In der Welt unterwegs, in Hamburg Zuhause

Die Designerin Sybs Bauer

Von Johanna Renate Wöhlke

Sybs Bauer und ihr TeeserviceFür ihr Teeservice „Qing“ hat sie 2006 in Barcelona den International Design Award bekommen – nur einer von vielen Preisen und Auszeichnungen, die Sybs Bauer mit ihren Arbeiten als Designerin erhalten hat. Es ist auf einem großen Tisch in ihren Atelierräumen in Hamburg nicht zu übersehen. Dort sitzt sie mir gegenüber, einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt, eine zierliche Frau am selbst entworfenen weißen großen Schreibtisch, wie könnte es anders sein. Viel Platz zwischen uns, auch Platz für aufgestützte Ellenbogen, Notizblock, Kamera und Wasserglas.

Sie hat ein offenes Gesicht und freundlich strahlende Augen, ist charmant „out of bed“ in verschiedenen Blondtönen frisiert, sehr präsent und beim Reden und Erzählen durchaus nicht minimalistisch beschränkend sondern offen und gerne berichtend und kommentierend.
Sybs Bauer
„Es sind Charakter und Authentizität, die uns begeistern“, habe ich auf ihrer website gelesen. Da darf man auf die Künstlerin gespannt sein. Der Fachjournalist Ralf Dzioblowski lobt die Designerin mit den Worten: „Sie ist nicht nur Minimalistin, sie ist Optimalistin in Technik und Form und dazu noch bedingungslose Optimistin!“ Das mit der Optimistin ist klar, gleich im ersten Augenblick, gefühlt und nicht mit den Kopf wahrgenommen, aber doch gespiegelt in der Realität: Der Markt ist hart und wer mit seiner Kunst Geld verdienen will, darf seine Kreativität nicht schleifen lassen. Auch darüber redet sie. Das macht neugierig.
Der Notenständer aus dem Atelier Sybs Bauer
Aufgewachsen ist Sybs Bauer in Stuttgart. Der Vater war als Karosseriebauer maßgeblich für den Porsche 911 verantwortlich und an ihm hat sie sich orientiert. Da wurde viel miteinander geredet und diskutiert, Produktdesign also schon quasi in der Kinderstube erörtert. „Ich hab gesessen und gezeichnet und gezeichnet, alles Mögliche und Unmögliche“, erinnert sie sich. Studium und Ausbildung in Produktdesign ergaben sich so wie von selbst, den Abschluss zur Diplom Designerin machte sie an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart und einen MA am renommierten Royal College of Art im Anschluss, und das gleich mit zwei Stipendien.

Später dann „nach Venezuela der Liebe wegen“ bedeutete nicht, den Beruf brachliegen zu lassen. Sie arbeitet für die Deutsche Botschaft, unterrichtet an einer privaten Universität und dem Goethe-Institut, schreibt für Zeitungen. Das Alexander von Humboldt Denkmal in Cumaná wird von ihr entworfen, gebaut und ebenfalls die Organisation des gesamten Projektes bis zum Aufstellen des Denkmals liegen in ihren Händen.

Dann kehrt sie im Jahr 2000 zurück, nicht nach Stuttgart sondern nach Hamburg. Es ist auch privat ein Neuanfang. Sie schöpft mit ihren Tätigkeiten die Möglichkeiten ihres Könnens aus: Produktdesign, workshops, Gastprofessuren,  Graphik. Zurzeit hat sie gerade das Konzept für eine Bücherserie entwickelt. Alles ist fertig, jetzt gilt es, einen Verlag dafür zu gewinnen.

Ihre Philosophie ist klar: Ästhetik pur, zurückhaltend harmonisch, alles muss Sinn machen, darf nicht laut sein, nicht aufdringlich. Sie verbindet im Material gerne „Zwitterwesen“ wie zum Beispiel Holz und Porzellan. Das schafft Spannung, so sagt sie und sei auch in der Funktion hilfreich. Sinn und Sinnmachendes zu schaffen, das könnte vielleicht auch eine Möglichkeit sein, die Arbeiten von Sybs Bauer zu erfühlen. Denn viel Gefühl ist dabei, gespiegelt in einer ästhetischen Grundhaltung, in der die Optimistin der Optimalistin die Hand reicht und dabei immer versucht, aus Wenig Viel zu schaffen.

Alles über Sybs Bauer unter www.designkunst.com

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