Das bewegte Leben des Ex-Kommunarden Rainer Langhans hat einige Goslar-Bezüge

Von Volker Holzke
LanghansEs ist schon erstaunlich, wie viel den Ex-Kommunarden Rainer Langhans, der sich übermorgen auf Einladung der GZ in Goslar und im Hochharz im Rahmen der 68er-Serie zu seinem bewegten Leben befragen lässt, mit Goslar verbindet. Oder, besser ausgedrückt, was er mit Goslar verbindet. Erstmals im März auf der Leipziger Buchmesse bei der Vorstellung seiner Biographie „Ich bin´s – die ersten 68 Jahre“ befragt, schiebt er seitdem ein Bruchstück nach dem anderen zu seinen Verbindungen in die Kaiserstadt nach.
„Also, erst einmal wohnt meine jüngere Halbschwester Eva noch in Goslar. Wir telefonieren ab und an miteinander“, lautet der aktuelle Bezug, den Langhans herstellt. Er scheint eine beneidenswerte Ausgeglichenheit verinnerlicht zu haben. Da macht es Laune, ihn zu Dingen zu befragen, zu denen er – einer der Hauptakteure der Studentenrevolte und deshalb jetzt im Jubiläumsjahr sehr häufig in Rundfunk und Fernsehen präsent – wohl bisher auch noch nie gefragt worden ist. Jedenfalls lässt er während der Gespräche eine gewisse Freude über diese Einladung nach Goslar spüren.
„Anfang der 60er Jahre machte mein Vater Hartwig Langhans ein BMW- und Fiat-Autohaus in Goslar auf“, erinnert sich der gerade am 19. Juni 68 Jahre alt gewordene 68er. Das muss zum Ende seiner Bundeswehrzeit gewesen sein, denn während des 1962 an der Freien Universität Berlin begonnenen Psychologiestudiums sei er regelmäßig in den Semesterferien zum Jobben im väterlichen Betrieb in Goslar gewesen. Zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Lutz, der damals Physik studierte, heute noch als promovierter Physiker in Bayern arbeitet und in Starnberg wohnt. Den Beginn der Semesterferien verbrachte Rainer zunächst bei seiner Mutter, die in Remscheid geblieben war. „Die Ehe meiner Eltern war am Ende“, kommt es aus dem manchmal als „Politclown“ titulierten und nicht von allen ernst genommenen Ex-Klassenkämpfer analytisch heraus. Sein Vater heiratete später noch einmal, und zwar in Goslar, erklärt er den Bezug zu Halbschwester Eva.
Ihn und seinen Bruder habe der Vater öfter beauftragt, bestellte BMW im Werk abzuholen. „Das war schon ein tolles Gefühl. Im Zug nach München und dann im nagelneuen, schicken BMW zurück nach Goslar!“, erinnert sich Langhans. Die Autos faszinierten ihn zu der Zeit so sehr, dass er sich sogar als Autoverkäufer im Betrieb seines Vaters versuchte. „Das machte mir solchen Spaß, dass ich sogar kurzzeitig überlegte, mein Studium abzubrechen und in die Firma meines Vaters in Goslar einzusteigen!“ Die Überlegung war aber wirklich nur kurzzeitig, wie wir wissen, hatte Langhans wenige Jahre später nicht mehr sehr viel mit Establishment und Materialismus am Hut.
Ein andere Erinnerung mit leicht differierender Sicht hat der Goslarer Jürgen Ostermann, damals als Autorennfahrer bekannt. Ostermann war als Geselle bei Langhans senior, der 1963 das Autohaus der Firma Wolfram an der Astfelder Straße übernommen hatte – dort, wo heute Aldi residiert. Er erinnert sich an die Besuche von Rainer und die etwas abgehobene Art, sich im Betrieb zu bewegen. So habe der geziert gefragt, ob er vielleicht dieses Teil von hier nach dort rücken könne . . . Raubauzige Antwort des Meisters: „Ist mir scheißegal, Hauptsache, du kommst überhaupt in die Gänge.“
Aus nachvollziehbaren Gründen, etwa „Unabkömmlichkeiten“ wegen Anklagen und politischen Arresten, ließen Langhans‘ Besuche beim Vater vom Beginn der Studentenunruhen 1967/68 an nach. Dr. Ing. Hartwig Langhans ging 1969/70 mit dem Autohaus pleite und zeigte fortan als Stadtführer vielen Gästen die Kaiserstadt. „Bei einem Besuch bin ich einmal mitgegangen und auch in der beeindruckenden Kaiserpfalz gewesen“, berichtet Sohn Rainer.
1974, während der Dreharbeiten zu Rainer Werner Fassbinders Film „Effi Briest“, bei denen Langhans als Regieassistent arbeitete, schloss Rainer enge Freundschaft mit den Schauspielerinnen Irm Hermann und Hanna Schygulla. „Wir haben nächtelang geredet“, blickt er zurück und gibt überraschend kund, dass er während der Dreharbeiten in Norddeutschland auch einmal zusammen mit Hanna Schygulla in Goslar war. Schöne Frauen – wie zuvor Freundin Uschi Obermaier – waren offenbar ein Faible des Rainer Langhans.
In den Achtzigern wohnte Langhans senior mit seiner zweiten Frau und seiner Tochter am Trebnitzer Platz in Jürgenohl, im selben Haus wie GZ-Redaktionssekretärin Roswitha Oltmanns. Sie erinnert sich, dass der Vater ein ruhiger Mensch war. Von seinem populären Sohn habe er nie geredet. Einmal habe sie ihn gefragt, ob er immer noch arbeite. Antwort: „Das muss ich, weil die Rente so klein ist.“
Am Freitag kommt der Sohn, Rainer Langhans, erstmals nach 23 Jahren wieder in den Harz. Zuletzt war er 1985 hier. Sein Vater war an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben und Rainer kam mit seinen Geschwistern zusammen, um ihn in Goslar zu beerdigen.

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