Vertrauen ist wichtig, der Mensch zählt

Roland FreudensteinRoland Freudenstein im Gespräch

Von Johanna Renate Wöhlke

„Seit dem 15. September 2008 ist Roland Freudenstein nicht mehr Leiter des Hanse-Office in Brüssel. Er ist nun „Head of Research“ des „Center für European Studies“ in Brüssel.“

Das  etwas andere Portrait

Ein Artikel über Roland Freudenstein könnte so beginnen: Hamburgs Mann in Brüssel heißt Roland Freudenstein: 2004 übernahm der heute 47 Jahre alte Politologe die Leitung des „Hanse-Office“ in Brüssel, die gemeinsame Vertretung der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Europäischen Union als gleichberechtigter Leiter zusammen mit dem Vertreter Schleswig-Holsteins, jetzt Thorsten Augustin. In dieser Funktion gehört es zu Freudensteins Aufgaben, die Interessen Hamburgs wirksam in Brüssel zu vertreten, das heißt, möglichst frühzeitige und umfassende Informationen über die aktuelle EU-Politik an die Landesregierung zu übermitteln, Standortwerbung zu betreiben und auf kultureller Ebene im Sinne Hamburgs aktiv zu werden. Das bedeutet Netzwerkarbeit, Kommunikation und Kontakte knüpfen. Der Leiter des Hanse-Office macht sich für Hamburg stark in Europa und trägt dadurch gleichzeitig dazu bei, Europa stark in Hamburg zu machen, Zukunft zu entwickeln und nachhaltig gestalten zu helfen.

Ein Artikel über Roland Freudenstein könnte aber auch damit beginnen, dass Hamburgs Mann in Brüssel sich in seiner Freizeit gerne mit Science Fiction Literatur beschäftigt! Sinnverwandtes liegt nicht fern, denn Europa und Science Fiction können auf der Basis einer historisch gelassenen Betrachtungsweise aus ein und demselben Blickwinkel betrachtet werden: Politiker, die im Gedächtnis ihrer Wähler sehr viel länger als eine Wahlperiode überlebt haben, waren auch immer große Visionäre.

Wie oft sind Wirklichkeit, Ideen und Phantasien heilvolle und unheilvolle Verbindungen eingegangen. Die Skurrilitäten und Normalitäten Europas in seinen Entwicklungszweigen und Ansätze einer utopisch gedachten Gesellschaft sind in mehr als nur einem Aspekt ineinander integrierbar und spiegeln sich auf internationalem Parkett: Ein Staatenbund, der vielleicht einmal zu einem Bundesstaat werden könnte?  Dieser bunte Teppich über Jahrhunderte gewachsener europäischer Nationalstaaten dauerhaft friedlich vereint?

Da trifft die Realität auf ein großes Interessensgebiet Freudensteins, die internationale Sicherheitspolitik. Auch das sind Tätigkeitsfelder, auf denen er sich seinen Platz gut denken kann und seine Fähigkeiten einsetzt. So agiert Hamburgs Mann in Brüssel offensichtlich immer in den Einzugsbereichen von Realitäten und Visionen auf für Hamburg so wichtigen Feldern wie Verkehr und Hafen, Meerespolitik, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, Forschungspolitik und auch so wichtige Themen, die Kinderarbeit vermeiden helfen, wie sie gerade beim Knüpfen von Teppichen aktuell sind.

Als er 2002 noch in seiner Funktion als Koordinator für internationale Politik der Konrad Adenauer Stiftung in Berlin  einen Vortrag über Science Fiction ausgearbeitet hatte, gab er ihm die Überschrift „Von Metropolis zur Matrix: Mensch und Technologie in der Science-Fiction-Literatur“. Was von den berühmten Science Fiction Autoren beschrieben wird, liest sich nicht so weit entfernt von den Strukturen des aktuellen politischen Geschehens in Europa. Freudenstein beschreibt die Schwarzmaler, die Zweifler, die Optimisten, die Fortschrittskonservativen. Chancen und Gefahren sind offensichtlich.

Aber die Idee eines friedlichen Europas ist zu gut und zu wichtig, zu elementar für das Zusammenleben der Menschen, als dass sie sich durch Zweifler und Schwarzmaler aufhalten lassen darf. Menschen wie Roland Freudenstein arbeiten für Hamburg daran: „Vertrauen ist wichtig. Der Mensch zählt!“ Dafür fliegt der Leiter des Hanse-Office gern an sechs Tagen im Monat von Brüssel nach Hamburg, ist ein Reisender in Sachen Hamburg und Europa.

International Zuhause ist Freudenstein übrigens auch in vielen Sprachen: präsentations- und verhandlungssicher in Englisch, Französisch und Polnisch – er war von 1995 bis 2001 Leiter der Außenstelle der Konrad Adenauer Stiftung in Warschau. Grundkenntnisse hat er in Japanisch, Spanisch, Russisch, Norwegisch und Slowenisch – Slowenisch wohl der Liebe wegen, denn seine Frau Alenka b nist Slowenin und er lernte sie kennen, als er 1993 bis 1995 für den außenpolitischen Planungsstab der Europäischen Kommission in Brüssel arbeitete. Da war sie für die Botschaft ihres Landes tätig. Die beiden Kinder Micha (7) und Maja (5) wachsen in dieser Familie zu Europäern heran. Nun können sie ihren Vater auch begleiten, wenn er als Mitglied eines belgischen Modellflugclubs immer einmal wieder vor den Toren der Stadt seine selbst erfundenen Modellflugzeuge steigen lässt, „Nurflügel“ genannt.

Europa in Hamburg und Brüssel voranbringen und sich dabei positive Ziele setzen, das ist für Freudenstein essentiell.  Die Zukunft  der Welt wird sich dabei nicht – wie bei dem optimistischen Science Fiction Autor Isaac Asimov in Freudensteins zitierter Abhandlung – „mit Hilfe von Technologie, Taktik und außersinnlichen Fähigkeiten zu Gunsten des Guten entscheiden“. Aber geben wir Isaac Asimow eine Chance mit den von ihm erfundenen berühmten drei Robotergesetzen: Das erste verlangt bekanntlich, dass ein Roboter nie einen Menschen verletzen oder ihm durch Untätigkeit Schaden zufügen darf. Das zweite verpflichtet den Roboter zu Gehorsam gegenüber den Befehlen von Menschen, solange diese das erste Gesetz nicht verletzen. Das dritte schließlich gibt dem Roboter auf, seine eigene Existenz zu schützen, solange dies nicht dem ersten und zweiten Gesetz widerspricht.

Wer es nicht für zu skurril hält, nur einen Gedankengang lang den Begriff Roboter durch Europa zu ersetzen, ist wahrscheinlich inhaltlich von Europapolitik gar nicht so weit entfernt. Ob Roland Freudenstein diesem Gedankengang auch folgen würde, bleibt im Dunkeln. Sein Schmunzeln ist dieser Interpretation gewiss. Denn Hamburgs Mann in Brüssel hat auch Humor, und der kann bekanntlich nie schaden und hat ganz sicher mit Europa und seinen Visionen nicht nur das O gemeinsam!

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