Die Wonnen des Alters… im „BSE Zeitalter“

Von Johanna Renate Wöhlke

Es ist an der Zeit, etwas über die Wonnen des Alters im BSE Zeitalter zu schreiben. Denn nicht alles, was den Anstrich des Negativen erhält, ist es bei näherem Hinsehen wirklich. Lassen wir also den Jugendlichkeitswahn bei Seite und widmen wir uns dem Leben, wie es zur Zeit wirklich ist. Wenn in vielen Jahren die Experimente forschender Ärzte so weit gediehen sein werden, dass gesunde menschliche Köpfe von ihren kranken Rümpfen getrennt werden, um sie auf gesunde Rümpfe zu transplantieren, werden wir sowieso in ein Zeitalter eingetreten sein, in dem Leben neu definiert werden muss. Sich alles das vorzustellen überlassen wir den kreativen Science Fiction Schreibern und Ärzten. Bleiben wir also mit beiden Beinen in der überschaubaren Realität und Vergangenheit: Die Wonnen des Alters bestehen doch heute darin, überhaupt erst einmal so alt geworden und nicht durch Pest, Cholera, Syphilis, Wundstarrkrampf, Tuberkulose und Kriege früh gestorben oder durch Unfälle der technischen Zivilisation um das Leben gekommen zu sein. Im BSE Zeitalter aber ist das Alter ein besonders toller Komplize in Sachen Lebensgenuss! Kein älterer Mensch muss sich durch diese läppische Rinderseuche im Genuss von Rindfleisch bedroht fühlen, denn ehe die Krankheit ausgebrochen ist, ist er sowieso schon längst tot! Sogar ich hätte in diesem Fall bis zum Ausbruch der Krankheit nach etwa dreißig Jahren noch eine tadellose Lebenserwartung von 80 Jahren. Das ist mehr als doppelt so viel wie meine Geschlechtsgenossinnen im Mittelalter. Wen dieses Beispiel nicht überzeugt, dem ist nicht zu helfen. Denn die Wonnen des Alters im BSE Zeitalter liegen damit klar auf der Hand. Fürchten wir es also nicht. Wir sind fein raus. Sollen die Jungen doch „enthaltsam“ leben. Wir gehen gelassen in die Zukunft. Was sie uns bringen wird, steht sowieso in den Sternen..

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