Bienenstich mit bösen Folgen

Von Renato Diekmann

600.000 in Deutschland lebende Insektengiftallergiker müssen von April bis Oktober besonders vorsichtig sein. Der Stich einer Biene oder Wespe kann bei den betroffenen Personen einen allergischen Schock auslösen und lebensbedrohliche Folgen haben: Atemnot, der Blutdruck fällt dramatisch, der Kreislauf kollabiert.
„Allein in Deutschland ereignen sich bis zu 20 Todesfälle durch Insektenstiche“, berichtete die Allergologin und Lungenfachärztin Dr. Cornelia Schirpke bei einem Insektengiftsymposium des auf Allergien spezialisierten Pharmaunternehmens Bencard in Radefeld bei Leipzig.
Der bedrohliche Zustand bei einer Bienen- oder Wespenstichallergie muss jedoch nicht von Dauer sein. Mit Hilfe der sogenannten Hyposensibilisierung kann fast jeder Insektengiftallergiker innerhalb von 3 Jahren seinen Obstkuchen wieder unbehelligt auf der Gartenterrasse genießen.
Die Hyposensibilisierung ist die einzige Möglichkeit, eine Insektengiftallergie ursächlich zu behandeln. Im Grund bedeutet diese Therapie nichts anderes, als das Immunsystem des Patienten mit genau dem Insektengift zu behandeln, auf das er beim ersten Stich allergisch reagierte. Nach neuesten Erkenntnissen ist die subkutane Immuntherapie (SCIT) besonders effektiv, denn zwischen 80 und 100 Prozent der Patienten tolerieren anschließend einen Stich mit dem entsprechenden Insekt reaktionslos. Vereinfacht wird die SCIT neuerdings durch die immer häufiger angewendete Ultra-Rush-Hyposensibilisierung, die im Krankhaus unter ärztlicher Aufsicht an zwei aufeinander folgenden Tagen erfolgt. Während der stationären Behandlung erhält der Patient im Stundentakt die übliche Höchstdosis des entsprechenden Insektengiftes von 100 µg/ml subkutan injiziert. Nach der Entlassung wird dem Insektengiftallergiker weiterhin das entsprechende Insektengift durch den niedergelassenen Allergologen oder geschulten Hausarzt im Abstand von 4 Wochen über mindestens 3 Jahre subkutan verabreicht. Danach ist der Patient in der Regel beschwerdefrei gegen das Insektengift, auf das er zuvor allergisch reagierte.
Die Ultra-Rush-Hyposensibilisierung ist nach ersten Studienergebnissen gut verträglich. Besonders vorteilhaft sind bei dieser Methode die sich schneller einstellende Schutzwirkung der Hyposensibiliserung gegenüber wiederholten Stichen sowie der geringere finanzielle Aufwand für den Patienten bei der Zuzahlung während der stationären Behandlung.

Bienen, Hornissen, Hummeln und Wespen stechen nur, wenn sie sich angegriffen fühlen. Panik ist deshalb völlig fehl am Platz. Vermeiden Sie vor allem fuchtelartige Bewegungen mit den Armen, um sie davon zu scheuchen. Besonders angelockt werden Hautflügler von süßen, zuckerhaltigen Lebensmitteln (z. B. Pflaumenkuchen), Schweinefleisch, schwarzer Kleidung, Schweißgeruch, Alkoholfahne und Parfüm. Die meisten Menschen reagieren auf Insektengift mit den üblichen Symptomen wie Schmerz, Juckreiz, örtliche (handtellergroße) Schwellung und Rötung, nicht aber mit allergischen Beschwerden. Die Bereitschaft, auf den Kontakt mit bestimmten Stoffen allergisch zu reagieren, beruht bei den betroffenen Personen auf einer besonderen Veranlagung oder Empfindlichkeit und ist teilweise erblich bedingt. In Mitteleuropa sind Honigbienen und die im Sommer allgegenwärtigen schwarzgelben Wespen die häufigsten Auslöser von Insektenstickreaktionen, Hornissen und Hummeln kommen seltener vor.

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