„Proms Concert“ und „British Day“ in Hamburg

Eine britisch-hanseatische Freundschafts- und Erfolgsgeschichte

Von Johanna Renate Wöhlke

Was ist das „British Day Open Air Proms Concert“ in Hamburg? Ein Stück britischer Kultur in Hamburg, ein Benefizkonzert und Freundschaftsfest, charmant und voller Atmosphäre – mit nicht weniger als solchen Attributen ist diese besondere Konzertnacht unter dem sommerlichen Himmel auf dem Gelände des Hamburger Polo Club in Klein Flottbek zu beschreiben.

Sie erfreut seit 1996 immer mehr Besucher, ist noch immer ein Geheimtipp für Romantiker mit einem Hang zu britischer Picknick-Kultur und Verehrern des „Last Night Of The Proms Concert“ in der Albert Hall in London, dem dortigen Abschlusskonzert der Konzertsaison. Das ist nicht nur ein Konzert. Es ist ein Konzertereignis, an dem der kontinentale Beobachter leicht feststellen kann, dass „very british“ offensichtlich auch variantenreich und sehr gefühlsbetont gelebt wird, mit enthusiastischem Publikum, Fahnen, Kostümen, frechen Hüten, Schunkeln, Singen und viel Humor.

 Bert und Anny Lehnen

n diesem Jahr können die Hamburger ihre hanseatisch-britische „Last Night“ am 30. August feiern: wie immer mit Picknickkörben, warmen Decken, ihren Hunden, Kind und Kegel. Auch die aufgeklappten Tapeziertische mit weißen Damastdecken werden nicht fehlen, dazu die Campingstühle, alles herangefahren mit kleinen Bollerwagen. Einige werden – weil man ja nie wissen kann – ihre Sonnenschirme mitbringen und als Regenschirme bereithalten.

Wasser, Wein, Sekt, Champagner und Bier werden fließen, aus Plastikbechern und Gläsern. Aus Plastikschalen, echten Picknickkörben, auch von Porzellantellern werden Käsewürfel, Baguette, Hackbällchen, kleine Schnitzel, Salate und Obst verzehrt werden. Die Zuhörer werden auf dem Rasen sitzen, liegen oder sich Stühle mitbringen.

Auch Promis aus dem Rheinland gefällt es beim Konzert, hier Bert Lehnen, Geschäftsführer der „World Of Perfumes“ Mäurer+Wirtz aus Stolberg bei Aachen mit seiner Frau Anny.

Wieder wird es sein, als sei ein großes Heer friedlicher Musikliebhaber ausgezogen und alle lagern dicht an dicht, um der Musik zu lauschen und dabei genau das zu genießen, warum dies Konzert „Proms“ heißt: Das Publikum kann während des Konzertes entspannt über den Rasen promenieren, herumspazieren also, wenn nicht gerade der Schluck aus dem Weinglas, der Blick in den Sternenhimmel und das Hören wichtiger sind.

Wenn dann im zweiten Teil des klassischen Konzertes mit der traditionellen „Second Half Pops“ die von allen erwarteten Stücke „Rule Britannia“ oder „Land Od Hope And Glory“ und „Jerusalem“ erklingen, werden die Hamburger zu Briten: Sie singen, schwenken Fähnchen und Kerzen und Wunderkerzen durch die Luft bis zum Schluss beide Nationalhymnen den Abend beenden. Dann werden die Reste eingepackt, der Bollerwagen bestückt und Tausende von Zuschauern machen sich mir ihren Taschenlampen über das dunkle Rasengelände des Polo Clubs auf den Weg nach Hause.

 Peter Rogers

Derjenige, der den Abend wie immer eröffnen wird, ist Peter Rogers. Er rief den „British Day“ 1991 ins Leben. Da war seine Idee, in Hamburg ein Forum zu schaffen, um britische Produkte und Lebensart auf unterhaltsame Weise der Öffentlichkeit vorzustellen. Peter Rogers tat das als Chairman der Hamburger „British Chamber Of Commerce In Germany“. Der Zufall stand Pate, wie für vieles Schöne im Leben. Peter Rogers: „In den 80er Jahren sprach die Welt von den Engländern als Fußballrowdys und vom schlechten englischen Essen“, er lächelt und fährt fort „da musste man was dagegen setzen!“ So wurde Hamburg im Laufe der Jahre zum Vorbild für andere British Days in Deutschland.

Peter Rogers ist der Begründer des British Day in Hamburg

Inzwischen sind einige hundert ehrenamtliche Helfer damit beschäftigt, den British Day zu planen, zu gestalten und durchzuführen. „Eine große Familie“, sagt Peter Rogers. Vom Strom, Wasser, Müll, Presse, Tombola Verkauf bis zu den Kinderspielen wird alles ehrenamtlich betreut. Rogers: „Unser Engagement gilt inzwischen auch besonders den mit dieser Veranstaltung verknüpften wohltätigen Zwecken für die schon Hunderttausende zusammengekommen sind.“

 Am Ende der Konzertnacht

In diesem Jahr soll dass Geld an die NCL-Stiftung gehen und an den Freundeskreis „Die Arche Hamburg e.V.“ Die NCL Stiftung wurde im Jahr 2002 gegründet und hat das Ziel, eine Therapie gegen die tödliche Kinderkrankheit NCL (Neuronale Ceroid Lipofuszinose) zu entwickeln, eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der die betroffenen Kinder zuerst erblinden und dann die Fähigkeit verlieren, zu reden, zu denken und zu handeln. Im Freundeskreis „Die Arche Hamburg e.V“ werden vernachlässigte Kinder betreut.

Mit diesen Hilfsprojekten hat sich Peter Rogers` Wunsch erfüllt: „Wir können noch mehr füreinander tun als uns mögen und respektieren“, und wer bis zum Proms Concert gedacht haben sollte, die Hamburger seien steif und kühl, danach wird er darüber staunen, wie locker sie sind. Peter Rogers: „Die Briten staunen auch darüber!“

Alle Informationen über den British Day, das Proms Concert und die Charities unter: www.britishday.

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