Eine bewegende Geschichte deutsch-italienischer Freundschaft aus Hamburg

Italienisch-deutscher Freundeskreis „PisciottAmburgo“ aus Hamburg Neugraben empfängt Atlantiksegler Pino Veneroso aus Marina di Pisciotta

Von Johanna Renate Wöhlke

Eine bewegende Geschichte deutsch-italienischer Freundschaft aus Hamburg

Italienisch-deutscher Freundeskreis „PisciottAmburgo“ aus Hamburg Neugraben empfängt Atlantiksegler Pino Veneroso aus Marina di Pisciotta

„Im Jahr 1880 überquerten drei aus dem Cilento stammende Garibaldi-Anhänger in ihrem selbst gebauten 9-Meter-Schiff den Atlantik“. Diese Aussage hat auf den ersten Blick nichts mit Hamburg Neugraben zu tun, auf den zweiten aber sehr viel! Denn dort gibt es den deutsch-italienischen Freundeskreis „PisciottAmburgo“. Dazu gehört Pino Veneroso (61) aus dem italienischen Ort Pisciotta, im Landstrich des Cilento südlich von Neapel gelegen.

Pinos Traum

Der Freundeskreis hat Pino Veneroso tatkräftig unterstützt, als er sich im vergangenen Jahr genau diesen Lebenstraum erfüllte: auf den Spuren dieser drei Landsleute von Pisciotta nach Montevideo in Uruguay zu segeln, zu segeln mit seiner 9-Meter-Sloop „Jutta“, benannt nach seiner deutschen Frau Jutta. Nun waren Pino und Jutta Veneroso in Neugraben, um von der glücklichen und von den italienischen Medien bejubelten  Heimkehr Pinos im August zu berichten und dem Freundeskreis für seine Hilfe und Unterstützung zu danken
Pino Veneroso mit seinem Segler „Jutta“

Aus Fremden werden Freunde

Diese Geschichte ist eine Freundschaftsgeschichte voller Zufälle und Abenteuer auf beiden Seiten: Wäre Pino Veneroso am Strand von Marina di Pisciotta nicht vor einigen Jahren dem Neugrabener Oberstudienrat Karl-Heinz Hoffert begegnet, der dort in einem Sabbatjahr mit seinem Segelschiff vor Anker gegangen war, wäre der Kontakt zu Pinos deutscher Frau Jutta nicht zustande gekommen, die an der Schule in Pisciotta unterrichtet.

Aus laut gedachten Träumen wurde aus den Vorstellungen der beiden Lehrer die Idee geboren. Die Idee wurde umgesetzt. So kam es, dass sich im Rahmen eines Schüleraustausches einige Klassen aus Pisciotta und Neugraben mit Besuch und Gegenbesuch einander die so unterschiedlichen Mentalitäten und Lebensgewohnheiten ihrer Heimatländer nahe brachten. Die Eltern wurden mit einbezogen. Man begann, die andere Sprache zu lernen und dafür Kurse einzurichten.

Gernot Seitz und Karl-Heinz Hoffert begannen, regelmäßige Treffen zwischen Italienfreunden, Eltern und Schülern im Gymnasium Süderelbe zu organisieren. Mit viel Liebe machten sie es zu ihrem Anliegen, ohne die Rechtsform eines Vereins, eine funktionierende Gemeinschaft Gleichgesinnter am Leben zu erhalten, immer wieder zu informieren und zahlreiche Aktivitäten zu planen und auf die Beine zu stellen. Gegenseitige Besuche fanden statt. Italien in Neugraben? Keine Frage für PisciottAmburgo!

Piratenüberfall und Tankerkollision überlebt

So musste der Besuch von Pino Veneroso, seiner Frau und einer Gruppe von Freunden aus Pisciotta das Ereignis in dem nun fast drei Jahre bestehenden Freundeskreis werden. Die Neugrabener lauschten Pinos Abenteuern – abgesehen von hohem Seegang und einer gefräßigen kleinen Maus an Bord: Im Hafen von Recife in Brasilien plünderten Piraten sein Schiff aus und in einer Novembernacht kollidierte er mit einem Supertanker. Die Bugwelle des Tankers schleuderte die „Jutta“ gegen die turmhoch erscheinende Bugwand des Schiffes.

Der Tanker nahm von der Kollision keine Notiz und blieb auf seinem Kurs, während Pino entsetzt feststellen musste, dass der Mast seines Schiffes zur Hälfte abgebrochen war. Segeln war nicht mehr möglich. In dreißig Stunden fuhr er unter Motor die 130 Seemeilen bis zum Hafen von Salvador/Bahia. Dort halfen nicht nur der italienische Konsul und Freunde aus Pisciotta. Eine Blitzsammlung unter den Freunden in Neugraben, die während der ganzen Reise über Jutta Veneroso mit Pino in Verbindung standen, ergab 1200 Euro.

Das Leben danach

Zu Ehren seiner Frau und der Neugrabener Freunde hatte Pino eine deutsche Flagge und einen Wimpel „PisciottAmburgo“ an Bord. Diesen weitgereisten Wimpel übergab er nun den deutschen Freunden zur Erinnerung und dann sagt er noch etwas über sich und seine Reise: „Ich bin auf dieser Reise mehr Mann und weniger Kind geworden. Ich muss mich neu orientieren lernen. Man ist so viel alleine an Bord und durchlebt Euphorien und Zusammenbrüche. Ich habe sogar die Idee entwickelt, ein Mönch zu werden. Ich liebe mein Leben und habe keine Angst vor dem Tod“. PisciottAmburgo – eine Freundschaftsgeschichte in Süderelbe voller Abenteuer und Zuneigung. Deshalb überreichten die Neugrabener dem alten Seebären auch ein blaues Freundschaftsband mit allen Unterschriften.

Sie bindet ein Band der Freundschaft: (von links) Jutta Veneroso, Pino Veneroso, Karl-Heinz Hoffert, Gernot Seitz mit ihrem Freundschaftswimpel

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