Otto wird 60

Lokaltermin mit dem Blödelbarden der Nation

Von Uta Buhr

Otto-ADies vorweg: Wer Otto nicht mag, hat keinen Geschmack! Auch mit nahezu 60 – am 22. Juli feiert er Geburtstag – strahlt er einen unwiderstehlichen Charme aus. Ein paar Falten um die Augen – Lachfältchen eben – das Blondhaar etwas schütterer. Ja, und ein wenig fülliger scheint der einstige „Strich in der Landschaft“ auch geworden zu sein. Doch sonst ist er ganz der Alte, der sich stets mit seinem vollen Namen Otto Waalkes vorstellt, aber jeden gleich ermutigt, ihn schlicht beim Vornamen zu nennen. „Otto wird sechzig. Glaub’ ja nicht, das rächt sich. Glaub’ lieber, das gibt sich. Dann wird er noch siebzig“, tönt er uns entgegen, als wir sein Büro im feinen Hamburger Stadtteil Uhlenhorst betreten. Und dann setzt er gleich noch eins drauf: „Sechzig Jahre und kein bisschen heiser, hahaha!“ So entspannt wie er da sitzt, einen Becher Tee vor sich, das berühmte schräge ottonische Grinsen auf den Lippen, wird er auch noch mit achtzig und gar neunzig die Nation mit seinen Späßen erheitern. „Jetzt geht doch die Party erst richtig los“, freut er sich. „Sehen Sie nur, wie erfolgreich Udo Jürgens, die Stones, Udo Lindenberg, Loriot sind…“ Dinos wie er. „Tja, und was mich betrifft: Humor hat nun mal kein Verfallsdatum.“ Der wurde ihm bereits in die Wiege gelegt, die im ostfriesischen Emden stand. Otto-BGenauer gesagt im Stadtteil Transvaal, wo sein Vater, ein sehr lustiger Mann, als Malermeister sein Geld verdiente. Jeden Abend las er der Familie aus der Lokalzeitung die Glosse in friesischer Sprache vor, schwärmt Otto, und beginnt gleich zungenbrecherisch in diesem Idiom zu schnacken, daß uns Hören und Sehen vergeht. Viel Zeit hat Otto nicht. Das nächste Team wartet schon im ersten Stock. Dennoch beantwortet er geduldig alle Fragen nach seiner bahnbrechenden Karriere, die er bereits im zarten Alter von elf Jahren begann. Seinerzeit gewann er den Gesangswettbewerb im Kaufhaus Hertie in Emden mit dem Babysitter-Boogy. „Ich bin der Babysitter von der ganzen Stadt…“,  trällert Otto. „Damals erhielt ich einen Warengutschein über 30 Mark und ein Buch.“ Die Erinnerung an lang vergangene Jugendtage scheint ihn etwas wehmütig zu stimmen. Doch als er von seiner ersten Gitarre spricht, mit der er bald ganz groß herauskam, strahlt er wieder über das ganze Gesicht. 1964 – da war er ein Pennäler von gerade einmal sechzehn Jahren – gab das spätere Urbild aller Ostfriesen mit der von ihm gegründeten Band „The Rustlers“ sein erstes großes Konzert in Hamburg. Und nach dem Abitur und einem Studium an der „Hochschule für bildende Künste“ in Hamburg ging die Post so richtig ab. Mit der „Otto Show“ 1973 im Fernsehen, die Einschaltquoten bis zu 15% erzielte, war Otto, der Blödelbarde, bald in aller Munde. Es folgten LPs, Otto-CSchallplatten aus Gold und Platin, Bambis und Preise über Preise. Eben das volle Programm, wie Otto seine Erfolgsserie bescheiden kommentiert. Selbst die Hamburger Staatsoper kam an ihm nicht vorbei. Dort brillierte er als Frosch in der „Fledermaus“ von Johann Strauß. „Selten so gelacht“, erinnert sich noch heute mancher inzwischen in Ehren ergraute Abonnent des Musentempels. „Der Bursche hat was Geniales“, bemerkte ein sehr kluger Zeitgenosse. Ottos Popularität ist noch immer ungebrochen. Sicherlich liegt das an seiner  jugendlichen Spontaneität und Frische, seinem Witz, der häufig frivol, aber nie ordinär ist. Ganz anders, als wir es heute von manch selbsternanntem „Komiker“ gewohnt sind.

Erst im Mai dieses Jahres beendete Otto eine Tournee kreuz und quer durch Deutschland, die im Oktober 2007 begann und wegen des großen Andrangs um einige Monate verlängert werden mußte. Jetzt freut er sich riesig, seinen Geburtstag zu Hause begehen zu können. „Nein, keine große Feier“, wehrt er ab. „Dieser Tag ist ganz allein meiner Frau und mir vorbehalten.“ Wenn er von seiner besseren Hälfte, der attraktiven Schauspielerin Eva Hassmann spricht, leuchten seine blauen Augen auf. „Sie wird von Tag zu Tag schöner“, haucht er glücklich.

Eigentlich hätten wir Otto gern in seinem Emder Otto-Huus getroffen, das der Besitzer sich sozusagen auf den Leib geschneidert hat. Hier sind u. a. Ottos erste Bartstoppeln, ein rührendes Otto-DFoto aus Konfirmandentagen sowie sein erstes Kaugummi zu bewundern. Letzteres ruht wie ein graues Fossil in einer Vitrine und erinnert fatal an seinen berühmten Ottifanten. Aus allen Ecken tönt seine Stimme. Otto als Pfarrer, der eine  salbungsvolle Predigt an seine Gemeinde hält, gefällt den Besuchern am besten. „Meine Witze über die Kirche haben meiner Mutter gar nicht gefallen!“ Otto lächelt leicht zerknirscht. „Da kannte meine liebevolle, aber sehr fromme Frau Mama kein Pardon.“ Im Otto-Huus, verspricht er, empfängt er uns mal, wenn er mehr Zeit hat. Darauf können wir uns heute schon freuen. Denn Ottos persönliche Auftritte in der Großen Straße 1 zu Emden sind echte Straßenfeger. Wenn der Hausherr in seinem Fanshop höchstselbst bedient, bleibt kein Auge trocken. Heute posiert Otto für uns gut gelaunt einige Minuten vor dem übermannshohen Plakat seines neuesten filmischen Opus „7 Zwerge“ im hanseatischen Büro.  Die Zeit drängt, und einer seiner Mitarbeiter schaut schon ungeduldig auf die Uhr. Eine Frage haben wir noch: Was hat Otto sich für die Zukunft vorgenommen? Gibt es noch irgend etwas, das er unbedingt noch machen will. Da blitzt es auf in seinen Augen: „Ich möchte gar zu gern einmal den Kommissar in einem Krimi verkörpern“, sagt er. „Aber wer glaubt mir denn schon, dass ich auch ernst sein kann.“ Otto wirkt  eine Sekunde leicht bekümmert. Als Geheimdienstler, findet er schließlich, würde er doch auch überzeugend wirken. Einen Titel für einen solchen Film hat er  schon: „James Blond im Auftrag seiner Kanzlerin. Du lachst nur einmal.“ Bevor unser Gastgeber  behende die Treppe in den ersten Stock seines Hauses hinaufhüpft, lädt er uns noch zu einer Tasse Tee ein. „Ostfriesische Gemütlichkeit hält stets ein Täßchen Tee bereit“, deklamiert er,  verabschiedet sich mit einem Küßchen und entschwindet. So ist er, un’s Otto. Herzlichen Glückwunsch zum 60. und bring’ uns noch viele Jahre zum Lachen.
www.ottifant.de

Fotos: Michael Müller

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