Anständige Geschenke?

Von Johanna Renate Wöhlke

Früher da haben sich die Menschen noch anständige Geschenke gemacht. Gut, es kam auch schon einmal vor, dass beim Julklapp eine Baumwollunterhose im Paket war. Aber das war dann nur ein Ausrutscher einer stillosen Person. Ansonsten konnte man sich über Geschenke nie beklagen. Wie schön war es doch für den Opa immer wieder, wenn er zum Geburtstag Socken, Oberhemd und Strümpfe bekam. Diese jährliche Überraschung, wie kam sie doch immer wieder gut an. Er revanchierte sich dann mit einem neuen Staubsauger, und die Welt war in Ordnung. Keine seelischen Ungleichgewichte durch Geschenke. Aber heute! Da ist man sich doch bei Feierlichkeiten nie sicher, ob man die Geschenke wirklich mit Freude auspacken soll! Es könnte zum Beispiel ein Stripteasetänzer aus der Torte hüpfen und seine Hüften schwingen. Neuerdings werden von jungen Leuten gerne und oft Gipsabdrücke von eigenen Körperteilen verschenkt – welch eine Verrohung der Kultur! Hinterteile und Busen im Geschenkkarton, und was noch so alles einzugipsen wäre. Mit Gips kann man das machen, aber mit uns anständigen Sockenschenkern natürlich nie und nimmer!

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