Power-Performance

Von Renato Diekmann
Was lange währt, wird richtig gut. Mit dem neuen Q7 will der Ingolstädter Autokonzern der SUV-Klasse zu mehr Glanz verhelfen und neue Maßstäbe setzen. Auf Anhieb beeindruckt der Neuling durch schiere Größe. Zwar kommt der Wagen spät, dafür ist er um so schöner geworden und übertrifft seine Mitbewerber VW Touareg, BMW X5, Mercedes M-Klasse, Porsche Cayenne, Lexus RX oder Range Rover nicht nur in der Größe. Trotz einer Länge von 5,10 Meter und fast zwei Meter Breite wirkt der Q7 betont dynamisch und grazil. Vorne dominiert der voluminöse, fast senkrecht stehende Singleframe-KühlergrillQ7, hinter dem sich ein leistungsstarker Motor verbirgt. Zum Heck hin fällt das fließende Dach leicht ab, schmale Fenster und eine hohe Schulter, gewölbte Kotflügel und eine markante Sicke geben dem Fahrzeug eine elegante sportliche Note. Eigenwillig geformt ist auch die weit nach oben schwingende Heckklappe, die mit den Rückleuchten in die Fahrzeugflanken greift.
Hinter dem Lenkrad einmal Platz genommen, fällt die Größe der Superlative von Audi nicht mehr ins Gewicht. Man fühlt sich sofort heimisch und wohl. Das Cockpit orientiert sich an dem des Audi A6, die Instrumente sind klar gegliedert, die Materialien edel und sorgfältig verarbeitet. Q7Alles fühlt sich robust und luxuriös an. Innen ist üppig Platz für bis zu drei Sitzreihen mit wahlweise fünf, sechs oder sieben Plätzen. Die Sitze in der zweiten Reihe können in Längsrichtung verschoben werden und gewähren genügend Beinfreiheit. Auch das Gepäck kommt großzügig unter. Wird die (für Kinder geeignete) dritte Sitzreihe umgeklappt, wächst der Laderaum auf 2035 Liter.
Der 2,3 Tonnen schwere Q7 fährt sich überraschend leicht und agil. Dem Fahrer vermittelt er eher ein Gefühl, das man von einer sportlichen Limousine kennt. Die Ingolstädter Ingenieure legten großen Wert auf Fahrkomfort. Und so glänzt das Fahrzeug mit hochentwickelten Qualitäten – serienmäßig unterstützt von einer geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung. Der Quattro-Allradantrieb ist so ausgelegt, dass im Normalfall 60 Prozent der Antriebskraft an die Hinterräder und 40 Prozent an die Vorderachse gelangen. So in Bewegung gesetzt, reagiert der Wagen angenehm direkt und lässt sich in jeder Situation präzise beherrschen. Das harmonisch abgestimmte Fahrwerk schluckt problemlos alle Unebenheiten, schnelle Spur- und Kurvenwechsel nimmt er souverän und sicher. Für 2.510 Euro Aufpreis gibt es sogar eine Kombination aus Luftfederung und elektronisch gesteuertem Dämpfungssystem, dass sich je nach Fahrweise und Geschwindigkeit gegen die gefährliche Kurvenneigung der Karosse stemmt und somit die Straßenlage spürbar optimiert. Der Fahrkomfort ist on- und offroad das Beste, was ein SUV derzeit zu bieten hat. Für extremes Gelände ist der Q7 allerdings nicht konzipiert. Separate Differentialsperren und Getriebeuntersetzungen gibt es nicht. Um so mehr glänzt er mit seinen Stärken auf der Piste, schwingt sanft über welligen Fahrbelag, nimmt kurze HolperstreckQ7en gelassen ohne jedes Klappern. Selbst bei hohem Tempo hält er sicher seine Spur, bleiben die Abroll-, Wind- und Fahrgeräusche angenehm niedrig.
Angetrieben wird das Luxus-Gefährt derzeit von einem V6-Dieselaggregat, das aus drei Litern Hubraum 233 PS und 500 Nm schöpft, sowie von einem 4,2 Liter großen V8-Motor, der mit Benzindirekteinspitzung auf satte 350 PS und 440 Nm Drehmoment kommt. Geschaltet wird in beiden Fällen seidenweich mit einer sechsstufigen Tiptronic-Automatik. Ein V6-Benziner mit 280 PS wird in der zweiten Jahreshälfte folgen, ebenso eine Hybrid angetriebene Version für 2008. Und wie man hört, dürfen Audi-Fans sogar noch auf eine Kraft strotzenden Power-Maschine hoffen, die dem 521 PS-starken Porsche Cayenne Turbo S locker Paroli bietet. Bei der ersten Probefahrt erwies sich der 3-Liter-Turbodiesel allerdings um einiges harmonischer, drehfreudiger und wirtschaftlicher als sein stärkerer Bruder, der jeden Tritt aufs Gaspedal geräuschvoll kommentiert, deutlich mehr Treibstoff (Super plus bleifrei) schluckt und trotz höherer Motorkraft auch nicht wesentlich agiler zu händeln ist.
Dass der Q7 über allerlei Annehmlichkeiten serienmäßig verfügt, ist in dieser Preisklasse Usus. Sie beginnen bei Einparkhilfe, Funk-Zentralverriegelung, vier elektrischen Fensterhebern, Licht- und Regensensor und enden bei Zwei-Zonen-Klimaanlage, vier Zwölf-Volt-Steckdosen und einstellbaren Rückenlehnen im Fond. Lobenswert ist der Bedienkomfort des Multi Media Interface (MMI), über das Radio und Navigation gesteuert werden. Der Grundpreis des Diesels liegt bei stolzen 48.900 Euro, der des V8-Benziners bei 64.900 Euro. Mit zahlreichen Optionen lässt sich der Q7 locker um einige Zehntausender aufrüsten. Zum Beispiel mit Navigations-, Exon-plus- und Kurvenlichtsystem, Kamera-Einparkhilfe, Radar-Tempomat mit Notbremsfunktion und Vier-Zonen-Klimaanlage. Sitzheizung, Panoramadach und eine Musikanlage mit 14 Lautsprechern der Firma Bose werten den Wagen weiter auf. Eine beispielhafte Innovation ist der adaptive „Audi side assist“, ein radargestützter Spurwechselassistent, der den Pilot vor Fahrzeugen im toten Winkel warnt.
Mit dem Q7 hat Audi nicht nur einen Volltreffer gelandet, sondern auch einen Glücksgriff getan. Das belegen über 14.000 deutsche Vorbestellungen für den zur Zeit elegantesten Wagen im Segment der Sport Utility Vehicles.

Schreibe einen Kommentar