Momentaufnahmen

20 Jahre Gemeinsame Kommission und
Hochschulübergreifende Koordinationsstelle für Frauenstudien und Frauenforschung in Hamburg

Von Johanna Renate Wöhlke

Die erste „Leitstelle zur Gleichberechtigung der Frau“ in Deutschland wurde in Hamburg ins Leben gerufen. Das war im Jahr 1979 und die Leiterin hieß Eva Rühmkorf. Ein Modell staatlicher Frauenpolitik war geboren.

Was heute vielfach so selbstverständlich scheint, damals war es erstmals Gegenstand öffentlicher und politischer Auseinandersetzungen: Frauen in Institutionen und durch Projekte zu fördern, ihnen dabei zu helfen, einen gleichberechtigten Platz in allen Teilen der Gesellschaft zu erkämpfen und zu erhalten. Eva Rühmkorf: „Es scheint notwendig, immer wieder einmal daran zu erinnern, dass vieles, was uns heute selbstverständlich ist, in unverdrossenem, zähen Ringen gegen Widerstand und Unverstand erkämpft worden ist.“

Nun gibt es ein Buch, das sich gerade das zum Ziel gesetzt hat: zu erinnern, festzuhalten und damit auch gleichzeitig zu erneuern und den Punkt Frauenpolitik nicht von der Tagesordnung zu verlieren. Es heißt „Momentaufnahmen“ und enthält Portraits von 25 Hamburger Hochschulfrauen.

Anlass für diese Publikation war das zwanzigjährige Bestehen der Gemeinsamen Kommission sowie der Hochschulübergreifenden Koordinationsstelle für Frauenstudien und Frauenforschung in Hamburg.

Die Kulturwissenschaftlerin Dr.Cornelia Göksu hat  „Momentaufnahmen“ geschrieben.

Initiatorin dieses Buches ist Dr.Cornelia Göksu, Kulturwissenschaftlerin aus Hamburg. Ihr Anliegen ist es, die Lebensleistung dieser Frauen zu dokumentieren und damit das Licht der Öffentlichkeit auf die selbst gewählten Räume der Bescheidenheit zu lenken, in denen sich diese Arbeit vollzieht. Wahrscheinlich wäre keine der Hochschulfrauen auf den Gedanken gekommen: „Uns gibt es nun schon 20 Jahre. Machen wir ein Buch über uns!“

Cornelia Göksu allerdings hatte diesen Gedanken. Er entwickelte sich aus einem Gespräch mit Dagmar Filter, seit 1984 Leiterin der Hochschulübergreifenden Koordinationsstelle für Frauenstudien und Frauenforschung an Hamburger Hochschulen. Sie ist gemeinsam mit Gisela Kamke, eine der 25 porträtierten Frauen, die Herausgeberin des Buches. Beide Frauen haben von Anfang an mit viel Begeisterung die Gleichstellungspolitik an den Hochschulen in dieser offiziellen Institution gebündelt, als Künstlerin und Pädagogin die eine und Dokumentarin und Nachrichtenredakteurin die andere.

Nun ist also ein Buch auf dem Markt, das in Rückschau, Chronologie der Entwicklungen, einer Publikationsliste und den Momentaufnahmen-Interviews mit den 25 Frauen anhand der persönlichen und individuellen Lebens- und Wirkungswirklichkeit dieser Frauen ihren praktischen und dornenreichen Weg mit dem Ziel der Gleichstellung beschreibt.

Dr. Cornelia Göksu hat ihn gemeinsam mit der Grafikerin Mo Küssner in ein nach Inhalt und Form anspruchsvolles Buch umgesetzt. Sie führte die Interviews und schrieb sie auf. Mo Küssner gestaltete das Buch, ließ ihre Kreativität spielen und führt die Leser mit kleinen „Seitenziffernmädchen“ von Seite zu Seite.

Eva Rühmkorf und ihre Mitarbeiterin Cordula Stucke schrieben ein Geleitwort. Mit Bedauern stellt Eva Rühmkorf darin fest, dass die „Leitstelle Gleichstellung der Frau“ in Hamburg im Jahr 2004 aufgelöst und abgewickelt worden ist, „ohne dass es dazu in der Öffentlichkeit nennenswerte Reaktionen gab“, und sie fügt am Ende ihrer Einleitung hinzu: „Überliefern wir also den nachfolgenden Generationen nicht nur unsere Archive, sondern auch unsere Erfahrungsberichte als Zeichen unserer Überzeugung: Die nächste Frauenbewegung kommt bestimmt!“

Das Buch ist zum Preis von 5 Euro plus Porto zu beziehen bei: Koordinationsstelle, Binderstraße 34, 20146 Hamburg und über E-mail: frauenstudien@hwp-hamburg.de

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