zur Geltung käme.“ Ja, und dann sind da noch die vielen Glossen – Alltagsminiaturen – die Johanna Renate Wöhlke wöchentlich veröffentlicht. Für eine Sammlung von 500 dieser Preziosen wurde sie Anfang 2005 vom Frauenmagazin „FÜR SIE“ ausgezeichnet. Und wie wir hören, kommt demnächst ein neues Buch auf den Markt, an dem die Autorin mitgearbeitet hat. Es heißt „Philemon und Baucis – Baum-Menschen.“  Wir werden es zu gegebener Zeit an dieser Stelle vorstellen und wünschen schon jetzt viel Erfolg.

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