Nichts ist klar… vor der Wahl in Hamburg 2008

Randbemerkungen  zum Fernsehduell von Ole von Beust und Michael NaumannNichts ist klar – laut Aussage der Demoskopen eine Woche vor der  Wahl in Hamburg am 24.Februar 2008

Von Johanna Renate Wöhlke

An diesem Abend werden viele scharfe Bilder gemacht, aber nichts ist klar. Ole von Beust und Michael Naumann treten an in „Das Duell“ im Fernsehstudio des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg Lokstedt. Die durch den NDR in seinem Papier „Presse aktuell“ an die anwesenden Journalisten verteilte Nachricht lautet: Keine klaren Mehrheiten bei der Hamburg-Wahl. Eine NDR-Umfrage durch Infratest hat das ergeben.

In der Mitte klare und scharfe Bilder wird es an diesem Abend geben, denn die Mitte ist personell doppelt solide besetzt, doppelt bürgerlich, doppelt gebildet, doppelt „beherzt“ für Hamburg mit individuell zu vergebenden Sympathiepunkten. Die werden gesammelt an den ausgefransten Rändern, die es wahrzunehmen gilt. An den Rändern tummeln sich die Entscheidungsnuancen, denn unter Hamburgs Brücken muss keiner hungern und frieren, wohl aber werden Armut und Wohlstand unterschiedlich beschrieben und definiert. Wie könnte das anders sein. Die Presse verfolgte das Duell in einem großen Saal neben dem  Fernsehstudio

Nur unwesentlich und fast metaphorisch die optische Differenz zwischen von Beust und Naumann beim Fototermin im Fernsehstudio für die Journalisten: Beide legen ihre Hände vor sich auf das Halbrund des Stehpultes – von Beust legt die Linke über die Rechte; Naumann legt die Rechte über die Linke. Sich dann für die Fotos die Hände gebend und in die Kameras lächelnd, eine höfliche Einstimmung auf das Fernsehgespräch wie nicht anders erwartet.

Aber ob dieser Zweikampf an diesem Abend die Wahl entscheiden hilft? Vermutlich wohl eher die anfängliche Frage von NDR Chefredakteur Andreas Cichowicz nach dem aktuellen Steuerskandal um den Postchef Zumwinkel und seine nach Liechtenstein „gerettete“ Million. Naumann prangert Moralverfall der Wirtschaftselite an, von Beust ärgert sich über die „Raffkes, die den Kanal nicht voll kriegen.“

Der Bürgermeister im Gedrängel zwischen den Kameraleuten nach dem  DuellEs bleibt der Wunsch, dass die Wähler sich nicht aufgrund eines mehr oder weniger gelungenen Fernsehauftrittes entscheiden mögen. Allerdings – auch andere Entscheidungskriterien werden nicht frei von Emotionalität sein, eine Binsenweisheit. Die lässt sich nicht nur durch Aussagen der Demoskopen belegen, sondern auch durch eigene Anschauung. In der Wahlkabine ist der Mensch bekanntlich alleine mit sich, dem Kugelschreiber und dem Wahlzettel – bei dieser Wahl mit vielen Wahlzetteln. Die „Kurzfristigen“, „Unentschlossenen“ haben neben den Wahlverweigerern in Sekunden in der Wahlkabine schon manche Wahl entschieden.

Im Fernsehduell sagt Ole von Beust zum Schluss – und Naumann stimmt zu: „Wir müssen alles tun, damit junge Leute nicht auf dumme Gedanken kommen!“ Bliebe konklusiv hinzuzufügen: Und bei den Alten verhindern, dumme Gedanken auszuführen. Das wiederum scheint mit einem inneren rechten Maß und Winkel zu tun zu haben – nichts aktuell Zumgewinkeltes eben. Das ist klar in der aktuellen demokratischen Wahlmathematik.

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