Kein Leben ohne Enzyme

Von Renato Diekmann

In der Behandlung von Krebs, Typ-2-Diabetes, Harnwegsinfektionen, chronischen rheumatischen Beschwerden, aber auch bei vielen anderen Krankheitsbildern rücken Enzyme oft als begleitende Therapie immer mehr in den Blickpunkt. Trotz vielversprechender klinischer Erfahrungen steckt die Forschung hier in vielen Bereichen noch in der Entwicklungsphase. Um die Forschung auf diesem zukunftsweisenden Feld zu fördern, neue Denkmodelle anzustoßen und die Resultate dieser Arbeit einem breiten Publikum zugänglich zu machen, veranstaltete die Wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung der Enzymtherapie (WGFE) unter Leitung von Professor Dr. Dieter Adam Mitte Oktober in Hamburg ihr erstes wissenschaftliches Symposium zum Thema „Aktuelle therapeutische Optionen und Forschung mit proteolytischen Enzymen“.

Ohne Enzyme gäbe es kein Leben, schreibt Dr. med. Barbara Bethcke in ihrer Einladung an Medizinjournalisten, und hebt damit die Wichtigkeit des Themas hervor. Enzyme (zusammengesetzt aus dem Griechischen für Gärungsmittel bzw. Sauerteig) steuern als Biokatalysatoren die verschiedensten Stoffwechselvorgänge lebender Organismen. Dies reicht von der Verdauung bis zum Kopieren von Erbinformationen. Enzyme sind deshalb für den Stoffwechsel unverzichtbar. Ein Teil der Enzyme wird im gesamten Organismus überall dort aktiv, wo lokale Entzündungsvorgänge eine Rolle spielen, sie bilden wichtige Regulations- und Kontrollpunkte im Stoffwechselgeschehen.    So vielfältig wie die Wirkweise ist auch ihr Einsatzspektrum: Diabetes, Harnweginfektionen, Krebserkrankungen, Rheuma, Gelenk- und Muskelschmerzen, Arthritis, Venenbeschwerden, Krampfadern, Bronchitis und Sinusitis, aber auch Zahnfleischentzündungen und Parodontitis, Erkältungskrankheiten durch geschwächte Immunabwehr sowie vorzeitige Alterserscheinungen durch freie Radikale.

Bei Wikipedia ist zu lesen, dass die medizinische Diagnostik Enzyme verwendet, um Krankheiten zu entdecken. In den Teststreifen für Diabetiker befindet sich zum Beispiel ein Enzymsystem, das unter Einwirkung von Blutzucker einen Stoff produziert, dessen Gehalt gemessen werden kann. Auch im menschlichen Blut ist eine Reihe von Enzymen anhand ihrer Aktivität direkt messbar, denn die im Blut zirkulierenden Enzyme entstammen teilweise spezifischen Organen. Es können also anhand der Erniedrigung oder Erhöhung von Enzymaktivitäten im Blut Rückschlüsse auf Schädigungen bestimmter Organe gezogen werden. So kann z. B. eine Bauchspeicheldrüsenentzündung durch die stark erhöhte Aktivität der Lipase (Fett spaltende Enzyme) und der Pankreas-Amylase (Stärke spaltende Enzyme) im Blut erkannt werden.

Enzyme sind zudem wertvolle Werkzeuge der Biotechnologie. Ihre Einsatzmöglichkeiten reichen von der Käseherstellung (Labferment) bis hin zur Gentechnik. Enzyme werden unter anderem in der Industrie benötigt. Waschmitteln fügt man Lipasen (Fett spaltende Enzyme), Proteasen (Eiweiß spaltende Enzyme) und Amylasen (Stärke spaltende Enzyme) zur Erhöhung der Reinigungsleistung hinzu, weil diese Enzyme die entsprechenden Flecken zersetzen. Und man verwendet Enzyme zur Herstellung einiger Medikamente. Sie spielen in der Medizin eine immer wichtigere Rolle. Denn viele Arzneimittel hemmen Enzyme oder verstärken ihre Wirkung, um eine Krankheit zu heilen. Prominentester Vertreter solcher Arzneistoffe ist wohl die Acetylsalicylsäure, die das Enzym Cyclooxygenase hemmt und somit unter anderem schmerzlindernd wirkt.

Gerade für das Immunsystem sind Enzyme von zentraler Bedeutung, denn sie steuern das Gleichgewicht der Immunreaktionen, mit denen der Körper auf Krankheitserreger, Verletzungen oder schädliche Umwelteinflüsse reagiert. Meist gehen diese mit Entzündungsprozessen einher. Die nachgewiesene Wirkung von Enzymkombinationen basiert darauf, dass sie Entzündungsprozesse regulieren und gleichzeitig Schwellungen und Schmerzen lindern. Die Einnahme von Enzymen erfolgt ganz einfach in Form von Dragees oder Tabletten. Aktuellste Forschungsergebnisse, die auf dem wissenschaftlichen Symposium von Experten in Hamburg vorgestellt wurden, bestätigen die Wirkweise von nebenwirkungsarmen Enzymen generell bei allen Erkrankungen, bei denen eine Entzündung eine Rolle spielen – entweder als eigenständige Enzymtherapie oder ergänzend zur Standardtherapie. So gibt es laut Dr. Winfried Miller umfangreiche Erfahrungen mit dem Einsatz von Enzymen in der Krebsbehandlung zusätzlich zur Strahlen- und Chemotherapie. In vielen Fällen, berichtete der niedergelassene Facharzt für Onkologie in Kempten, können spezielle Enzymkombinationen die Lebensqualität sowie die beschwerdefreie Überlebenszeit von Tumorpatienten positiv beeinflussen.                                           Auch bei dem Typ-2-Diabetes ergibt sich nach Professor Dr. Stephan Martin ein mögliches therapeutisches Potenzial von Enzymen im Rahmen einer Therapie, was durch weitere Studien belegt werden könnte. Erste Untersuchungen, über die der Ärztliche Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums am Gerresheimer Krankenhaus, Düsseldorf, berichtete, deuten darauf hin, dass bereits im Vorstadium von Typ-2-Diabetes eine begleitende Enzymtherapie sinnvoll sein könnte.

Bei Harnwegsinfektionen – wie z. B einer unkomplizierten Blasenentzündung – konnte nachgewiesen werden, dass mit einer Enzym-Zusatztherapie zur Standardtherapie mit Antibiotika ein schnellerer Rückgang der Beschwerden und damit eine Verkürzung des Heilungsprozesses erzielt werden kann. Auch bei der Behandlung von chronischen rheumatischen Erkrankungen wird zunehmend der entzündungshemmende und abschwellende Effekt von speziellen Enzymkombinationen als begleitende Therapie eingesetzt.  In der Medizin wird vor allem Bromelain, das einzige bislang in Europa zugelassene Arzneimittel bei akuten und chronischen Entzündungen, eingesetzt. Bromelain wirkt blutverdünnend und entzündungshemmend. Es hilft beim Abbau von , einem Eiweißstoff im Blut, der die Blutzirkulation herabsetzen kann. Es beeinflusst das , da es die Auflösung fremder bewirken kann. Es gibt Hinweise, dass der Rohextrakt, ein Enzym (Cystein-Protease) aus dem Stamm der Ananaspflanze, eine umfassendere medizinische Wirkung aufweist als das einzelne Enzym.

Quellen: WGFE, Wikipedia

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