Medikament gegen Prostatakrebs verbessert die Lebensqualität

Von Renato Diekmann
In Deutschland erkranken jährlich 40.000 Männer an Prostatakrebs – Tendenz steigend. Prostatakrebs können Männer über 50 Jahren bekommen, meistens tritt er bei Männern aber erst nach dem 70-zigsten Lebensjahr auf – Alter ist also der größte Risikofaktor. Über die Ursachen der Erkrankung weiß man bislang noch wenig. Als begünstigende Faktoren werden vor allem hohe Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron genannt sowie ein hoher Konsum tierischer Fette. Bei den früh auftretenden Krebsformen spielen auch die Gene eine wichtige Rolle. Männer mit einer gutartigen Wucherung der Vorsteherdrüse (Prostatahyperplasie) haben in der Regel kein erhöhtes Risiko. Liegt ein Prostatakrebs im Frühstadium vor, finden sich im Blut des Patienten größere Mengen eines Eiweißmoleküls, dem Prostata-spezifischen Antigen (PSA). Ein erhöhter PSA-Wert alleine bedeutet aber noch keine Krebs-Diagnose. Zur Absicherung des Verdachts werden dann unter Ultraschallkontrolle Gewebeproben entnommen. Jeder Mann über 45 Jahre hat übrigens Anspruch auf eine Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung (PSA-Test), denn bei frühzeitiger Erkennung kann am besten und erfolgreichsten behandelt werden. Bisher gibt es noch keine verbindlichen Leitlinien für die Ärzte zur Behandlung von Prostatakarzinomen. Der Grund dafür ist u.a. ein Fehlen von entsprechenden Studien, die den modernen Ansprüchen an Methodik und Auswertung genügen. Dieser Missstand wurde jetzt durch das große EPC(Early Prostata Cancer)-Programm beseitigt. Auf der kürzlich beendeten 13. Europäischen Krebskonferenz in Paris (ECCO) wurde die dritte Auswertung dieser bislang größten Studie zur Behandlung des Prostatakarzinoms vorgestellt, in der ein Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 7,5 Jahren abgedeckt wird. Den Ergebnissen der Studie zufolge kann bei Männern mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor (d.h. mit einem über den Prostatakapsel-Rand hinaus gewachsenem Krebs) durch die Einnahme des Antiandrogens Bicalutamid zusätzlich zu einer Strahlentherapie das Sterberisiko um 35% reduziert werden im Vergleich zu einer alleinigen Bestrahlung. Bei Patienten, bei denen weder operiert noch bestrahlt sondern beobachtend abgewartet wurde (eine vor allem in Skandinavien übliche Methode), ergab sich bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Tumor ein tendenzieller Überlebensvorteil. Bei Patienten mit einem lokal begrenzten Tumor hat die Antiandrogenbehandlung keinen klinischen Nutzen. Insgesamt erhöht sich also die Überlebenswahrscheinlichkeit durch die zusätzliche Einnahme von Bicalutamid in erster Linie nur bei Männern mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs und hier vor allem bei Männern, bei denen der Tumor zunächst bestrahlt wurde. Information & Hilfe finden Betroffene beim Bundesverband Prostatakrebs-Selbsthilfe e.V. (BPS) unter www.prostatakrebs-bps.de

Schmerzfreies Krankenhaus

Schmerz ist teuer. Allein in Deutschland verursachen 8 Millionen Schmerzpatienten bis zu 30 Milliarden Euro Kosten durch Medikamente, Krankenhausaufenthalte, Reha-Maßnahmen und Arbeitsausfälle. Vielen Patienten könnten Schmerzen erspart bleiben, wenn die Erkenntnisse der modernen Schmerztherapie konsequent umgesetzt würden. Mangelndes Wissen und falsche Überzeugungen seitens Pflegepersonal, Ärzten wie Patienten behindern den adäquaten Umgang mit Schmerz und schmerzbezogenen Symptomen. Unabhängig von der Schmerzform erleidet mindestens jeder zweite Patient im Krankenhaus Schmerzen, und aufgrund aktueller pflegewissenschaftlicher und medizinischer Erkenntnisse berichtet jeder dritte Schmerzpatient über starke bis stärkste Schmerzen während seines Krankhausaufenthaltes. Viele Patienten teilen Pflegern und Ärzten in Krankenhäusern erst gar nicht mit, dass sie Schmerzen haben, weil die Patienten generell der Meinung sind, dass Schmerz zur Erkrankung dazu gehört (etwa durch Verletzungen und Operationen). Langsam setzt sich allerdings die Erkenntnis durch, dass Patienten wissen wollen, wie gut oder wie schlecht ein Krankenhaus eine angemessene Schmerztherapie, auf die jeder Patient grundsätzlich Anspruch hat, durchführt. Krankenkassen und Kliniken arbeiten bereits daran, hier mehr Transparenz zu entwickeln. Mittlerweile gibt es das von mundipharma unterstützte Pilotprojekt Schmerzfreies Krankenhaus, an dem derzeit 25 deutsche Kliniken teilnehmen. An der Evaluation beteiligt sich z. B. das Klinikum Nord Hamburg unter der Leitung von PD Dr. Detsch ebenso wie die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum unter der Leitung von Professor Dr. Maier und das Universitätsklinikum im westfälischen Münster unter der Leitung von PD Dr. Pogatzki-Zahn.

Neue Chancen durch Biotechnologie

Spektakuläre Fortschritte haben die Biowissenschaft in das allgemeine Bewusstsein gerückt. Das Erbgut des Menschen ist weitgehend entschlüsselt. Jetzt gilt es, seine Funktionsweise zu verstehen, erklärte unlängst das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin. Die Entschlüsselung des Erbguts verspricht einen enormen Erkenntnisschub und viele neue Ansatzpunkte für die Bekämpfung von Krankheiten. Gerade der Gesundheitssektor in Deutschland befindet sich hier seit einigen Jahren deutlich im Umbruch. Es zeigt sich zudem, dass zukunftsträchtige Innovationen und neue Medikamente mehr und mehr von Biotechnologieunternehmen wie Amgen, Biogen Idec und Serono und nicht mehr von klassischen Pharmaunternehmen hervorgebracht werden. „52% aller neuen Medikamente kommen aus der Biotechnologie“, bestätigt Günter Lützenkirchen, Geschäftsführer der Biogen Idec GmbH Deutschland. Auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Innovationskraft von Biotechnologieunternehmen ist enorm gewachsen. Eine aktuelle Studie belegt, dass fast 90% der Befragten glauben, dass vor allem Biotechnologieunternehmen die Quelle zukünftiger Neuentwicklungen auf dem Life Science-Sektor sein werden. Schließlich gibt es immer noch viele Krankheiten, die höchst ungenügend therapiert sind – z. B. Krebs, Alzheimer, Morbus Parkinson und Multiple Sklerose. Unter diesem Gesichtspunkt lohnt sich biotechnologische Forschung allemal, auch wenn das Risiko (noch) groß ist – die Chancen sind es aber auch. Wer den Bauplan der Natur versteht und das menschliche Genom nicht nur entschlüsseln, sondern dessen Funktionen gezielt einsetzen kann, der ist in der Lage, Krankheiten zu bekämpfen, gegen die zuvor kein Kraut gewachsen war. Deshalb müssen die Forschungsaktivitäten in der Biotechnologie auch künftig fortgeführt und ausgebaut werden.

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